Kirchheimer Umland

Die Wiedergeburt der Eierschale

Garten Biomüll lässt sich mit wenig Aufwand im eigenen Garten recyceln. Der gute, alte Komposthaufen liefert nicht nur wertvollen Humus aus Küchenabfällen. Er fördert auch die Artenvielfalt. Von Daniela Haußmann

Im Handel gibt es verschiedene Komposter zu kaufen.Fotos: Daniela Haußmann
Im Handel gibt es verschiedene Komposter zu kaufen. Foto: Daniela Haußmann

Komposthaufen sind eine tolle Sache. Sie sparen handelsüblichen Dünger und damit bares Geld. Gleichzeitig lassen sich auf ihnen Obst- und Gemüsereste bequem und sinnvoll zu Humus verwerten. So entsteht aus Küchenabfällen ein nährstoffreiches Abbauprodukt, das Pflanzen rund ums Haus zum Sprießen bringt. Wer einen Kompost anlegen will, muss sich erst einmal Gedanken über den richtigen Standort machen. „Um Austrocknung oder Fäulnis zu vermeiden, sollte der gewählte Platz weder in der prallen Sonne noch im totalen Schatten liegen,“ rät Wolf Rühle, der Umwelt- und Naturschutzbeauftragte der Stadt Kirchheim. „Denn so ist gewährleistet, dass Wärme, Luft und Feuchtigkeit in einem optimalen Verhältnis stehen“, weiß Wolf Rühle und betont: „Ein guter Kompost braucht frische Luft.“ Hinterm Gartenhaus, neben der Hecke oder zwischen Bäumen liegen dem Fachmann zufolge die optimalen Standorte. „Sie sind zwar windgeschützt, aber nicht völlig windstill“, fährt er fort.

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Wenn es stinkt, stimmt was nicht

Bei einer maximalen Höhe von 1,50 Metern ist gewährleistet, dass sich die Miete, wie die aufeinandergeschichteten Abfälle genannt werden, nicht zu stark verdichtet und gut mit Luft versorgt wird. „Ansonsten fängt der Kompost an zu faulen. Erkennbar ist das an einem unverwechselbaren, strengen Geruch. Ein sicheres Zeichen, dass etwas schiefgelaufen ist.“ Denn wenn beim Anlegen und der Pflege des Haufens alles richtig gemacht wird, verrotten die Küchenreste geruchsneutral, wie Rühle unterstreicht.

Foto: Daniela Haußmann

Ob ein selbst gefertigter oder im Fachhandel gekaufter Komposter, wichtig ist, dass die organischen Abfälle direkten Kontakt zum Boden haben. Nur so können die im Erdreich lebenden Mikroorganismen und Tiere auf den Inhalt übergehen. Krautige Blumen, Staudenabschnitte, Wurzeln und zerkleinerte Äste bilden eine gute Basis, auf der sich nach Angaben der Umweltorganisation weitere Schichten aufsetzen lassen. „Wer keinen alten Kompost hat, kann ein wenig Erde zugeben. So lassen sich die Bodenorganismen“, aus Sicht von Wolf Rühle, „direkt in die Schichten einbringen. Der Verrottungsprozess kommt damit schneller in Gang.“

In Verlauf der Verrottung entstehen im Kompost von Hobbygärtnern Temperaturen bis 45 Grad. Verantwortlich dafür sind wärmeliebende Mikroorganismen, die mit ihrer Stoffwechselarbeit Hitze erzeugen. Ähnlich wie bei einem Fieberschub im menschlichen Körper werden so etliche Krankheitserreger und Wildkrautsamen abgetötet. Sobald die Temperatur im Kompostinneren auf circa 20 Grad absinkt, wandern Kleintiere wie Springschwänze, Regenwürmer, Asseln oder Milben ein. „Sie ernähren sich von den Pflanzenresten, ihr Kot wird zu krümeligem Dauerhumus“, bilanziert Wolf Rühle. „Bis die Abfälle aber vollständige verrottet sind, ziehen neun bis 12 Monate ins Land.“

Aus Gemüseresten wird wertvoller Humus.
Aus Gemüseresten wird wertvoller Humus. Foto: Daniela Haußmann

Komposterde enthält zahlreiche Nährstoffe und kann deshalb viele Dünger ersetzen. Und genau das macht sie nach Meinung von Wolf Rühle so wertvoll. Hinzu kommt, dass jeder Komposthaufen einen Beitrag zur Artenvielfalt leistet. Er bietet unzähligen Tieren Nahrung und Unterschlupf. Eidechsen, Igel, Hornissen sind nur einige Beispiele für Gartenbesucher, die über die kalte Jahreszeit in ihm Quartier beziehen. Obendrein fördert ein guter Reifekompost laut Wolf Rühle die Stabilität, Fruchtbarkeit und Wasserhaltefähigkeit des Bodens. Rühle zufolge empfiehlt es sich, nach wenigen Monaten den Kompost umzusetzen, um die Durchlüftung zu fördern. Dazu kann das Material in einen neuen Behälter gegeben oder innerhalb des alten umgeschichtet werden. Einem guten Endergebnis steht so nichts mehr im Wege.