Kirchheimer Umland

„Eigentlich sind die Räume zu klein“

Trauung Immer häufiger geben sich Brautpaare das Ja-Wort nur noch auf dem Standesamt. Entsprechend größer wird dann auch die Festgesellschaft. Die Gemeinde Schlierbach reagiert auf den Trend. Von Volkmar Schreier

Der Farrenstall in Schlierbach steht künftig Heiratslustigen zum Feiern zur Verfügung.Foto: Markus Brändli
Der Farrenstall in Schlierbach steht künftig Heiratslustigen zum Feiern zur Verfügung. Foto: Markus Brändli

Zum Heiraten zuerst aufs Standesamt, dann in die Kirche? Zumindest nicht in Schlierbach. Hier scheint es eher, dass die kirchliche Trauung mit anschließendem großen Fest nicht mehr so hoch im Kurs steht. „Es ist tatsächlich so, dass wir vermehrt Anfragen bekommen, wo die standesamtliche Trauung das Hauptfest ist“, stellt Schlierbachs Bürgermeister Sascha Krötz fest.

Entsprechend groß ist dann auch die Hochzeitsgesellschaft, die den Weg ins Rathaus findet. „Wir stellen immer öfter fest, dass die Räume eigentlich zu klein sind“, berichtet Birgit Stephan, die sich im Schlierbacher Rathaus um die Eheschließungen kümmert. Bisher ist es in Schlierbach möglich, entweder im Trauzimmer mit Platz für maximal 20 Personen oder im Bürgersaal im Rathaus mit Platz für rund 80 Gäste zu heiraten. Dann werde es schon mal eng, vor allem dann, wenn zum anschließenden Sektumtrunk noch ein Alleinunterhalter oder eine ausgewachsene Musikgruppe die Gäste unterhalten soll, weiß die Standesbeamtin.

Was tun, hat sich die Verwaltung gefragt und ein neues Traukonzept erarbeitet. „Bisher haben wir das alles ein wenig hemdsärmelig gehandhabt“, meint Bürgermeister Krötz. So hätten auch hin und wieder Trauungen im großen Saal im Farrenstall stattgefunden, auch wenn der Saal bisher eigentlich nicht für Trauungen vorgesehen war. „Jetzt wird es Zeit, das ganze Thema mal strukturiert anzugehen.“

Tatsächlich soll der Raum im Obergeschoss des Farrenstalls zukünftig als größte Raumoption für Trauungen auch ganz offiziell zu buchen sein. Während wie bisher auch Trauung und anschließender Umtrunk in Trauzimmer oder Bürgersaal im Rathaus keine zusätzlichen Kosten verursachen, soll eine reine Trauung im Farrenstall 70 Euro kosten - inklusive Bestuhlung und abschließender Reinigung durch den Bauhof. Möchte die Hochzeitsgesellschaft den Saal für Trauung und anschließende Feier buchen, werden nach Vorschlag der Verwaltung für Einheimische 220 Euro, für Auswärtige 280 Euro Saalmiete berechnet.

Über alle Möglichkeiten, in Schlierbach standesamtlich zu heiraten und im Anschluss weiterzu feiern, soll auch ein kleiner Flyer informieren, den die Gemeindeverwaltung gerade entwickelt. Wie genau der Flyer dann rechtzeitig zu den heiratswilligen Paaren kommt, muss sich die Verwaltung aber noch überlegen.

Im Gemeinderat immerhin fallen die neuen Ideen und auch der Flyer auf fruchtbaren Boden. „Es ist ja eigentlich schade, dass wir alle schon verheiratet sind“, meinte etwa Kurt Moll (CDU). Auch sein Fraktionskollege Marco Emmert befand Flyer und Konzept für gelungen. Jörn Feldsieper (Freie Wähler) zeigte sich vor allem erfreut darüber, dass die Verwaltung hier mit einem konstruktiven Vorschlag in die Gemeinderatssitzung gekommen sei, zeigte sich aber auch gleichzeitig erstaunt: „Mir war nicht bewusst, dass sich das Hochzeitsverhalten in den letzten zehn, fünfzehn Jahren so verändert hat.“

Der Rat beschloss einstimmig die Umsetzung des neuen Konzepts und beauftragte die Verwaltung, die notwendige Anpassung der Gebührensatzung für die Bürgerräume vorzunehmen.

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