Kirchheimer Umland

Ein ganz armer reicher Bauer

Ohmdener Gemeindehalle mit einem Erntedankgottesdienst gestern wieder eröffnet

„Jetzt brennen wir schon alle auf das Lied der Kinderkirche“, sagte Pfarrer Christoph Schilling. „Vielleicht sollten wir das hier anders formulieren“, fügte er hinzu. Schließlich war der ökumenische Erntedankgottesdienst auch die Wiedereröffnung der nach dem Brand sanierten Ohmdener Halle.

Auch die Kleinsten waren beim Erntedank in Ohmden mit von der Partie.Foto: Peter Dietrich
Auch die Kleinsten waren beim Erntedank in Ohmden mit von der Partie.Foto: Peter Dietrich

Ohmden. Kurz vor Weihnachten 2012 war im Mehrzweckraum im Untergeschoss ein Feuer ausgebrochen. In sechs bis sieben Monaten werde die Gemeindehalle wieder nutzbar sein, erinnerte Architekt Andreas Kommritz an die erste Hoffnung. Doch dann forderte das Landratsamt ein Brandschutzkonzept. Die gefundenen Mängel konnte die Gemeinde nicht aus eigener Kraft beseitigen, brauchte Zuschüsse. Deren Zusage war abzuwarten. So wurden es schließlich fast drei Jahre, bis die Teilsanierung der Halle nun weitgehend abgeschlossen wurde.

Auf die 400 000 Euro, die sie von der Versicherung erhielt, hat die Gemeinde nochmals 500 000 Euro draufgepackt. Sie flossen in einen zusätzlichen Notausgang, eine interne Brandmeldeanlage, Sicherheitsbeleuchtung, Prallschutzverkleidungen, neue Gerätetore, eine Erneuerung der Sanitäranlagen und einiges mehr. Der Mehrzweckraum im Untergeschoss wurde komplett erneuert. Die ehemalige Gaststätte wurde aufgegeben, die Räume stehen nun für die Kernzeitbetreuung als Essensraum, für Vereine und Vermietungen zur Verfügung. Zu tun gäbe es noch mehr, auch der Hallenboden ist eigentlich zur Erneuerung fällig. Doch die klamme Gemeinde hat sich vorerst auf das Notwendigste beschränkt.

Der Dank galt bei der Wiedereröffnung unter anderem Silke Schnakenberg. Kommritz nannte sie die „gute Seele“ der Sanierung, für Bürgermeister Martin Funk hatte sie „das Heft des Handelns“ in der Hand. Weiterer Dank galt der katholischen Kirchengemeinde, in deren Gemeindehaus die Vereine während der Sanierung zu Gast waren.

Funk blickte auch auf die lange Vorgeschichte der Gemeindehalle zurück. Eingeweiht wurde sie im Jahr 1974, doch die ersten Grundstücke wurden schon 1963 gekauft. Der erste Planentwurf von 1966 wurde noch auf 650 000 Mark geschätzt. Letztlich flossen inklusive Außenanlagen und Grundstückserwerb 1,8 Millionen in das Projekt. Weitere 500 000 Mark gab die Gemeinde für die 1979 beschlossene und 1982 in Betrieb genommene Erweiterung aus.

Manchmal ist es gut, wenn etwas länger dauert, das erfuhr die Liederlust mit ihrem neuen Klavier. Es sollte im Dezember 2012 geliefert werden, doch der Chorleiter wollte bei der Anlieferung dabei sein und ließ sie auf Januar 2013 verschieben. So entging das Klavier in Eiche Rustikal dem Feuer, stattdessen blieb es noch drei Jahre lang beim Händler stehen. Die Liederlust sang beim Gottesdienst mit sehr schöner Dynamik. Der Musikverein spielte hinterher, als wegen des Wetters draußen gegrillt und drinnen gegessen wurde. Der Erlös fließt in eine von Ohmdens nächsten Baustellen, die Sanierung der Dorfkirche.

Zum Danken gebe es genügend Grund, sagte der evangelische Pfarrer Christoph Schilling im Gottesdienst. Nicht nur für die sanierte Gemeindehalle, sondern auch für „Menschen, die zusammenhalten, die mit Hand anlegen“ und „dass vor 25 Jahren die Mauer und die Stacheldrahtzäune fielen“. In seiner Predigt warnte er vor Habgier. „An ihr brechen viele Familien auseinander.“ Sie beschäftige Anwälte und Gerichte. „Doch sie lösen das Grundproblem der Habgier nicht.“ Das beste Gegenmittel gegen diese Gefahr sei der Dank. Grundlage seiner Predigt war die Geschichte vom reichen Bauern, die Jesus erzählt hat: Der Bauer baut für seine Rekordernte größere Scheunen, denkt nur an sich selbst. „Gott gibt im Überfluss, aber bei diesem Bauer fließt nichts über zu den Bedürftigen.“

Die Kinder hatten ihren Impuls schon zuvor vom katholischen Diakon Thomas Kubetschek gehört. Sie hörten sehr aufmerksam zu. „Nun kann er Winterschlaf machen“, meinten sie zum Bauer. Auch sie lernten: „Wenn wir reich sind und alles für uns behalten, sind wir eigentlich ganz arme Menschen.“

Anzeige