Kirchheimer Umland

Ein Zeichen der Nächstenliebe setzen

Tradition Seit 40 Jahren organisieren die Notzinger gemeinsam ehrenamtlich ihren Weihnachtsmarkt mit Adventssingen am zweiten Advent. Der Kelterplatz wird zum Treffpunkt für Jung und Alt. Von Katja Eisenhardt

Highlight für die Kleinen: Der Nikolaus verteilt die Geschenke. Fotos: Katja Eisenhardt
Highlight für die Kleinen: Der Nikolaus verteilt die Geschenke. Fotos: Katja Eisenhardt

Auf dem Notzinger Kelterplatz herrscht reges Treiben. In der Luft duftet es nach Glühwein und Punsch, man trifft sich auf einen gemütlichen Plausch unter Bekannten. Auf der Bühne finden sich nach und nach die Mitglieder des Gesangvereins Concordia Notzingen-Wellingen ein, um den Weihnachtsmarkt musikalisch zu eröffnen.

Seit nunmehr vier Jahrzehnten findet der Markt am zweiten Advent statt. „Heute früh wurde innerhalb von gut drei Stunden alles gemeinsam aufgebaut, nach Marktende heute Abend verschwindet auch alles wieder genauso schnell“, beschreiben Adelheid Jost und Wolfgang Kalmbach vom Leitungsteam die eingespielte Teamarbeit der Beteiligten.

Los ging das Ganze am 16. Dezember 1979 mit einem Adventssingen des Gesangvereins vor dem Rathaus. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Weihnachts- und Kinderweihnachtsfeier der Concordia immer intern in der Halle stattgefunden. Hartmut Volz, damals Chorleiter, und sein damaliger Vize und Zweiter Vorsitzende der Concordia, Erwin Rauschenberger, hatten die Idee, Advents- und Weihnachtslieder zusammen mit der Gemeinde draußen im Freien zu singen. Gemeinsam mit Vorstand Reinhold Steigk wurde das in die Tat umgesetzt.

Ein Jahr später wurde erstmals zusätzlich ein Weihnachtsmarkt auf die Beine gestellt. Die Premiere fand auf dem Schulhof statt. Alle drei Ideengeber wurden jetzt von Bürgermeister Sven Haumacher für ihren 40 Jahre währenden Einsatz mit einer Urkunde und einem Hotel-Wochenende gemeinsam mit den Ehefrauen geehrt und beschenkt. „Mit Ihrem Ehrenamt und der Umsetzung der Idee eines Weihnachtsmarkts haben Sie das Fundament gebaut, auf dem wir heute stehen“, dankte Haumacher den Gründern, bei denen nur Hartmut Volz urlaubsbedingt fehlte.

Die Gründer Reinhold Steigk und Erwin Rauschenberger (links) mit den Leitungsteammitgliedern Adelheid Jost und Wolfgang Kalmbach
Gründer Reinhold Steigk und Erwin Rauschenberger (links) mit den Leitungsteammitgliedern Adelheid Jost und Wolfgang Kalmbach. Foto: Katja Eisenhardt

Die Besonderheit des Notzinger Marktes ist von Beginn an, dass es kein kommerzieller Weihnachtsmarkt ist, sondern dass er rein ehrenamtlich von Notzinger Vereinen, Parteien, Vereinigungen und Kirchen gemeinsam gestaltet wird. So konnte man sich etwa adventliche Holzdeko aus der kreativen Holzwerkstatt der Arche mit nach Hause nehmen, selbst gekochte Weihnachtsmarmelade, gebackenes Apfelbrot oder auch wärmende Stricksocken gab es beispielsweise am Stand der neuapos­tolischen Kirche. Auch für Speis und Trank der zahlreichen Besucher wurde von den Akteuren bes­tens gesorgt.

Für das adventliche Rahmenprogramm sorgten neben dem Gesangverein zudem der Chor der neuapostolischen Kirche, von den drei Kindergärten war diesmal Letten an der Reihe sowie die Jugendkapelle des Musikvereins. Natürlich durfte auch der Besuch vom Nikolaus und seinem Knecht Ruprecht nicht fehlen, die besonders von den jüngsten Marktbesuchern sehnsüchtig erwartet wurden, gibt es doch alljährlich für jedes Kind eine Tafel Schokolade und einen Apfel von den beiden. Kreativ wurden die Kinder zudem am Stand der SPD, wo sie Kerzen individuell einfärben konnten, was beispielsweise der vierjährige Anton und seine zweijährige Schwes­ter Maja mit Unterstützung des ehemaligen Gemeinderats Hans-Joachim Heberling ausprobierten. Am Ende des Markts wurde auf dem adventlich beleuchteten Kelterplatz gemeinsam zu den Klängen des Musikvereins gesungen.

Der Erlös des Marktes kommt sozialen Projekten zugute. „Unser Weihnachtsmarkt ist wirklich ein besonderer, er ist ein Zeichen tätiger Nächstenliebe und Wohltätigkeit“, betonte Bürgermeister Sven Haumacher in seiner Ansprache. Diesmal sind zwei internationale Projekte an der Reihe: In diesem Jahr geht er Reinerlös zu je 50 Prozent an das Projekt „Briketts aus Maisspindeln für Uganda“ und an „Sonflora“, ein Kinderhilfsprojekt in Nicaragua. In den vergangenen 40 Jahren kamen über 180 000 Euro für die Unterstützung sozialer Projekte zusammen. Einen Tag nach dem Markt schätzten die Organisatoren die diesjährigen Einnahmen auf etwas über 7000 Euro. Das Endergebnis wird laut Wolfgang Kalmbach aber erst im Januar feststehen.

 

Weitere Infos zum Markt und den diesjährigen Projekten gibt es unter www.notzinger-weihnachtsmarkt.de.

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