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„Die Resonanz auf das Musikzentrum ist durchweg positiv“

Einrichtung Die beiden Köpfe des Musikzentrums Baden-Württemberg in Plochingen, Irena Staudenmaier und ­Heiko Schulze, freuen sich über eine gute Belegung. Geplant sind „Deutsche Trompetentage“. Von Rainer Kellmayer

Das vor mehr als zwei Jahren in Plochingen eröffnete Musikzentrum Baden-Württemberg des Landesblasmusikverbands ist Mittelpunkt der Bläsermusik sowie der gesamten Amateurmusik im Land. Im Gespräch berichten die Verbandsdirektorin Irena Staudenmaier, die für die organisatorischen Abläufe verantwortlich ist und Heiko Schulze, der als Direktor für Musik und Bildung und Leiter der Bläserakademie Baden-Württemberg das Akademieprogramm verantwortet, über Inhalte und Abläufe des Musikzentrums.

 

Frau Staudenmaier, Herr Schulze, das Musikzentrum Baden-Württemberg ist seit mehr als zwei Jahren in Betrieb. Was waren die besonderen Herausforderungen in der Anfangszeit?

Heiko Schulze: Die Eröffnung des Hauses fiel mitten in die Corona-Krise und verlangte von uns, neben dem Start des Akademieprogramms, die Beachtung der vorgegebenen Hygienekonzepte. Wir mussten Teilschließungen vornehmen: Die Situation war eine große Herausforderung für uns.

Irena Staudenmaier: Wegen dieser besonderen Umstände war das Jahr 2023 unser erstes Betriebsjahr unter normalen Bedingungen.

 

Haben sich die Arbeitsabläufe inzwischen eingependelt?

Staudenmaier: Vieles hat sich bewegt, doch wir sind sicherlich noch nicht am Ziel. Die Grundsatzdiskussionen über Prozesse und Arbeitsumsetzungen sind vollzogen. Wir wissen, wo wir ansetzen müssen und wie wir weitere Optimierungen angehen können. Daran arbeiten wir.

 

Wie gestaltet sich die Zusammen­arbeit der verschiedenen im Musikzentrum untergebrachten Institutionen?

Schulze: Hier zeigt sich, dass die Idee, das Haus als Kompetenzzentrum zu denken, wirklich aufgeht. Gerade in der Corona-Krise mussten wir tagtäglich Entscheidungen für unsere Mitglieder treffen. Da war der intensive Austausch mit unseren Fachpartnern hier im Haus eine wahre Goldgrube, aus der wir schöpfen konnten und gegenseitig voneinander profitiert haben. Die enge Zusammenarbeit orientiert sich stets an den Fachthemen.

Staudenmaier: Wir pflegen einen regen Erfahrungsaustausch, und so profitiert jeder von der Expertise des anderen. Angedacht ist eine noch engere Verzahnung, etwa durch gemeinsame Fortbildungsveranstaltungen.

 

Wie stellt sich die Belegungssituation dar? Schreibt das Musikzentrum inzwischen schwarze Zahlen?

Staudenmaier: Zu Beginn waren die Belegungszahlen überschaubar, doch im Jahr 2023 konnten wir unsere Belegungen bereits verdoppeln. Die Perspektiven sind hervorragend: Das Musikzentrum Plochingen ist inzwischen etabliert und unser Angebot stößt auf großes Interesse. Wir sind auf einem guten Weg.

 

Die Rückmeldebögen der Kurs­teilnehmerinnen, die durchweg positive Resonanzen zeigen, sind für uns eine große Motivation für unsere Arbeit.
Heiko Schulze

 

Wer ist für das Catering des Hauses verantwortlich?

Staudenmaier: Seit Herbst 2022 haben wir eine eigene Küchenstruktur: Wir haben uns vom damaligen Caterer verabschiedet. In unserer eigenen Küche wird regional und frisch gekocht. Das Feedback der Besucher ist durchweg positiv. Wir entwickeln uns jedoch weiter. Beispielsweise bieten wir auch den Betrieben aus unserer Umgebung einen Mittagstisch an.

 

Wie verliefen die Kurse und Veranstaltungen im vergangenen Jahr?

Schulze: Wir konnten das vergangene Jahr mit mehr als 90 Kursen abschließen. Das stellte nicht nur eine quantitative, sondern insbesondere auch eine qualitative Herausforderung dar. Die Rückmeldebögen der Kurs­teilnehmerinnen und -teilnehmer, die durchweg positive Resonanzen zeigen, sind für uns eine große Motivation für unsere Arbeit. Unser Kursprogramm wird demnach von den Teilnehmenden sehr dankbar angenommen.

 

Welche Höhepunkte beinhaltet das Kursprogramm in diesem Jahr?

Schulze: Das Kursprogramm der Bläserakademie Baden-Württemberg wird weiterhin an Bewährtem festhalten. Die Akademie startet im kommenden Jahr – in enger Zusammenarbeit mit der Stuttgarter Musikhochschule – einen neu konzipierten Dirigentenkurs C 3. Darüber hinaus sind wir Kooperationen mit bedeutenden Instrumentenherstellern eingegangen. Wir werden die ersten Deutschen Trompetentage, spezielle Euphonium-Tage und Deutsche Schlagzeugtage organisieren. Diese Veranstaltungen werden ganz sicher eine bundesweite Ausstrahlung haben.

Verbandsdirektorin und Direktor für Musik und Bildung

Irena Staudenmaier wurde in Maribor in Slowenien geboren. Seit dem zehnten Lebensjahr lebt sie in Böhmenkirch im Kreis Göppingen. Sie hat Philosophie und Mediation studiert und einen Master in Immobilienmanagement abgelegt. Nach verschiedenen Stationen im Hotelmanagement ist Staudenmaier seit Ende 2022 Verbandsdirektorin im Blasmusikverband Baden-Württemberg. Sie ist für die Weiterentwicklung des Verbands unter ideellen, aber auch unternehmerischen Aspekten verantwortlich. Die 49-Jährige ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

Heiko Schulze wurde 1970 im sächsischen Döbeln geboren. Der Musiker, Dirigent und Funktionär studierte Posaune an der Musikhochschule Nürnberg und in Leipzig Dirigieren bei Jochen Wehner. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Musikschulleiter in Bad Lausick wechselte Schulze 2000 als Intendant zum damaligen Leipziger Rundfunkblasorchester. Er wurde Landesmusikdirektor in Sachsen, Bundesmusikdirektor der Bundesvereinigung Deutscher Musikverbände, seit 2019 ist er zudem Vize-Präsident des Bundesmusikverbands Chor und Orchester. 2019 wurde Schulze zum Direktor für Musik und Bildung im Blasmusikverband Baden-Württemberg berufen. kell