Kirchheimer Umland

Ein High Five für „Die Füenf“

Musiker-Quintett Männergesang und pfiffige Texte im A-cappella-Gewand sorgen für gute Stimmung in der ausverkauften Stadthalle Kirchheim. Von Sabine Ackermann

Engel oder Bengel: „Die Füenf“ überzeugen das Publikum in der Kirchheimer Stadthalle mit Witz und Charme.Foto: Sabine Ackermann
Engel oder Bengel: „Die Füenf“ überzeugen das Publikum in der Kirchheimer Stadthalle mit Witz und Charme.Foto: Sabine Ackermann

Sorry Jungs, aber die „Engel-Nummer“ nimmt euch keiner ab, da nützen auch die weißen Klamotten mit ein bisschen goldenem Bling-Bling nichts. Selbst wenn euer Gesang bei diversen Stücken „engelsgleich“ rüberkommt - Himmelsboten sind für gewöhnlich doch brav, lieblich und gottesfürchtig. Doch was machen die „Füenf Engel für Charlie“? Intonieren und zelebrieren ihren selbst komponierten absurd-komischen Unsinn, hauen mit unschuldiger Mimik einen Ohrwurm nach dem anderen raus und verhohnepipeln alles, machen nicht mal vor Boygroup-Interpretationen, Hautkrankheiten, Küchengeräten oder gar den liebenswerten Eigenheiten von Indern halt.

Und warum? Weil sie‘s können. Seit mehr als zwanzig Jahren begeistert das Quintett vorrangig im Süden Deutschlands, so auch in Kirchheim. Es kommt wirklich selten vor, dass das Publikum bereits beim ersten Titel in den Klatschrhythmus verfällt und den sympathischen (B)engeln auf der Bühne signalisiert: „Klasse, weiter so, uns gefällt‘s“. Frech und witzig gehen die Tenöre Pelvis (Jens Heckermann), Justice (Christian Langer) und Little Joe (Kai Podack), Bariton Memphis (Patrick Bopp) sowie Bass Dottore Basso (Francesco Cagnetta) zu Werke.

Sie beginnen ihr Gesamtwerk mit dem Titel „Es geht auch ohne Musik“. Dazu gehört unter anderem das Plädoyer für die TV-Gebrauchsmusik aus Shows und Fernsehsendungen, wie auch der fetzig hingelegte „Tatort“-Jingle. Darauf ein fröhliches „Bumschakala“, heißt übersetzt: „Die coolste Scheiße gibt‘s halt immer noch im Netz“. Zum Brüllen war freilich „Papadam“, eine stimmig-komische Neuinterpretation von „Little Drummer Boy“ mit genialer Mimik von Memphis präsentiert.

„Der Papa will Romantik, doch Mama will Fun. Drum trinkt Papa einen Rausch mit Grappa sich an. Und fühlt sich als Mann, jetzt ist Mama dran. Irgendwann da darf der Papa mal ran. Aber wann, aber wann?“, heißt es da im indisch anmutendem Stück, bei dem die Zuschauer à la „Bollywood“ taktvoll „Glühbirnen reinschrauben“ durften.

Man spürt sofort, bei diesem A-cappella-Comedy-Quintett ist die Liebe zum Detail Programm. Zwei Stunden lang zelebrieren sie mit packender Energie eine akribische Lehrstunde in Sachen perfekt harmonierender Vocal- und Instrumental-Stimmen. „Tszi, tsza, tszock, Schock dr Bum-Bock oder „Pipikakapopo“, in dem das Publikum erfährt: „Einer nennt ‘ne Katze Muschi, ’n andrer sagt‘s zur Ehefrau. Und was ihr schon wieder denkt - das weiß ich ganz genau.“

Auch im achten Programm der „Füenf“ steckt erstaunlich viel erfrischender Inhalt, selbst wenn die Sänger dabei abermals nicht „die Sehnsucht vieler nach Schweinkram erfüllen“. Zu Recht sind die Musiker froh und stolz darauf, dass sie auf Schlüpfriges unter der Gürtellinie verzichten konnten, verraten sie zu Beginn.

Viel glücklicher machen doch „sinnvolle“ Texte über die wahre Liebe zum Küchenwunder Thermomix, zu Käse oder zum bedauernswerten „Siggi“ nach der Melodie zu Falcos „Jeanny“ oder eben Hautentzündungen. „Endlich schreibt einer mal ’n Song über Neurodermitis. Liebeslieder und so ’n Scheiß gibt‘s ja schon mehr, als euch lieb is“, findet Christian Langer.

Nicht nur ihre selbst komponierten Songs machen Laune, auch Klassiker wie Cindy & Berts „Immer wieder sonntags“ verwandelt sich dank „fehlt die Erinnerung“ in ein hochprozentiges Getränkelager. Am Ende ein tobendes Publikum, das sich auch über „Altbewährtes“ wie Patrick Lindners „Sonnen-Medley“, die beste Schwabenhymne „Mir im Süden“ sowie den guten alten „Horst“ lautstark und vollkommen zu Recht freut. Toll, dass Veranstalter Manfred Kurz das grandiose Quintett nach Kirchheim holte.

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