Kirchheimer Umland

Echte Knaller fürs Fest

Sekt und Co. an Weihnachten und Silvester haben Tradition

Zum Jahresende knallen die Korken. Das prickelnd spritzige Glasperlenspielen von Schaumweinen an Weihnachten und Silvester hat Tradition. Die Auswahl ist groß und sorgt für die Qual der Wahl: sparsam prosten oder verschwenderisch protzen? Weinexpertin Christiane Leibssle weiß: Es muss nicht immer Dom Pérignon sein.

Die Auswahl bei Schaumweinen ist groß.Foto: Daniela Haußmann
Die Auswahl bei Schaumweinen ist groß.Foto: Daniela Haußmann

Kirchheim. 2013 wurden dem Statistischen Bundesamt zufolge deutschlandweit 429 Millionen 0,75 Liter-Flaschen Schaumwein konsumiert. 322 Millionen Liter der prickelnden Getränkesorte erquickten damit die Kehlen der Deutschen, die somit die weltweit größte Gemeinde an Schaumweintrinkern stellt.

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Solo ist das Getränk als Aperitif ebenso ein Genuss wie zwischen einer Menüfolge oder nach dem Essen, wie die Kirchheimer Weinsommelière Christiane Leibssle weiß. Hier rät sie zu fruchtigen Varianten. Als Speisebegleiter würden sich eher Schaumweine aus der Chardonnaytraube eigenen, da sie mit ihrem gedeckten Aroma besser mit dem Essen in Harmonie treten können. Ein leichter Schaumwein aus dieser Traube eigne sich beispielsweise gut für ein Lachsgericht. „Beim Champagner wäre das ein Blanc de Blanc“, so Leibssle.

Wer an Weihnachten und Silvester die Korken knallen lassen will muss nicht tief in die Tasche greifen. Gute Schaumweine, die nach dem Öffnen mit einem fruchtigen Duft, etwa nach Stachelbeere, Himbeere, Pfirsich, Haselnuss oder feuchtem Bauernbrot bestechen, sind der Sommelière zufolge schon zu überschaubaren Kosten zu haben. Doch was unterscheidet die Edel-Getränke, deren Basis immer Weintrauben sind?

„Prosecco stammt aus Italien, genauer gesagt aus Venetien, im Nordosten des Landes“, berichtet Leibssle. „Er wird aus Weinen der Rebsorte Glera hergestellt.“ Zur Herstellung einfacher Prosecci werde Weißwein mit Kohlensäure versetzt. „Bei dieser Methode spricht man vom Imprägnierverfahren, bei dem unter Druck und Kühlung Stillwein Kohlensäure zugesetzt wird“, erklärt Leibssle. „Das Ergebnis wird Prosecco frizzante genannt.“ Diese Schaumweinvariante lasse sich natürlich auch mit der Tankgärung herstellen. Im Gegensatz zum Spumante gebe der Frizzante aber die Kohlensäure nach dem Öffnen schnell ab und schmecke rascher schal. Gehobene Produkte der Getränkesorte können Leibssle zufolge auch in Flaschen gären und erhalten dann den Zusatz Spumante. „Diese Bezeichnung ist bei uns in Deutschland gleichzusetzen mit Schaumwein oder Qualitätsschaumwein.“

Sekt hingegen ist die gängige Bezeichnung für Qualitätsschaumwein aus Deutschland und Österreich, bei dem Grundwein und Dosage, also die Wein- und Zuckerlösung, die vor dem Verkorken zugefügt wird, aus demselben Anbaugebiet stammen. Durch den Verschnitt verschiedener Grundweine, mit dem Ziel deren typischem Charakter in einem Optimum zu vereinen, wird ein Cuvée gewonnen, dem eine Zucker-Hefe-Mischung zugefügt wird für die zweite Gärung.

Beim Qualitätsschaumwein kommt die Flaschengärung in der Originalflasche zum Einsatz, die mit den Worten „traditionelle Flaschengärung“ auf dem Etikett gekennzeichnet ist. Dabei gärt und reift das Prickelwasser laut Christiane Leibssle neun Monate. Nach der Lagerzeit werden die Flaschen schräg in die Löcher eines Rüttelbretts gesteckt. „Die Flaschen werden täglich ein wenig gedreht“, erzählt Leibssle. „Durch Drehung und Neigung setzt sich im Flaschenhals ein Hefepfropf ab.“ Beim so genannten Degorgieren, werden die Flaschen dann in ein Kältebad getaucht, bei dem der Pfropf gefriert und anschließend entfernt wird. Anschließend wird die Dosage, also der in Wein gelöste Zucker, hinzugegeben. Dabei erhält der fast zuckerfreie Sekt seine Süße, je nach Charakter der Cuvée und dem Stil der Marke. Nun wird der Sekt mit einem Kork und dem Drahtbügel, der Agraffe, gesichert und verschlossen.

Champagner ist laut Christiane Leibssle für viele das edelste Getränk und in der Welt bestimmt das luxuriöseste Schaumweingetränk. Der Schaumwein dürfe sich aber nur Champagner nennen, wenn er aus der nordöstlich von Paris gelegenen Region Champagne stammt. Chardonnay, Pinot Meunier und Pinot Noir heißen die Rebsorten aus denen das Getränk gewonnen wird. Die Produktion gleicht Leibssle zufolge der von Sekt. Allerdings reife Champagner mindestens 15 Monate.

Einen Schaumwein zu finden, der dem eigenen Geschmack gerecht wird, kann eine Herausforderung sein. Deshalb rät Christiane Leibssle, sich ganz einfach im Fachhandel beraten zu lassen, damit es an den Festtagen nicht nur knallt, sondern auch schmeckt.