Kirchheimer Umland

Doku beleuchtet Gewinner und Verlierer

Filmemacher Fabian Daub plant ein Projekt über Menschen in Rumänien, die für Arbeit in den Westen auswandern müssen

Der in Kirchheim aufgewachsene Filmemacher Fabian Daub ist dem kritischen Publikum schon durch seinen Film „Rosia Montana“ ein Begriff. Nun ist er an einem neuen Filmprojekt dran: einem Film über Gewinner und Verlierer des EU-Beitritts von Rumänien.

Doku beleuchtet Gewinner und Verlierer
Doku beleuchtet Gewinner und Verlierer

Kirchheim. In Daubs Dokufilm von 2012 ging es um das Dorf Rosia Montana im siebenbürgischen Erzgebirge, das fast komplett zerstört werden sollte. Ein Bergbaukonzern wollte dort an das größte europäische Goldvorkommen gelangen. Die Folgen dieses Plans wäre die Verwüstung eines ganzen Landstrichs und der gefährliche Einsatz hochgiftigen Zyanids. Viele der Dorfbewohner wurden bereits in eine andere Gegend umgesiedelt. Daub zeigte die Schicksale der Menschen, die versuchen, das Beste aus der Situation zu machen und auf wirtschaftlichen Aufschwung hoffen, die unter der Entwurzelung leiden oder die in Rosia Montana geblieben sind und auf ihre Unabhängigkeit pochen.

„Natürlich erreiche ich damit kein Massenpublikum,“ weiß Daub. Der Film lief vor allem in Programmkinos wie dem Kirchheimer Tyroler, oft mit anschließenden Diskussionsrunden. In Rumänien, wo der Film ebenfalls gezeigt wurde, war die Resonanz groß. „Die Leute dort waren sehr interessiert“, erzählt Daub. „Nachdem sie dort nach der Wende erst einmal versucht haben, zu Wohlstand zu kommen, entwickelt sich seit einigen Jahren ein Gespür für Umweltschutz und die eigene Heimat.“ Vor allem Studenten und Akademiker in den größeren Städten seien über soziale Netzwerke verbunden und bildeten eine neue, kritische Öffentlichkeit. Auch viele junge Leute versuchen, sich in Rumänien eine Perspektive aufzubauen, indem sie etwa auf Biolandwirtschaft setzen. Daub schränkt aber auch ein, dass „die meisten Jungen dennoch weg wollen, weil es keine Jobs und damit auch keine Zukunft gibt. Korruption ist eben immer noch ein bestimmendes Thema, obwohl die derzeitige Regierung immerhin dagegen vorgeht.“

Allein in Baden-Württemberg leben 150 000 Rumänen und verdienen hier ihr Geld. Viele arbeiten in der Pflege und als Hilfsarbeiter. Aber auch viele gut ausgebildete Rumänen, etwa Ärzte, verlassen ihre Heimat, weil sie für sich dort keine Zukunft sehen. Wahrgenommen werden hierzulande oft nur die rumänischen Romafamilien, die auch in Kirchheims Innenstadt betteln.

Um einzelne Schicksale, um Gewinner und Verlierer in der rumänischen Gesellschaft, soll sich der nächste Film „Transilvania mea“ von Fabian Daub drehen. Dafür war er mit dem ebenfalls aus Kirchheim stammenden Kameramann Ingo Scheel in Rumänien und hat etwa das alte Schäferehepaar Ion und Ana Vlaicu aufgespürt. Sie erzählen, wie die Schäfer in den Karpaten nicht zuletzt durch EU-Subventionen, manche auch durch Schmuggel und andere Geschäfte, zu Reichtum gekommen sind. Ebenso eine Gruppe von Roma, die es durch „Metallhandel“ zu sichtbarem Wohlstand gebracht hat – die mit Prunk, Gold und Marmor zeigen will, dass Roma nicht „arm und dreckig“ sind.

Aber eben auch die Verlierer, die rund 3 000 Roma, die in Wellblechhütten am Rande eines Dorfs unter üblen Bedingungen hausen, nicht zuletzt, weil die oft schlecht oder gar nicht ausgebildeten Roma keine Arbeit bekommen und unter dem Rassismus in Rumänien leiden. Andere wie Liliana gehen nach Deutschland, arbeiten für wenig Geld in der häuslichen Pflege, sichern aber damit das Überleben ihrer Familien in Rumänien. Dafür lassen sie oft auch ihre minderjährigen Kinder zurück, die ihren Alltag selbst bewältigen müssen. Es gibt auch wackere Menschen wie den deutschstämmigen evangelischen Pfarrer Eginald Schlattner oder die junge Journalistin Oana Moisil, die für bessere Umstände in Rumänien kämpfen.

Für Daub ist Rumänien ein „Mikrokosmos“, in dem sich „auf kleinem Raum die Phänomene der globalisierten Welt verdichten“. Für seinen Film hat Daub, der in Hamburg lebt, bereits die Zusage für einen Zuschuss der Filmförderung Hamburg erhalten. Den Rest versucht er über Crowdfunding zusammenzubekommen: „Damit das Thema einer engagierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.“

Doku beleuchtet Gewinner und Verlierer
Doku beleuchtet Gewinner und Verlierer
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