Kirchheimer Umland

Diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs findet sich Werner Malchow in den Wirren des Kalten Kriegs wieder

Kirchheim. Das offizielle Kriegsende am 8. Mai 1945 hat Werner Malchow im Reserve-Lazarett im thüringischen Ilmenau erlebt. An die Zeit

dort hat er ganz unterschiedliche Erinnerungen: Mit großer Dankbarkeit denkt er zurück „an die Frauen aus Ilmenau und Umgebung, die uns Verwundete an den Wochenenden zahlreich im Lazarett besuchten und uns mit Kuchen, belegten Broten, Mittagessen und Pudding verwöhnten. Auch mit Lesestoff wurden wir von ihnen versorgt. In keinem der noch folgenden Lazarette habe ich etwas Ähnliches erlebt.“

Mit ihm im Zimmer lagen ausschließlich Beinamputierte – „junge Männer im Alter zwischen 18 und 35 Lebensjahren“. Er hat ihre Qualen miterlebt, die körperlichen wie auch die seelischen: „Reale Vorstellungen von einer beruflichen oder familiären Zukunft waren in dieser Zeit nur sehr, sehr vage.“ Letzteres gilt natürlich auch für Werner Malchow selbst.

Zunächst erlebte er die unmittelbare Nachkriegspolitik hautnah: Eines Tages zogen die Amerikaner, die das Lazarett nach ihrem Einrücken übernommen hatten, ab und übergaben Thüringen Anfang Juli 1945 wie vereinbart an die Rote Armee. Wer im Lazarett nur irgendwie transportfähig war, ließ sich von den abziehenden Truppen nach Hessen mitnehmen. So kam auch Werner Malchow in den Westen.

Nachdem er gesundheitlich einigermaßen wiederhergestellt war – der linke Arm bereitete ihm noch auf Jahre hinaus Schwierigkeiten –, kam er in ein amerikanisches Kriegsgefangenenlager in Hessen, später in ein britisches bei Hannover. Nach der Entlassung aus der Gefangenschaft hielt er sich mit verschiedenen Arbeiten notdürftig über Wasser, bis es ihn wieder zu den Eltern in die Heimat zog. Im Krieg war er einmal unerwartet zurückgekehrt, um sie zur Flucht nach Westen zu überreden. Jetzt ging er den umgekehrten Weg und überquerte illegal die Grenze in Richtung Osten.

Schon bald kamen ihm Zweifel, und so nahm er – inzwischen Ingenieur statt Pilot – 1953 die Gelegenheit wahr, in West-Berlin eine Arbeitsstelle anzutreten. Einige Jahre später kam er über eine Zwischenstation in Düsseldorf nach Kirchheim, wo er sich 1968 selbstständig machte, mit einer Firma für Doppelrohrsysteme für den industriellen Anlagenbau.

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