Kirchheimer Umland

Die Stadt baut im Ötlinger Ginsterweg

Baurecht Der Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan ist gefallen. Auf der bisherigen Freifläche im Wohngebiet Halde soll ein Vier-Familien-Haus mit begrüntem Pultdach entstehen. Von Andreas Volz

Der vordere Teil der Freifläche auf dem Bild wird zum Bauplatz. Im hinteren Teil bleiben Bäume und Parkplätze erhalten.Foto: And
Der vordere Teil der Freifläche auf dem Bild wird zum Bauplatz. Im hinteren Teil bleiben Bäume und Parkplätze erhalten. Foto: Andreas Volz

Im Ötlinger Ginsterweg kann gebaut werden: Der Gemeinderat hat den Satzungsbeschluss gefasst und somit das notwendige Recht geschaffen. Lange war um diese Bebauung gerungen worden. Die Anwohner wehrten sich dagegen, dass die gesamte Freifläche überbaut werden soll. Nun wird ein Kompromiss umgesetzt: Bebaut wird nur der östliche Teil des Areals. Im Westen bleiben Grünflächen und Parkplätze erhalten.

Noch aber bleibt es mit der Neubebauung bei „grauer Theorie“. Bis wirklich einmal Bagger oder Kräne anrücken - um ein städtisches Gebäude zur Unterbringungen von Flüchtlingen und Obdachlosen zu erstellen -, dürfte noch sehr viel Zeit vergehen.

Fast hätte alles noch länger gedauert, denn dem Bebauungsplan „Tobel-Zoller-Halde“ drohte eine weitere „Schleife“. Strittig war nämlich die mögliche Dachform. Der Plan war von einem begrünten Pultdach ausgegangen. Da es aber in der gesamten Umgebung nur Satteldächer gibt, hatte der SPD-Fraktionsvorsitzende Marc Eisenmann im Gemeinderat den Antrag gestellt, auch in diesem Fall ein Satteldach vorzuschreiben. Wäre der Antrag durchgegangen, hätte die Stadt den Bebauungsplan ein weiteres Mal auslegen müssen.

Gibt sich die Stadt Sonderrechte?

Marc Eisenmann begründete seinen Antrag mit deutlichen Worten: „An diese Stelle gehört ein Satteldach. Ich glaube nicht, dass ein privater Bauherr hier ein Pultdach bauen dürfte.“ Ähnlich sah das auch CIK-Stadtrat Hans Kiefer: „Die Stadt erlaubt sich hier Dinge, die sie anderen wohl nicht erlauben würde.“ Deswegen fürchtete er, „dass uns das Pultdach noch lange nachhängen wird, weil ein Satteldach an dieser Stelle das Bessere gewesen wäre“. Allerdings erkannte er, dass der richtige Zeitpunkt, ein Satteldach zu fordern, bereits verpasst war.

Diesen Punkt benannte auch Reinhold Ambacher (Freie Wähler): „Ein Satteldach ist es uns nicht wert, noch einmal eine neue Schleife zu drehen.“ Seine Fraktion wünsche sich nun eine baldmöglichste Bebauung.

Ötlingens Ortsvorsteher Hermann Kik bemängelte grundsätzlich, dass es im Vorfeld des gesamten Projekts an der nötigen Kommunikation gefehlt habe. Zum Satteldach meinte er, dass es zwar besser zur Umgebungsbebauung passen würde als ein Pultdach. Er ging aber auch auf die Nachteile ein. „Das Satteldach verursacht höhere Kosten, und es lässt sich nicht begrünen.“

Letzteres war das entscheidende Argument für Sabine Lauterwasser (Grüne), um zu konstatieren: „Ein begrüntes Pultdach ist besser als ein Satteldach.“ Das Gesamtkonzept bezeichnete sie als „gute Lösung“: Zum einen entstehe ein neues Gebäude, zum anderen bleibe sowohl der Baumbestand als auch die Parkfläche zum Teil erhalten.

Weil nun also nur noch ein einziges Vier-Familien-Haus entstehen soll, geht auch Ortsvorsteher Kik von einem guten Kompromiss aus. Zur Befürchtung, dass deswegen mehr Verkehr die Anwohner im Ginsterweg beeinträchtigen könnte, meinte er: „An dieser Stelle gibt es keinen Durchgangsverkehr. Deswegen dürfte dieses eine neue Haus auch nicht zu einem Verkehrschaos führen.“

Der SPD-Antrag auf ein Satteldach fand bei der Abstimmung nur sieben Befürworter und wurde somit deutlich abgelehnt. Mit ähnlichen Stimmanteilen fiel danach der Satzungsbeschluss - bei sieben Gegenstimmen.

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