Kirchheimer Umland

Ein Kalender gegen Hunger

Wilfried Kälberer aus Notzingen sammelt Geld für die Welthungerhilfe

Mit einem Kalender, den er zugunsten der Lebenshilfe verkaufte, hat er's vorgemacht. Nun folgt der nächste Streich. Wilfried Kälberer aus Notzingen sammelt mit seinem neuen Kalender Geld für die Welthungerhilfe. Mindestens 7 500 Euro will er zusammenbekommen.

Wilfried Kälberer präsentiert sein neuestes Projekt. Den Reinerlös des Kalenders will er an die Welthungerhilfe spenden.Foto: Je
Wilfried Kälberer präsentiert sein neuestes Projekt. Den Reinerlös des Kalenders will er an die Welthungerhilfe spenden.Foto: Jean-Luc Jacques

Notzingen. Untätig herumsitzen, während es anderen Menschen schlecht geht: Das kann Wilfried Kälberer nicht. 83 Jahre hat der Notzinger, der über die Dorfgrenzen hinaus nur als KäNo (Kälberer Notzingen) bekannt ist, auf dem Buckel – ein Alter, in dem viele mehr mit ihren eigenen Gebrechen beschäftigt sind, als mit dem Leid anderer Menschen. Aber Wilfried Kälberer kann Ungerechtigkeit nicht leiden. Deshalb rafft er sich immer wieder auf. Die jüngste Idee des Unruheständlers: Ein selbst gestalteter Kalender, dessen Erlös der Welthungerhilfe zugute kommt. „Reden ist Silber, helfen ist Gold. Die Welt verliert ihr Gleichgewicht“, steht auf dem Titelblatt, das von den Gesichtern zweier afrikanischer Kinder geschmückt wird. Kälberers Sohn hat das Foto auf einer seiner Reisen aufgenommen.

Im Kalender finden sich dagegen keine Fotos aus der Dritten Welt. Der Werbefachmann hat Motive gewählt, bei denen „für jeden was dabei“ ist. Harmlose Tierbilder werden begleitet von Zitaten, die den Betrachter nachdenklich stimmen. „Ein Hund ist ein Herz auf vier Pfoten“, steht unter dem Bild eines Schoßhündchens, das von einem Strickpullover umhüllt wird, und daneben: „Es ist wirklich nicht zum Lachen, was manche Menschen mit uns machen. Tierliebe sieht anders aus“.

Auch KäNos eigene Sprüche fließen mit ein. Unter dem Bild einer Glucke mit ihren Küken, ebenfalls aufgenommen von seinem Sohn, steht: „Der Mensch hält sich für weise, glaubt wunder, wer er sei, und weiß nicht mal, was erst war, die Henne oder ‘s Ei“. Die Kalenderblätter lassen sich ausschneiden und schmücken in einem handelsüblichen Rahmen das Zuhause ihrer neuen Besitzer.

1 000 Kalender hat Wilfried Kälberer drucken lassen. Einer kostet zehn Euro. Mindestens 7 500 Euro will KäNo an die Welthungerhilfe spenden. Um das Logo der Welthungerhilfe überhaupt verwenden zu dürfen, musste er einen Lizenzvertrag unterschreiben, dass er mindestens und in jedem Fall 5 000 Euro spenden wird. Warum er diese Organisation gewählt hat, liegt laut dem Notzinger auch an der hohen Zahl der Flüchtlinge, die aktuell nach Deutschland fliehen. „Ich glaube, dass es am besten wäre, wenn die Leute nicht zu uns kommen müssten, sondern wenn wir vor Ort Hilfe zu Selbsthilfe leisten“, sagt er. Eine Milliarde Menschen würden weltweit hungern, während in Ländern wie Deutschland mehr als die Hälfte der Lebensmittel wegen Überproduktion und Gedankenlosigkeit im Müll lande. Dass seine Aktion nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist, weiß Kälberer. „Man kann nicht viel machen. Aber jeder kann eine Kleinigkeit tun. Nur zu schimpfen, hilft nichts“, sagt er.

Wo es den Kalender zu kaufen gibt

In Kirchheim verkauft Photo-Schneider den Kalender. In verschiedenen Ortschaften werden im Gemeindeblatt die entsprechenden Adressen genannt. Interessierte können den Kalender auch bei KäNo erhalten. Er ist vormittags unter der Telefonnummer 0 70 21/4 53 14 und nachmittags unter der Telefonnummer 0 71 58/18 14-2 50 erreichbar. Wer beim Vertrieb mithelfen möchte, bekommt einen Karton mit 25 Kalendern in Kommission. Drei Exemplare sind kostenlos als Dankeschön für die Hilfsbereitschaft. adö

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