Kirchheimer Umland

Ein Lichtblick fürs neue Baugebiet

Erschließung Die geschützten Zauneidechsen hatten den Planern von „Hofäcker IV“ das Leben schwer gemacht.

Notzingen. „Keine Sorge, es ist nichts Schreckliches passiert, wir wollen Sie nur auf dem Laufenden halten, was das Baugebiet ‚Hof­äcker IV‘ angeht“, beruhigte Jürgen Holder, einer der Geschäftsführer des Kirchheimer Ingenieurbüros Geoteck, gleich zu Beginn das Gemeinderatsgremium. Das kommt nicht von ungefähr, denn das geplante Baugebiet, das sich mit 42 Bauplätzen unmittelbar an das bestehende Wohngebiet im Bereich Sonnenweg-Fasanenweg-Hofackerweg im Westen von Notzingen anschließen soll, bereitete allen Beteiligten in den vergangenen Jahren schon öfter Bauchschmerzen.

Grund dafür waren vor allem die dort lebenden, streng geschützten Tiere, vorneweg die Zauneidechsen und Fledermäuse. Siegfried Aniol, Diplom-Biologe der Planungsgruppe Ökologie und Information aus Unterensingen, war ebenfalls in die Sitzung gekommen, um über die Fortschritte der Umsiedlung in die eigens errichteten Ersatzbiotope auf Notzinger Gemarkung zu berichten. Die gute Nachricht: „Bis Ende September sollte die Umsiedlung der Zauneidechsen, die seit März im Gange ist, vollends abgeschlossen sein“, berichtete Aniol. Zwischen März und Juli seien es schon mehr Tiere gewesen, als ursprünglich erwartet. „Wir haben bisher 49 erwachsene Tiere, 44 fast erwachsene und zehn Jungtiere umgesiedelt“, so der Biologe. Um die Tiere nicht unnötig aufzuschrecken, sei man nur noch in Zweierteams auf dem Gelände zum Sammeln unterwegs gewesen. In Terrarien werden die Eidechsen in ihre neuen Ersatzbiotope aus Trockenmauern, Totholz- und Steinhaufen sowie Sandhügeln gebracht. Folienzäune, die die neuen Lebensräume sowie das Plangebiet „Hofäcker IV“ einzäunen, sollen eine Rückwanderung der Tiere verhindern.

Auch für die Fledermäuse und Vögel wurde neuer Lebensraum geschaffen - eine Pflichtaufgabe angesichts der artenschutzrechtlichen Prüfung. Westlich des Plangebiets habe man für diese neue Obstbaumpflanzungen vorgenommen, so Siegfried Aniol. In den Bäumen wurden verschiedene Arten von Nisthilfen angebracht. Wie diese von den Vögeln und Fledermäusen angenommen werden und wie es insgesamt in Sachen Tierbestand aussieht, werde derzeit untersucht, antwortete der Biologe auf die Nachfrage von Irmtraut Schneider (UKW).

Es gibt Anpassungswünsche

„Wir sind optimistisch, dass wir im Spätherbst oder Winter mit der Erschließung des Baugebiets beginnen können“, erklärte Jürgen Holder. Voraussichtlich im September soll der Gemeinderat dafür den Satzungsbeschluss für das Bebauungsplanverfahren fassen. Als weitere Bausteine stehen dann noch die Baulandumlegung und die Ausschreibung der Baumaßnahmen an.

Diskutiert wurde noch über das Anliegen eines Grundstückseigentümers, der darum bat, sein bisheriges Baufenster mit einer Tiefe von zwölf und einer Länge von 15 Metern auf eine Tiefe und Länge von je 14 Metern ändern zu lassen. „Städtebaulich ist das kein Problem und passt auch zu den anderen Grundstücken daneben. Insgesamt gibt es im Baugebiet ähnlich große Grundstücke“, erläuterte Holder. Zudem würden auch weiterhin alle erforderlichen Abstände eingehalten.

Im Gemeinderatsgremium sprach sich nach längerer Diskussion die Mehrheit für die gewünschte Änderung aus. Bürgermeister Sven Haumacher zählte selbst nicht zu den Befürwortern und begründete diese Haltung auch: „Im Vergleich zu den Planungen von 2016 wurden Grundstück und Baufenster bereits durch den Erschließungsträger vergrößert. Zudem gilt eigentlich der Grundsatz, dass für einen Einzelnen kein Bebauungsplan geändert wird. Wenn, dann müssten wir jetzt auch alle anderen Grundstückseigentümer fragen, ob sie noch Änderungswünsche haben“, so Haumacher.

Ulrich Blattner (SPD) und Alfred Bidlingmaier (CDU) stimmten dem zu. Andere Räte wie Hans Prell, Vera Morlok-Gommel, Irmtraut Schneider, Manfred Blessing (UKW) und Rudolf Kiltz (CDU) sahen in der Änderung während der Planungsphase kein Problem, da es städtebaulich keine Bedenken gibt. Zudem hätten die anderen Eigentümer genauso ausreichend Zeit gehabt, sich zu melden. Jetzt muss laut Sven Haumacher noch die Rechtsaufsichtsbehörde einen Blick auf die Anpassungswünsche werfen. Katja Eisenhardt

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