Kirchheimer Umland

Eine unterhaltsame Matinee

Klassiker unterschiedlicher Musikgenres in der Notzinger Gemeindehalle

Bariton Michael Seil präsentierte als launiger Conférencier eine gelungene Mischung bekannter Musikstücke beim Konzert des Gesangvereins Concordia Notzingen-Wellingen.

Drei virtuose Stimmen und ein Klavier: von links Pianist und Nowellis-Chorleiter Michael Lieb, Sopranistin Carolina López Moreno
Drei virtuose Stimmen und ein Klavier: von links Pianist und Nowellis-Chorleiter Michael Lieb, Sopranistin Carolina López Moreno, Bariton Michael Seil und Karlíne Círule, ebenfalls Sopran. Foto: Andrea Barner

Notzingen. Eine Matinee ist, wie in der Notzinger Gemeindehalle, in gewisser Weise „gnadenlos“. Im vormittäglichen Sonnenschein kaschierte kein warmes Scheinwerferlicht irgendetwas, optisch schmeichelte den jungen Gesangsprofis in festlicher Abendrobe nichts. Die knapp zweistündige Veranstaltung fand in der ehrlichen Atmosphäre einer Gemeindehalle bei Tageslicht statt. Auf der Bühne ein schwarzer Flügel, einzige Kulisse ein paar farbige Tücher im Hintergrund und ein schöner Strauß Blumen davor.

Umso bemerkenswerter, wie die jungen Sängerinnen und der Sänger das Publikum, ohne Choreografie und ohne große Gesten, allein durch ihre großartigen Stimmen mitrissen. Karlíne Círule und Carolina López Moreno gelten an den Musikhochschulen in Saarbrücken und Stuttgart als Nachwuchstalente, haben jedoch ihre Sopranstimmen bereits perfektioniert. Ihre Bühnenpräsenz ist trotz ihres jungen Alters bereits groß.

So begeisterte Círule bereits im Vorjahr bei einem viel beachteten Tangokonzert in Notzingen. Die Künstlerin aus Lettland singt sowohl Oper wie auch Chansons oder Musicalstücke. Im ersten Teil des Konzerts begeisterte sie die rund 200 Besucher mit „Summertime“ aus George Gershwins „Porgy and Bess“ – eines der meistgespielten Lieder überhaupt, es zählt zu den Jazz-Standards und stammt aus den 30er-Jahren. Weniger bekannt vielleicht „Green Finch“ aus dem Grusical „Sweeney Todd“, einer makabren Geschichte über einen Serienmörder. Das Thema wurde bereits mehrfach verfilmt und am Broadway aufgeführt.

Das Spektrum von Carolina López Moreno aus Nürtingen reicht von Popmusik bis Oper. Die Allrounderin ist ebenfalls schon ein Bühnenprofi und darüber hinaus eine gefragte Tanzlehrerin in Stuttgart. Die Halbbolivianerin hat auch schon einige Fernsehauftritte hinter sich, wie etwa als Teilnehmerin von „Supertalent“, zusammen mit ihrer Schwester Amanda. Aus der Operette „Die Lustige Witwe“ von Franz Lehar sang sie unter anderem auch das wunderschöne Vilja-Lied vom Waldmägdelein und legte gleich darauf noch mit einer Oper nach. Giacomo Puccini liebte Sopranstimmen; das Stück aus „La Rondine“ ist daher auch ein „traumhafter“ Vortrag von López (Chi il bel sogno di Doretta).

Ein Eigengewächs des Notzinger Gesangvereins ist Michael Seil, der die Matinee auch humorvoll und gekonnt moderierte. Der „Hobbysänger“, wie er sich selbst bezeichnete, stand den jungen „Profis“ stimmlich in nichts nach und wagte sich sogar an einen höchst anspruchsvollen Koloraturgesang, das „Porter-Lied“ aus der Oper „Martha“ von Friedrich von Flotow. Eines der wenigen klassischen Stücke übrigens, in denen nicht der Wein, sondern ausnahmsweise mal das Bier besungen wird.

Michael Seil hat auch eine Vorliebe für italienische Musik. Die italienische Sprache sei dem Menschen gewissermaßen „in die Kehle hineingeschrieben“, findet der Bariton und trug auch gleich ein besonders schönes Beispiel vor: „Torna a Surriento“ von Ernesto de Curtis, das von allen Operngrößen gesungen wurde wie Luciano Pavarotti, Placido Domingo oder José Carreras. Ach ja, und von Elvis Presley in einer etwas anderen Version („Surrender“).

Ein gelungener musikalischer Sonntagvormittag, den der Gesangverein Concordia Notzingen-Wellingen seinen Mitgliedern, Freunden und Anhängern im ausverkauften Saal geboten hat.

Anzeige