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Die Weilheimer Baumschule Ulmer hat einen neuen Junior-Chef

Unternehmen Jakob Ulmer ist in die Geschäftsführung der elterlichen Baumschule in Weilheim eingestiegen. Der 24-Jährige will den Familienbetrieb in siebter Generation weiterführen. Von Bianca Lütz-Holoch

Feuerrot haben sich die Blätter des 75 Jahre alten japanischen Ahorns gefärbt. Auch die Kupferfelsenbirne und der Eisenholzbaum mit dem silbrigen Stamm präsentieren sich in rotem Gewand und setzen einen Kontrast zu den grünen Formgehölzen und den Großsträuchern, die den klangvollen Namen „Sieben Söhne des Himmels“ tragen.

 

Wir stellen eines der umweltfreundlichsten
Produkte überhaupt her.
Jakob Ulmer

 

Die Gehölze im Park der Baumschule Ulmer in Weilheim sind aber weit mehr als eine Augenweide. „Sie tragen entscheidend zum Klimaschutz bei, indem sie CO2 speichern und Sauerstoff bilden“, sagt Jakob Ulmer. „Wir stellen damit eines der umweltfreundlichsten Produkte überhaupt her.“ Für den 24-Jährigen ist das einer von vielen guten Gründen gewesen, in das Familienunternehmen einzusteigen. Seit Oktober teilt er sich die Geschäftsführung mit seinem Vater Christoph Ulmer. Der freut sich nicht nur über Unterstützung im Tagesgeschäft. „Toll ist auch, dass damit die Unternehmensnachfolge geregelt ist und die Baumschule in siebter Generation weitergeführt werden kann“, so Christoph Ulmer. Auf rund 80 Produktionsfeldern mit insgesamt 40 Hektar Fläche pflanzen die Ulmers Bäume, Sträucher und Stauden an. Das 1860 gegründete Unternehmen hat rund 20 Mitarbeiter.

Seniorchef Christoph Ulmer will sich künftig noch mehr auf die kreative Gartenplanung in Kooperation mit Garten- und Landschaftsbauern spezialisieren. Unterdessen übernimmt Jakob Ulmer verstärkt das operative Geschäft mit Ein- und Verkauf. Außerdem ist er für die Azubis zuständig. „Mit jungen Leuten zu arbeiten und Wissen zu vermitteln, macht mir großen Spaß“, sagt der Junior-Chef. Aktuell beschäftigt die Baumschule vier Lehrlinge. Insgesamt hat das Unternehmen schon 45 Fachkräfte ausgebildet. „Was die Mitarbeiter und den Nachwuchs angeht, sind wir wirklich gut aufgestellt“, freuen sich Vater und Sohn.

Christoph und Jakob Ulmer mit einem Baum, der in das innovative Folien-System gepflanzt ist. Foto: Carsten Riedl

Spezialisiert auf Solitärgehölze

Tatsächlich hat der Beruf des Baumschulgärtners aus Sicht von Jakob Ulmer jede Menge zu bieten. „Die Arbeit in der Natur ist einfach schön“, schwärmt er. Dazu kommt, dass das Spezialgebiet der Baumschule Ulmer spannende Aufgaben mit sich bringt. „Wir haben uns auf die Produktion und den Verkauf von hochwertigen Solitärgehölzen spezialisiert“, erläutert Jakob Ulmer. Gemeint sind damit exklusive oder besonders große und wertvolle Bäume, die für sich stehen und wirken können. Dazu gehört der japanische Ahorn, der im 1,2 Hektar großen Baumpark im Herzen Weilheims steht, ebenso wie die mehrstämmigen Kiefern, die weidenblättrige Eichen und die großen, klimarobusten Feldahornbäume, die im neuen Baumpark der Ulmers auf einer Grünfläche am Ende der Mozartstraße in Reih und Glied stehen.

Müssen sie transportiert werden, bringt das jede Menge Aufregung mit sich. „Dann muss man sie in sieben Metern Höhe zusammenbinden oder mit dem Kran übers Haus hieven“, beschreibt Jakob Ulmer. Das sei etwas ganz anderes als die eher eintönige, tägliche Obstbaumpflege von früher. Innovativ ist übrigens auch das Einpflanz-System für Großbäume, das die Ulmers anwenden. Deren Wurzelballen werden mittlerweile mit einer speziellen Noppenfolie umwickelt. Wird der Baum verkauft, zieht er mit unbeschädigten Wurzeln um. „Das verhindert den Verpflanzschock“, erläutert Christoph Ulmer. Am neuen Standort wachsen die Bäume dann sofort weiter. „Man kann sie daher eigentlich auch zu fast jeder Jahreszeit umpflanzen“, ergänzt Jakob Ulmer.

Der neue Baumpark für Großbäume ist bereits eines von Jakob Ulmers „Babys“. „Ich habe ihn während meiner Zeit an der Meisterschule mitentwickelt“, sagt der frischgebackene Geschäftsführer. Seinen Meister hat Jakob Ulmer an der Bayrischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau in Würzburg gemacht und mit Sonderehrung abgeschlossen. Danach hat er noch den Techniker draufgesetzt, um in BWL, Unternehmensführung und Marketing fit zu werden.

Den neuen Baumpark für Großbäume am Ende der Mozartstraße hat Jakob Ulmer während seiner Zeit an der Meisterschule mitentwickelt. Foto: Carsten Riedl

Einige Jahre im Ausland verbracht

Bereits mit 16 Jahren war Jakob Ulmer nach Heidelberg gezogen und hatte dort eine dreijährige Ausbildung zum Baumschulgärtner in einer großen Baumschule absolviert. Anschließend arbeitete er ein gutes Jahr bei einem Garten- und Landschaftsbauer in der Schweiz und anschließend einige Zeit bei einem Lieferanten in Italien.

Die Baumschule Ulmer verkauft ihre Gehölze zu großen Teilen an den Großhandel und andere Baumschulen, aber auch an Kommunen, Unternehmen und Privatleute. Festgestellt hat Jakob Ulmer, dass mit dem Klimawandel und dem Artensterben auch das Bewusstsein für die Bepflanzung wächst, nicht zuletzt, weil sie das Mikroklima positiv beeinflusst. „Im Gegensatz zu früher sind Bäume an Terrassen jetzt gewünscht, weil sie Schatten spenden“, nennt er ein Beispiel. Um etwas gegen das Bienensterben zu unternehmen, kaufen viele Kunden Blühpflanzen. Oftmals sehen sich Kommunen auch in der Pflicht, Bäume zu pflanzen – alles in allem aus Sicht der Ulmers vielversprechende Zukunftsaussichten.

Unterstützung für Cellcentric

Vom geplanten Gewerbegebiet Rosenloh in Weilheim sind auch zahlreiche Flächen der Baumschule Ulmer betroffen. Den Bau der Brennstoffzellenfabrik von Cellcentric unterstützt Christoph Ulmer trotzdem: „So etwas Innovatives kann man doch nicht blockieren“, sagt der Senior-Geschäftsführer der Baumschule. Schließlich gehe es dabei auch um eine Zukunftstechnologie, die zur CO2-Einsparung beitrage. Mit der Stadt Weilheim sei er in gutem Austausch. „Sie hat uns Ersatzflächen angeboten.“