Kirchheimer Umland

Ein halbes Jahrhundert „on air“

Hobby Der Kirchheimer Klub der Funkamateure P35 feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Die Funker pflegen viele Freundschaften, helfen aber auch bei Katastrophenfällen wie beim jüngsten Hochwasser.

Mit ihren Funkgeräten halten die Amateurfunker Kontakt zu Freunden weltweit. Archivfoto: DL4SCZ

Am 25. Juli 1971 war es soweit: Im Gasthof „Teckkeller“ in Kirchheim wurde der Kirchheimer Klub der Funkamateure P35 mit einer Gründungsversammlung aus der Taufe gehoben. Damit war es der 35. Ortsverband, der unter dem Verband des Deutschen Amateurradioclubs (DARC) im Distrikt Württemberg (P) gegründet wurde. Allerdings war das nicht die Geburtsstunde der Funkerei in Kirchheim überhaupt. Bereits im Jahre 1947 wurde eine Amateurfunkgruppe Kirchheim-Nürtingen ins Leben gerufen. Da es aber immer mehr Funkfreunde aus Kirchheim und Umgebung gab, war es naheliegend, die P35 als eigenständigen Amateurfunkverein zu initiieren.

Heute umfasst der Kirchheimer Verein knapp 20 Mitglieder, und sie sind mit ihrem Hobby nicht allein. In Deutschland gibt es ungefähr 75 000 lizenzierte Funkamateure, sie liegen damit knapp hinter Japan, den USA, Thailand und Südkorea.
In den Anfängen wurden der Morsefunk, Sprechfunk und das Funkfernschreiben entwickelt. Mit der Chip-Technologie kamen computerunterstützte, digitale Betriebsarten hinzu, die es ermöglichen, bei kleiner Bandbreite und Sendeleistung, große Entfernungen zu überbrücken. Schon seit 1961 erweitern eigene Amateurfunksatelliten die Kommunikation über Kontinente hinweg.

Eine Brücke nach außen
Die Möglichkeit, außerhalb der kommerziellen Netze unabhängige Funkbrücken aufzubauen, haben sich schon mehrfach bei Notfällen und Katastrophen bewährt. Auch bei der jüngsten Hochwasserkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen sind beispielsweise Telefon- und Mobilfunknetze ausgefallen, sodass nur Amateurfunker die notwendige Brücke nach außen schlagen konnten.

Durch die Vielseitigkeit des Amateurfunks in Verbindung mit der Jugendarbeit, mit Schul-Projekttagen oder der Teilnahme an Kinderferienprogrammen weckt der Verein immer wieder das Interesse von Kindern und Jugendlichen an Technik und Elektronik. Zudem kommt ein weiterer pädagogischer Effekt hinzu: Technik und Kommunikation fördern die sprachliche und berufliche Weiterentwicklung. Außerdem entstehen weltumgreifende Freundschaften, über Grenzen und Konventionen hinweg. Auch Personen mit Handicap nutzen das Hobby, um mit der ganzen Welt in Kontakt zu treten. Nicht nur Jugendliche, sondern auch ältere Menschen schätzen diese Möglichkeit der Kommunikation. Besonders in Pandemiezeiten wurde daher eine vermehrte Aktivität auf allen Amateurfunkbändern festgestellt. Allerdings sind Funker nicht nur Stubenhocker hinter ihren Geräten, denn Freundschaften werden auch durch Ausflüge, Grillfeste und Funkwettbewerbe im Team gepflegt.

Mit sogenannten QSL-Karten, die im kleinen Bild als Collage zu sehen sind, werden die unterschiedlichen Funkverbindungen bestätigt. Diese enthalten dann unter anderem Rufzeichen, Datum, koordinierte Weltzeit (UTC), die Kommunikationsart und die Verständlichkeit der Verbindung.
Regelmäßige Treffen finden einmal im Monat, an jedem zweiten Donnerstag, im Hotel Restaurant Teckblick in Dettingen statt. pm

Weitere Infos und Ansprechpartner findet man auf der P35-Homepage unter www.darc.de/der-club/distrikte/p/ortsverbaende/35/.

 

Erste Schritte zum Amateurfunker

Weltweit gibt es unterschiedliche Anforderungen, eine Amateurfunklizenz zu erhalten. Viele Ausbildungswege sind jedoch unter der CEPT-Regelung (Conférence européenne des administrations des postes et des télécommunications) harmonisiert und gegenseitig anerkannt.
Mit einer deutschen Lizenz darf deshalb auch aus europäischen Ländern, aber auch aus den USA oder aus Australien gefunkt werden.

In Deutschland gibt es zwei Lizenzklassen; die Einsteigerlizenz (E) sowie die Lizenzklasse (A). Die Unterschiede liegen in den Prüfungsanforderungen und in den unterschiedlich zugeordneten Frequenz- und Leistungsbereichen.
Nach erfolgreicher Lizenzprüfung wird ein persönliches Rufzeichen zugewiesen, das einmalig auf der Welt ist. Mit dem Präfix, beispielsweise DL für Deutschland oder F für Frankreich, kann das zugehörige Land erkannt werden. Eine Anonymität wie beim Internet ist hiermit ausgeschlossen.

Die Prüfungen zur Amateurfunklizenz können an verschiedenen Orten bei der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post (RegTP) abgelegt werden. Die Ortsverbände unterstützen bei den Prüfungsvorbereitungen.

Der Funkamateur erwirbt mit der Lizenz die Berechtigung, sehr viele Frequenzbereiche, von der Kurzwelle über UKW bis in den Gigaherzbereich nutzen zu dürfen. Auch der Eigenbau von Funkgeräten, von Antennen und Zubehör wird mit der Lizenz ermöglicht. pm

Der Klub der Funkamateure in Kirchheim hat bereits unzählige QSL-Karten aus aller Welt gesammelt, die als Verbindungsnachweis gelten. Foto: DL4SCZ
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