Kirchheimer Umland

Eine Schule, an der niemand verloren geht

Feier Seit zehn Jahren ist die Verbundschule Dettingen als Sonderpädagogisches Bildungszentrum für Kinder mit Beeinträchtigung ein Wohlfühlort. Von Sabine Ackermann

Kinder der Dettinger Verbundschule singen ein Loblied auf ihren Lernort.Fotos: Sabine Ackermann
Kinder der Dettinger Verbundschule singen ein Loblied auf ihren Lernort.Fotos: Sabine Ackermann

Wir sind Kinder der Verbundschule“, schon von weitem sind die Mädchen und Jungen zu hören, die fröhlich und mit leuchtenden Augen den Ort hochleben lassen, an dem sie lernen und lachen. „Ja, unsere Schule ist famos, hier lernen viele Kinder von ganz klein bis groß. Laufrad und Roller fahren wir, mit viel Bewegung lernen wir. In Deutsch da lernen wir sehr viel, schreiben und lesen oder ein Theaterspiel. In Mathe wollen wir versteh‘n, Quadrat und Würfel und die Zahlen 0 bis 10“, singen die Kinder und Jugendlichen und nicht wenige, die ihren abwechslungsreichen Schulalltag noch mit kleinen Gesten zum Ausdruck bringen.

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Das Publikum zeigt sich berührt, denn sie sehen und spüren, die Zeilen kommen von Herzen, sind mit Inbrunst gesungen und so echt, wie es eben nur Kinder vortragen können. Zwischen den elf Strophen folgen Grußworte aus den Reihen des Landkreises und Schulamtes, von der Schul- und Kindergartenleitung sowie vom Elternbeirat nebst Förderverein, alle fassen sich erfreulich kurz. Das ist beabsichtigt und findet insbesondere bei den Jüngsten Anklang. Denn eigentlich ist es ja ihr Tag, nicht umsonst hat das eingespielte Team aus Schule und Kindergarten mit ihren Leiterinnen Karin Frey und Elke Bernhardt ein kunterbuntes Programm auf die Beine gestellt. Nach der musikalischen Präsentation versammelt sich ein Großteil im Garten und lauscht bei Popcorn, Waffeln oder einem frisch gepressten Smoothie den rhythmischen Trommelklängen der Gruppe Daina. „Mir ist das zu laut, ich geh lieber was basteln“, macht sich die achtjährige Annika vom Acker. Mama Doris Frey sieht es entspannt, „hier geht niemand verloren“, sagt die Kirchheimerin lachend und ergänzt: „Ich habe zwar kein Kind hier in der Schule, finde aber die Einrichtung und die engagierten Mitarbeiter einfach toll“. Unter den Anwesenden sind etliche Stammgäste, die schon im Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) waren, als 2007 noch alles neu und ungewohnt war. Heute seien die Räumlichkeiten längst vertraut und nicht mehr wegzudenken, betonen manche Eltern, deren Kinder dort unterrichtet, versorgt und betreut werden. Während der sechsjährige Henning seiner Schwester beim Unterschreiben neben ihrem Handabdruck zuschaut, berichtet Cathrin Taxis aus Owen: „Es ist hier einfach super, wir sind wirklich sehr zufrieden, und auch unser Kind fühlt sich hier sehr wohl.“

Die Uhinger Geschäftsfrau Susanne Weißkopf fühlt sich mit der Verbundschule auf ganz besondere Weise verbunden. Zum ersten Mal vor zehn Jahren hat die Vereinsvorsitzende von „Wir für Kinder“ ihre preisgekrönten Exponate, mit denen die kleinen Tüftler ganz unterschiedliche Experimente machen können, im SBBZ ausgestellt. Und auch zum Festtag hat sie wieder einiges zum „Hören, Sehen, Staunen“ mitgebracht. Ob eine Kugel den Berg hinauf wandert, man sich je nach Armstellung auf dem Pirouettenkreisel langsam oder schneller dreht oder sich hinter Riesenseifenblasen versteckt, die Experimente machten den Jungen und Mädchen genauso viel Spaß wie der „Blick durchs Schlüsselloch“ auf die Zirkusgruppe.

Experimente mit der Riesenseifenblase waren bei Kindern beliebt.
Experimente mit der Riesenseifenblase waren bei Kindern beliebt.

Die Verbundschule Dettingen

2007 eröffnet, ist die Verbundschule Dettingen als Sonderpädagogisches Bildungs- und Beratungszentrum (SBBZ) mit Förderschwerpunkt Sprache und körperlich-motorische Entwicklung im Bildungsgang geistige Entwicklung weit über den Kreis hinaus bekannt.

Als seltene Kombination zweier SBBZ-Typen unter einem Dach, bietet die heterogene Mischung von 112 Schülern und zehn Kindern im Schulkindergarten mit Handicap eine einmalige Chance zur schulinternen und übergreifenden Kooperation von individuellen Lernwegen und gesellschaftlicher Teilhabe.

Das Augenmerk dieser Arbeit liegt außerdem im Unterricht und in der Beratung von Familien, vor dem Hintergrund der Inklusion profitieren davon auch immer mehr Kollegen aus den Regelschulen.

12 Millionen Euro hat die Einrichtung gekostet, der Bund schoss 5,6 Millionen Euro dazu, und vom Land gab es 200 000 Euro.ack