Kirchheimer Umland

Ein Quartett mit großen Ohren

Ein Kindheitstraum wurde wahr: Helena Kiltz‘ großes Hobby sind ihre vier Esel

Als Helena Kiltz 13 Jahre alt war, ging ein großer Traum in Erfüllung, sie bekam Pedro und Siri – ihre ersten beiden Esel. Heute ist Helena 20 und im Kiltz‘schen Stall in der ­Notzinger Maybachstraße lebt ein Esel-Quartett. Ein tierisch gutes Hobby.

Notzingen. Pedro und Siri haben 2012 Verstärkung durch Artus bekommen, am 16. August 2014 wurde die kleine Lora geboren, das Fohlen von Siri und Artus. „Der Wunsch, eigene Esel zu haben, kam auf, als ich zehn Jahre alt war. Irgendwie habe ich mich schon immer für sie begeistern können“, erinnert sich Helena. Ein Schäfer im Ort habe damals zwei gehabt. Auf Reiterfreizeiten sei sie früher auch gewesen – die Pferde haben es ihr dennoch nicht so angetan, wie ihre langohrigen Verwandten.

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Anfangs habe es bei den Eltern schon Überredungskunst gebraucht, meint die 20-Jährige und lacht. Im Laufe der Vorbereitungen, hätten sie sich aber mit dem Gedanken anfreunden können. „Wir haben vor dem Kauf von Pedro und Siri verschiedene Eseltreffen besucht und uns bei Züchtern und über Fachliteratur ausgiebig informiert. Die Praxis kommt dann mit den Tieren selbst.“

Der fast schneeweiße Pedro – ein Mix aus einem ägyptischen Esel und einem Großen Schwarzen Berry – und der Berry-Esel Artus stammen aus Frankreich, wo die Eselzucht verbreiteter ist, als in Deutschland. „Siri, ebenfalls ein Berry, haben wir in Bruchsal gekauft. Und mit der kleinen Lora ist schließlich der Traum von einem eigenen Fohlen wahr geworden.“ Wenn man Esel halten wolle, dann mindestens zu zweit. Den Stall hat die Familie Kiltz selbst gebaut. Daran angrenzend liegen die vier Weiden, auf denen sich das Esel-Quartett abwechselnd austoben kann. Zur tierischen Familie gehören noch sieben Hühner, ein Hahn, eine Katze und der Berner Sennenhund Leo.

Der ist immer mit von der Partie, wenn Helena zwei ihrer Esel vor die Kutsche spannt. Sobald sie die Esel ins Freie zieht, springt Leo hocherfreut und ungeduldig um das Gefährt herum, bis die Fahrt endlich losgehen kann. „Wenn ich ihn daheim lasse, ist er beleidigt, das geht wirklich gar nicht“, meint die 20-Jährige lachend. Bevor es an diesem sonnigen Vormittag auf Tour rund um Notzingen geht, wird der Stall ausgemistet, ein bis zweimal pro Tag. „Dabei hilft mir meine Mutter sehr viel, das morgendliche Füttern übernimmt mein Vater.“ Ohne die Hilfe ihrer Eltern ginge es nicht. Die 20-Jährige muss Montag bis Donnerstag an die Uni nach Stuttgart, wo sie im zweiten Semester Gymnasiallehramt studiert. „Ich bin meinen Eltern wirklich sehr dankbar“, sagt Helena Kiltz. Beim Heuen im Juni und Juli helfen auch ihre drei Geschwister mit. Außerdem steht täglich Striegeln auf dem Programm und die Hufe müssen ausgekratzt werden. Futter für die Tiere gibt es dreimal täglich. Um sie zu bewegen, fährt Helena jeden Tag mit der Kutsche, reitet oder lässt die vier auf die Koppel.

Je nach Zeit, wählt Helena Kiltz ihre Route für die Kutschfahrt. Dabei kann die Tour rund um Notzingen oder zu den Nachbarorten führen: „In einer Stunde schafft man etwa fünf Kilometer“, erklärt die. Der Messer der Trainingskutsche zählt mittlerweile gut 4 000. Wenn sie mehr Zeit hat, kutschiert sie auch schon mal zum Freund nach Wolfschlugen. „Es gibt das Vorurteil, dass Esel nicht so lange durchhalten wie Pferde. Das kann ich absolut nicht bestätigen. Eine Freundin und ich sind im Urlaub mal 40 Kilometer täglich geritten“, sagt Helena nicht ohne Stolz. Ihr Ziel ist es, einmal vierspännig zu fahren, sobald Lora alt genug fürs Training ist.

Neben der Trainingskutsche, mit der Helena auch an kleinen Turnieren mit Hindernisparcours teilnimmt, hat sie sich im vergangenen Jahr eine wunderschöne Viktoriakutsche inklusive Verdeck gekauft, auf die sie lange gespart hat. „Damit kann ich zum Beispiel das Brautpaar auf Hochzeiten fahren“, erklärt Helena, die ab und an auch für Kindergeburtstage oder das Dorffest Kutschfahrten anbietet. Vor allem sei das Fahren aber ihr großes Hobby. „Im Winter, wenn es Schnee hat, bin ich auch mit Schlitten unterwegs.“ Auch Schulklassen seien schon vorbeigekommen, denen Helena dann die Esel erklärt hat: „Ich will zeigen, dass Esel mindestens so interessant und lernfähig sind wie Pferde.“