Kirchheimer Umland

Die Sprachretterin

Stadtbücherei-Serie: Waltraud Lang teilt ihren Lese-Eifer mit Vorliebe

Selbst zu lesen reicht ihr nicht: Waltraud Lang gibt ehrenamtlich Deutschunterricht für Flüchtlinge.Foto: Jean-Luc Jacques
Selbst zu lesen reicht ihr nicht: Waltraud Lang gibt ehrenamtlich Deutschunterricht für Flüchtlinge.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Seit wann das Kirchheimer Büchereikärtlein in ihrer Geldbörse steckt, weiß sie schon gar nicht mehr – bevor die vielen Bücher

in ihre neue Heimat am Krautmarkt umzogen, war‘s auf jeden Fall. Seit über 25 Jahren kommt Waltraud Lang also regelmäßig in die Stadtbücherei – auch um ihren eigenen Bücherdurst zu stillen. Ihr Hauptanliegen ist jedoch ein anderes.

Heutzutage sei es schwieriger, Kinder fürs Lesen zu begeistern, hat Waltraud Lang beobachtet. Das stimmt sie etwas traurig, denn: „Lesen ist absolut wichtig“ – zum Spaß im Urlaub, beim Nichtstun, um den Horizont zu erweitern und nicht zuletzt, um die Sprache zu fördern. Letzteres tut sie auch. Dass Kinder weniger lesen, bleibe nicht ohne Folgen: „Die gute Sprache verschwindet langsam“, befürchtet sie und steuert dem mit aller Kraft entgegen.

Die 58-Jährige ist Lerntherapeutin mit einer eigenen Praxis und hilft Kindern mit Lese- und Rechtschreibschwäche. „Durch das Vorlesen führt man die Kinder an das eigene Lesen heran“, erklärt sie. Auch mit ihren eigenen Kindern suchte sie früher oft die Bücherei auf und las ihnen vor – in der Hoffnung, der Funken würde von der Mutter auf sie überspringen. Mit Erfolg.

Außerdem gibt sie Flüchtlingen ehrenamtlich Deutschunterricht, um auch sie in den Genuss der deutschen Sprache zu bringen. In dem letzten bisschen ihrer Zeit fährt sie für den Mobilen Bücherdienst alle vier Wochen in die Stadtbücherei und bringt einer blinden Frau Hörbücher nach Hause.

Der einzige Nachteil bei all dem Eifer ist, dass ihr selbst kaum noch Zeit für einen gemütlichen Büchereibummel bleibt. Das Angebot einer Bücherei weiß sie durchaus zu schätzen: „Praktisch ist, dass man vieles ausleihen kann: Wenn es interessant ist, liest man weiter, wenn nicht, gibt man es einfach wieder zurück.“ Sie habe sogar schon selbst Bücher gekauft und sie in die Bücherei gebracht. Ihre Bücher bequem von zu Hause aus in der Onlinebibliothek zu leihen, sei trotz Zeitmangel keine Option: Sie gehört, nach eigenen Worten, „zu der Generation, die Bücher noch durchblättern will“. Man könne ja nicht alles digital haben: Ihr reicht das, was im Fernsehen kommt.

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