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Die Mehlbeere: Als Baum ein Zwerg, ökologisch ein Riese

Natur In Ochsenwang steht ein prächtiges Exemplar der Mehlbeere, dem „Baum des Jahres“.

Die Mehlbeere im Gewann Auchtert in Ochsenwang ist rund 14 Meter hoch. Foto: Julia Usenbenz

Bissingen. Mit der Mehlbeere wurde ein eher unbekannter Laubbaum zum Baum des Jahres 2024 gekürt. Ein ganz besonders stattliches Exemplar ist auf der Gemarkung Ochsenwang zu finden.

„Die Ochsenwanger Mehlbeere steht im Gewann Auchtert in der Nähe der Eduard-Mörike-Straße“, informiert das Kreisforstamt Esslingen. Geschätzt 125 Jahre alt, hat es der langsam wachsende Baum auf einen respektablen Stammumfang von 2,55 Metern gebracht. Mit einer Höhe von nur 14 Metern ist die Ochsenwanger Mehlbeere aber vergleichsweise ein Zwerg unter den Baumarten – ökologisch betrachtet hingegen ist sie ein Riese. So sind Mehlbeeren für den Vogelschutz von Bedeutung. Bei Untersuchungen in England wurden 18 Vogelarten beim Verzehr der rötlichen Beeren beobachtet.

Wichtigstes Erkennungsmerkmal der Echten Mehlbeere – Sorbus aria – sind ihre silbrig-grauen Blattunterseiten. Der Blattrand ist doppelt gesägt, das heißt, es gibt zahlreiche größere Zähne, die in sich nochmals gezähnt sind. Die Mehlbeere spielt als Waldbaum keine große Rolle, da sie aufgrund ihrer geringen Baumhöhe, dem langsamen Wachstum und ihrem hohen Lichtbedarf im natürlichen Konkurrenzgeschehen mit anderen Baumarten im Waldgefüge nicht mithalten kann. Häufig wird sie aufgrund ihres hohen Lichtbedarfs und ihres langsamen Wachstums selbst an Weg- und Waldrändern verdrängt. Daher besiedelt sie gerne Freiflächen und fühlt sich im Offenland sichtlich wohler, auch weil sie keine Probleme mit intensiver Sonnenbestrahlung hat.

Hohe Trockentoleranz

So gesehen kommt der Baum des Jahres 2024 mit den Herausforderungen des Klimawandels wie Trockenstress und Hitzewellen weitgehend zurecht und hat Potenzial für die Zukunft. Die Baumart könnte aufgrund dieser Trockentoleranz noch eine wichtige Rolle im klimastabilen Zukunftswald spielen. Ihren Namen bekam die Mehlbeere übrigens, weil ihre gemahlenen Samen in früheren Zeiten gelegentlich dem Mehl beigemischt wurden, um es zu strecken oder Backwaren süßer zu machen. pm