Kirchheimer Umland

Ein neuer Blick auf alte Bäume

Streuobst Totholz und Misteln sind für viele Tierarten überlebenswichtig. Auf der Nabu-Wiese bleiben sie deshalb unberührt.

Foto: Nabu Kirchheim
Foto: Nabu Kirchheim

Dettingen. Manch ein Schnittkurs-Teilnehmer muss sich über den Zustand einiger Obstbäume auf der Nabu-Streuobstwiese bei Dettingen gewundert haben: Alte Storren blieben dort als Wohnung für Insekten und Höhlenbewohner unter den Vögeln und Fledermäusen einfach stehen, auch Misteln hingen im Geäst. Samuel Kick, der in vielen Naturschutzorganisationen aktiv ist, erklärte, dass Höhlen- und Habitaträume nicht nur im Wald oder entlang von Fließgewässern, sondern auch auf der Streuobstwiese unter strengem Schutz nach Bundesnaturschutzgesetz stehen. Im Totholz sind viele Insektenlarven und andere Arten aktiv, die als Nahrung für größere Lebewesen dienen. Zudem sind viele Obstbäume Habitat von Pilz-, Moos- und Flechtenarten. Sollen solch ökologisch wertvolle Altbäume beseitigt werden, braucht es eine Ausnahmegenehmigung der Naturschutzbehörde.

In oftmals als „abgängig“ bezeichneten Bäumen haben Spechte häufig Höhlen gezimmert, um zu brüten. Als Nachmieter kommen höhlenbrütende Kleinvögel wie Meisenarten, der Kleiber oder der Wendehals in Betracht. Fledermäuse haben dort ihre Tagquartiere und die geschützten Hornissen ihre Waben. Sie helfen auf natürliche Weise dem Streuobstwiesenbesitzer bei der Bekämpfung lästiger Schadinsekten.

Samuel Kick betonte, dass die meisten Altbäume bei fachgerechter Pflege die jetzige und nachfolgende Generationen überleben können. Die Mistel als Halbschmarotzer wird niemals ihren Wirt töten. Ihre Beeren würden vielen Vogelarten als Nahrung dienen. Verschiedene Insektenarten laben sich an den Mistelblüten.

Anschaulich zeigte Samuel Kick, wie ein seit Jahren nicht geschnittener Apfelbaum gepflegt wird: „Wirbel“ im Außenbereich wurden beseitigt und behutsam ausgelichtet. Der Apfelbaum und eine Tafelbirne wurden auf Ertrag geschnitten, während andere wachsen dürfen, wie sie möchten. Mit dem anfallenden Reisig und Gras werden Haufen aufgesetzt und hochwertige Biotope für Amphibien und Reptilien geschaffen. Es wird immer etwas Gras stehen gelassen, um Insekten und deren Larven Schutz zu bieten. pm

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