Kirchheimer Umland

Dritter Mann kommt ins Spiel

Im Kirchheimer Messerstich-Verfahren berichtet das Opfer von drei Tätern

Im Verfahren um die Messerstiche in einer Kirchheimer Flüchtlingsunterkunft beteuert der 19-jährige Angeklagte weiterhin, niemals zugestochen zu haben. Der Grund für den Streit sei ein Fahrrad gewesen.

Kirchheim/Stuttgart. Am zweiten Verhandlungstag im Verfahren um die Messerstiche am 7. Juni in einer Kirchheimer Asyl-Unterkunft ist Neues ans Licht gekommen: Das Opfer hat in seiner Aussage vor dem Stuttgarter Landgericht von insgesamt drei Tätern berichtet. Zwei sollen ihn festgehalten, der Dritte zugestochen haben.

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Auch über den eigentlichen Grund der fünf Messerstiche gegen einen 35-jährigen Flüchtling herrscht in dem Prozess jetzt mehr Klarheit: Das Opfer habe es abgelehnt, dem 19-jährigen Angeklagten für den Abend sein Fahrrad auszuleihen. Deswegen habe es dann im Zimmer des Angeklagten Streit gegeben, in den sich auch noch ein weiterer 19-jähriger Asylbewerber einmischte. Ein möglicher dritter Täter ist jetzt im Visier der Behörde, weil er zusammen mit dem anderen das Opfer festgehalten haben soll, während dieses niedergestochen wurde.

Die Richter der zweiten großen Jugendstrafkammer hatten die beiden jungen Männer deswegen für den zweiten Verhandlungstag in den Zeugenstand geladen. Einer der beiden ist jedoch nicht erschienen, obwohl er die Möglichkeit hatte, die Aussage zu verweigern. Er muss ein Ordnungsgeld von 200 Euro zahlen. Am kommenden Montag soll der Zeuge dann polizeilich in den Gerichtssaal gebracht werden.

Der Angeklagte selbst hat unterdessen vor Gericht beteuert, dass er sich die Messerstiche gegen den 35-Jährigen nicht erklären kann. Er gibt zu, dass er mit dem Messer auf den Kontrahenten eingeschlagen habe, aber nicht gestochen. Das wiederum scheint den Richtern unverständlich: Mit einem Messer schlage man in der Regel nicht, sondern steche zu, lautet der Einwurf aus der Richterbank. Der Angeklagte sagt auch, dass er am Tatabend sehr viel Alkohol getrunken habe. Nach der Tat, so gibt der 19-Jährige zu, habe er die Kirchheimer Unterkunft in der Charlottenstraße verlassen und sei nach Stuttgart geflüchtet.

Allerdings kam er am frühen Morgen wieder zurück und wurde festgenommen. Einer der beiden mutmaßlichen Mittäter hatte sich damals der Polizei gestellt, befindet sich jetzt aber wieder auf freiem Fuß. Am kommenden Montag wird der Prozess mit der Vernehmung des polizeilich vorgeführten Zeugen fortgesetzt.