Kirchheimer Umland

Ein junger Verein mit langer Geschichte

Jubiläum Erst 1992 wurde der Naberner Musikverein gegründet – doch die Anfänge reichen bis in die Weimarer Republik zurück. Jetzt feiert der Verein und blickt zurück auf eine ungewöhnliche Vergangenheit.

2012 stand das Naberner Orchester kurz vor seinem Höhepunkt: hier bei einem Konzert in der Johanneskirche. Foto: privat
2012 stand das Naberner Orchester kurz vor seinem Höhepunkt: hier bei einem Konzert in der Johanneskirche. Foto: privat

Die Anfänge der Blasmusik in Nabern reichen zurück in die Zeit der Weimarer Republik. Es ist beispielsweise bekannt, dass die damalige Musikkapelle Nabern 1930 bei einem Wertungsspiel in Vaihingen/Enz einen Preis erzielte. Doch an Dokumenten aus dieser Zeit mangelt es. Was dem Musikverein Nabern bleibt, sind die Anek­doten des inzwischen verstorbenes Ehrenmitglieds Fritz Kapp - übrigens der einzige Musiker der damaligen Kapelle, der die Neugründung erlebte.

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Der Zweite Weltkrieg riss Kapp zufolge so große Lücken in die Reihen der Musiker, dass ein Weitermachen als Blasorchester nach dem Krieg keinen Sinn mehr machte. Die Instrumente wurden der Stadtkapelle Owen und dem Posaunenchor Nabern verkauft, die überlebenden Musiker gründeten 1952 den Liederkranz Nabern. Erst zu Beginn der 90er-Jahre wurde in einer Nachsitzung des Beirates der Raiffeisenbank Nabern aus einer Bierlaune heraus die Idee geboren, in Nabern wieder einen Musikverein zu gründen. Was zunächst nur als Hirngespinst herumgeisterte, nahm dank des Engagements von Hartmut Rehm rasch greifbare Formen an. Er sprach Musiker aus Nabern und Umgebung an, klärte die Formalitäten mit den Behörden, hielt Ausschau nach einem geeigneten Dirigenten und fand auch Sponsoren, die das Wagnis unterstützten. Am 6. November 1992 konnte die Gründungsveranstaltung stattfinden - der Musikverein Nabern wurde aus der Taufe gehoben. 39 Personen schrieben sich als Mitglieder ein. Die Anwesenden werden den Augenblick nie vergessen, als der alte Mann Fritz Kapp vor Rührung in Tränen ausbrach.

Zunächst musste der kleinste gemeinsame Nenner gefunden werden. Einige der Musiker waren Naberner, die in auswärtigen Kapellen spielten, oder ehemalige Naberner, die weggezogen waren und woanders spielten. Andere hatten schon seit langer Zeit keine Musik mehr gemacht. Es sprach sich rasch herum, dass sich in Nabern etwas tat. In der Folgezeit arbeiteten die Naberner Musiker fieberhaft an einem Repertoire. Ein Repertoire übrigens, das lange Zeit besetzungsbedingt hauptsächlich auf böhmische Blasmusik beschränkt war.

1998 konnte der Musikverein Nabern erstmals von sich sagen, allein aus eigener Kraft spielfähig zu sein. So gewappnet, entschied sich die Kapelle, am Wertungsspiel des Kreisblasmusikverbandes im Jahr 2000 teilzunehmen. Weil keine Hörner und Pauken besetzt waren, meldete man sich in der Unterstufe an. Mit dem Pflichtstück „Festliche Fanfaren“ und dem Selbstwahlstück „Three Bagatelles“ erreichte man auf Anhieb die Note „Sehr gut“ und schrammte nur um Haaresbreite an der Bestnote vorbei.

Die intensive Nachwuchsarbeit trug Früchte. Mit Stefan Schleich konnte ein junger Dirigent für die Gründung einer Jugendkapelle gewonnen werden. Schleich formte aus den in Ausbildung stehenden Musikern ein ansehnliches Orchester. Sein Schwerpunkt lag auf konzertanter Blasmusik, für die er bis zu 18 Kinder und Jugendliche begeistern konnte. Seit 2005 kann der Verein seine Proben im großen Saal des Naberner Feuerwehrmagazins abhalten - akustisch eine andere Welt als der seither genutzte Bürgersaal im Rathaus. Stefan Schleich musste 2011 berufsbedingt aus der „JuKa“ ausscheiden und übergab an Sven Molt. Dieser setzte mehr auf moderne Unterhaltungsmusik, was bei den Jugendlichen gut ankam. Er wurde gefolgt von Georg Götzelmann, der das Ensemble im Sinne seines Vorgängers weiterführte.

Auch in der Stammkapelle gab es einige Wechsel: Für den bisherigen Dirigenten und Autodidakten Thomas Götzelmann kam der Punkt, an dem er feststellte, dass er das Orchester musikalisch nicht mehr weiterentwickeln konnte. Er gab an Brigitte Jakob ab. Sie wurde Anfang 2013 von der Berufsmusikerin Eva Fodor gefolgt, die mit ihrem absoluten Gehör den Schwerpunkt auf die Verbesserung des Klangkörpers legte. Der musikalische Höhepunkt - wohl in der gesamten bisherigen Vereinsgeschichte - war die Aufführung von George Gershwins Rhapsodie in Blue im Original-Arrangement mit Dietmar Schulz am Flügel. Als Fodor das Orchester aus beruflichen Gründen verließ, übernahm Sven Molt 2016 die Leitung. Er führte das Orchester wieder mehr zur böhmisch-mährischen Blasmusik zurück.

Dietmar Schulz legte etwa zeitgleich die Vereinsführung in die Hände Sonja Ambachers, die noch heute den Verein leitet. Dietmar Schulz wurde beim Herbstkonzert 2016 zum Ehrenvorsitzenden nominiert. Ein herber Schlag traf den Verein im März, als Schulz nach schwerer Krankheit verstarb. Für viele war seine Beerdigung der schwerste Gang ihrer Vereinslaufbahn. pm