Kirchheimer Umland

Endlich Schluss mit Warten

Seit Kurzem gibt es wieder frische Erdbeeren und Spargel aus der Region

Zwar hatten es die Erdbeeren von den Fildern noch ein bisschen extra warm unter dem Folientunnel, aber die Freilandernte ist nun in Sicht. „Bei guter Witterung rechnen wir in etwa zwei Wochen damit,“ hofft der „Spargelfachverkäufer“ auf dem Kirchheimer Wochenmarkt, Wieland Volkert. Er steht für den Talhof Bayer auf den ­Fildern hinter dem Markttisch.

Heiß ersehnt und ausgesprochen fotogen: Auf dem Markt gibt‘s jede Menge Spargel und Erdbeeren von nah und fern.Foto: Jean-Luc Ja
Heiß ersehnt und ausgesprochen fotogen: Auf dem Markt gibt‘s jede Menge Spargel und Erdbeeren von nah und fern.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Weil die Saison immer früher beginnt und die Leute immer früher Lust auf die roten Früchtchen haben, arbeitet man beim Talhof mit Folientunneln. Unter insgesamt sechs Kilometern Folie wird die Ernte um zwei bis drei Wochen vorgezogen. Das lohnt sich offensichtlich: Am ersten Tag waren die vier Kisten lange vor dem Mittag ausverkauft.

Die junge Frau mit Kind geht somit leer aus. Aber Wieland Volkert hat eine Überraschung für Max, den Sohnemann im Kinderwagen. Er reicht ihm eine der letzten rot glänzenden Beeren. Max greift begeistert nach der Beere und beißt zu. Nein – er verzieht nicht das Gesicht. Tatsächlich sind sie schon süßlich und schmecken sogar nach Erdbeere. Nicht sehr intensiv, aber immerhin. Max will mehr! „Am nächsten Markttag, bringe ich wieder welche mit“, tröstet Volkert Mutter und Sohn.

„Die Leute sind richtig scharf auf Erdbeeren“, berichtet er. So sehr, dass sie schon viele Wochen vorher im Supermarkt nach der spanischen Variante langen. Wieland Volkert gesteht, dass auch er neulich welche probiert habe. „Die haben dort in Spanien super Wetter und viel Sonne, aber die kriegen das einfach nicht so hin“, wundert er sich über die geschmacklosen Geschwister seiner Früchte.

Vielleicht liegt es an der Sorte? Für die spanischen Erdbeeren ist es wichtig, dass sie den weiten Transport zumindest optisch unversehrt überstehen. Sie dürfen nicht druckempfindlich oder anfällig für Fäulnis sein. Außerdem sollen sie möglichst groß sein. Das erleichtert und verbilligt damit die Ernte. Bei diesen Züchtungen ist es nicht verwunderlich, dass der Geschmack auf der Strecke bleibt. Wer schon einmal eine Erdbeere einer fast vergessenen Sorte wie „Mieze Schindler“ probiert hat, weiß aber, dass es tatsächlich Gartenerdbeeren gibt, die an die Aromenvielfalt einer Walderdbeere heranreichen. „Mieze Schindler“ eignet sich aber wirklich bloß für den Transport von der Hand in den Mund.

Beim Spargel spielt vor allem die Sortierung eine Rolle und ob er grün oder weiß ist. Früher war Spargel immer grün. Jeder Spargel wird grün oder violett, wenn er seinen Kopf ins Licht reckt. Dass man ihn unter Erdhaufen bleichen kann – so entsteht nämlich der weiße – darauf kam man erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts und daran sei ein württembergischer Graf schuld, erzählt Volkert, „Ich weiß aber nicht, ob diese Geschichte stimmt.“ Tatsächlich wurde der erste Spargel in Deutschland im 16. Jahrhundert im Stuttgarter Lustgarten angepflanzt.

„Wollen Sie repräsentieren? Dann müssen Sie den Sonntagsspargel nehmen“, rät er einer Kundin und dann deutet er augenzwinkernd auf eine Kiste mit günstigerem Spargel: „Für die Familie tut‘s auch der krumme.“ Während der Sonntagsspargel mit 10,90 Euro pro Kilo zu Buche schlägt, gibt es den krummen für 7,80 Euro. Den Spargel nach geraden und krummen, dicken und dünnen Stangen zu sortieren kostet eben, erklärt er dem älteren Ehepaar, das wissen will, wie dieser Preisunterschied zustande kommt.

Angebot und Nachfrage spielen beim Preis auch eine Rolle: „Wenn das Wetter mitspielt, bekommen wir dieses Jahr ein gute Ernte“, prophezeit Volkert. Na, dann: Guten Appetit!

Erdbeer - Spargel
Erdbeer - Spargel
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