Kirchheimer Umland

Die Vollstrecker sind am Werk

Brauchtum Zum ersten Mal fand die Narrentaufe der Kloster-Deifel auf dem Rollschuhplatz in Kirchheim statt. Für Stimmung sorgte die Nausstragger Guggamusik aus Wäschenbeuren. Von Iris Häfner

Premiere für die Kloster-Deifel – und Lena: Zum ersten Mal fand die Narrentaufe der Kirchheimer Zunft nicht wie gewohnt auf dem Marktplatz statt, sondern auf dem Rollschuhplatz. Es gab einen Täufling – Lena –, den es galt, in die Zunft mit einem Ritus aufzunehmen. Sie hatte Glück, in der Vergangenheit mussten ihre Vorgänger weit mehr über sich ergehen lassen, um ein ordentliches Mitglied der Narrenzunft Kloster-Deifel Kirchheim werden zu können.

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Für sie stand eine Art überdimensionierte blaue Badewanne bereit. Lena musste rein, damit die Vollstrecker ihr Werk ausüben konnten. Das hieß in diesem Fall: einen Eimer Sägemehl und danach einen Eimer Asche über sie auszuschütten. Als Zugabe gab es noch eine ordentliche Ladung Federn obendrauf, insbesondere in die Haare. Geradezu stoisch ließ die junge Frau all das über sich ergehen und knabberte anschließend brav am tiefgekühlten Schoko-Früchte-Spieß, dem laut Zunftmeister Holger Böhm auch Knoblauch, Chili und Zwiebeln beigemischt waren.

Das Ambiente mit der historischen Stadtmauer am Rollschuhplatz war stimmig, die Temperaturen frostig. So fanden nicht allzu viele Schaulustige den Weg zur Taufe. Doch einige wackere befreundete Zünfte ließen sich davon nicht abschrecken, insbesondere die Nausstragger Guggamusik aus Wäschenbeuren, die dem Nachmittag die besondere musikalische Würze verlieh. Claudia, die Dirigentin, war der heimliche Star der Veranstaltung. Sie hatte nicht nur ihre schrägen Musiker voll im Griff, sondern sorgte mit ganzem Körpereinsatz für die richtige Stimmung. Auch ein paar Lenninger Hexen haben sich auf ihren imaginären Besen geschwungen und sich talabwärts in der Teckstadt blicken lassen.

Allerdings tummelten sich nicht allzu viele Teufel auf und um den Rollschuhplatz. Sie trieben ein bisschen ihren Schabernack mit den Zuschauern, und einer musste gar bei den kalten Temperaturen im Sarg ausharren, bis Zunftmeister Böhm ihn mit magischen Worten erweckte. Fast ein Jahr hat der arme Kerl in der Hölle verbracht, gestern wurde er für die kommende Fasnets-Saison wieder zum Leben erweckt.