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Die Ziegelhütte bietet Hilfe, um in den Alltag zurückzufinden

Weihnachtsaktion Der Teckbote bittet um Spenden für die Küche einer neuen Wohngruppe: In Lichteneck will die Jugendhilfeeinrichtung Ziegelhütte ihr therapeutisches Angebot entsprechend erweitern. Von Andreas Volz

Ziegelhütten-Leiter Hendrik van Woudenberg (Mitte) begutachtet gemeinsam mit seinem Stellvertreter Martin Karnbach und dessen Kollegin Jenny Thurner aus der Wohngruppen-Bereichsleitung das frühere Schullandheimgebäude in Lichteneck.     Foto: Carsten Riedl

Im Schullandheim Lichteneck oberhalb von Hepsisau tut sich was: Die Jugendhilfeeinrichtung Ziegelhütte aus Ochsenwang will in einem der Gebäude eine therapeutische Wohngruppe unterbringen. Sechs Jugendliche sollen dort die Zeit, die Möglichkeit sowie die entsprechende Hilfestellung bekommen, um wieder Anschluss an einen normalen Alltag finden zu können.

„Es gibt heute immer mehr Menschen mit psychischen Problemen, auch Jugendliche“, sagt Ziegelhütten-Leiter Hendrik van Woudenberg. „In der neuen Wohngruppe wollen wir solchen Jugendlichen eine stabile Tagesstruktur anbieten. Das Konzept ist ganz ähnlich, wie wir es seit vielen Jahren in der Ziegelhütte oder in unseren Außengruppen erprobt haben.“

Falls die jeweils sechs Jugendlichen eine Schule besuchen können, bietet sich die Schule der Ziegelhütte an. Je nachdem, welche Jugendlichen nach Lichteneck kommen, gibt es aber auch die Möglichkeit, sie in Kleingruppen oder bei Bedarf
 

Es gibt immer mehr Menschen mit psychischen Problemen, auch Jugendliche.
Hendrik van Woudenberg
über den Bedarf an therapeutischen Angeboten in der Erziehungshilfe

in Einzelbetreuung zu unterrichten. Zur Tagesstruktur zählt Hendrik van Woudenberg aber nicht nur die Schule,sondern vor allem Elemente wie Erlebnispädagogik, Gartenarbeit, Waldarbeit oder auch Kochen und Backen in der Küche.

Bei der Küche kommt die Teckboten-Weihnachtsaktion ins Spiel. Auch wenn das Essen unter der Woche von der Großküche Ziegelhütte geliefert werden dürfte, braucht die Wohngruppe eine eigene Küche – und das nicht nur zu therapeutischen Zwecken. An Wochenenden beispielsweise wird in der Gruppe gekocht, denn nicht alle Jugendlichen haben die Möglichkeit, die „Heimfahrwochenenden“ alle 14 Tage auch tatsächlich in ihrer Familie zu verbringen.

„Eine Küche kostet viel Geld“, sagt Hendrik van Woudenberg, „das gilt erst recht für die Küche einer Wohngruppe.“ 20 000 bis 25 000 Euro sind für die Einrichtung der Küche vorgesehen. Das entspricht einem Zehntel oder sogar einem Achtel der rund 200 000 Euro für die Gesamtsumme, mit der die Ziegelhütte rechnet, wenn es um ihren Eigenanteil an den notwendigen Umbauten im „oberen Unterkunftsgebäude“ geht.

Die Grundsanierung zuvor werde der Landkreis Esslingen übernehmen, berichtet Hendrik van Woudenberg über Inhalte des entsprechenden Vertrags, der allerdings erst noch unterzeichnet werden muss. „Wir sprechen uns da aber mit dem Landratsamt ab, dass die Grundsanierung mit unseren Plänen zusammenpasst.“ Wände und Sanitäranlagen werden beispielsweise versetzt. Um mehr natürliche Helligkeit ins Gebäude zu bekommen, ist an Lichtkuppeln gedacht. Das muss bei der Dachsanierung berücksichtigt werden, um unnötige Arbeit und unnötige Kosten zu vermeiden.

Therapie durch Kunst und Musik

Die neue Gruppe wohnt in einem Trakt des Gebäudes wohnen, im anderen wird das Therapeutikum untergebracht. Die Eingänge sind getrennt, sodass die Jugendlichen das Haus verlassen müssen, um in ihre Therapiestunden zu gehen. Es ist auch vorgesehen, das Therapeutikum für andere Jugendliche der Ziegelhütte zu nutzen sowie für die ambulante Hilfe.

„Die Anfragen, die uns erreichen, werden zunehmend komplexer, immer mehr Themen spielen dabei eine Rolle“, stellt Hendrik van Woudenberg fest. Er geht davon aus, dass der therapeutische Bedarf weiter wächst. Vorgesehen ist in Lichteneck eine künstlerische Therapie. Deswegen wird eine Art Atelier eingerichtet – zum Malen, Zeichnen, Drucken oder auch Töpfern. Hinzu kommt die Musiktherapie, für die auch Instrumente anzuschaffen sind.

Der Zeitplan ist ambitioniert: Hendrik van Woudenberg rechnet damit, dass die neue Wohngruppe zum 1. September 2023 an den Start geht. „Wir müssen dafür ja ein neues Team zusammenstellen.“ Erste Arbeitsverträge seien bereits unterschrieben – mit Arbeitsbeginn Anfang September.

Die Weihnachtsaktion des Teckboten unterstützt das Wohngruppenprojekt der Ziegelhütte und bittet vor allem um finanzielle Hilfe für die Einrichtung der Küche. Spenden unserer Leserschaft leiten wir ohne Abzug weiter.

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