Kirchheimer Umland

Endlich wieder einkaufen

In der Notzinger Ortsmitte ist der neue CAP-Markt feierlich eröffnet worden

Lebensmittel gibt's schon seit ein paar Tagen. Bei der feierlichen Eröffnung des CAP-Markts kamen gestern viele warme Worte hinzu. Am meisten gelobt wurden die Notzinger und Wellinger Bürger, die für ihren Einkaufsmarkt gekämpft haben.

Seit dieser Woche gibt es in Notzingens Ortsmitte wieder ein Lebensmittelgeschäft.Foto: Markus Brändli
Seit dieser Woche gibt es in Notzingens Ortsmitte wieder ein Lebensmittelgeschäft.Foto: Markus Brändli

Notzingen. Mitten in der Rede des Gemüsehändlers piept die Kasse. Ein junges Mädchen hat sich zwischen den Besuchermassen hindurchgequetscht und Chips und Eistee aus Band gelegt. Nervennahrung für die vielen Grußworte, die an diesem Freitagnachmittag gesprochen werden. Es ist ein besonderer Tag für die Gemeinde Notzingen, die Verantwortlichen der Filderwerkstatt und viele Notzinger und Wellinger Bürger, die sich monatelang für einen Laden in der Ortsmitte eingesetzt haben: Heute wird der CAP-Markt feierlich eröffnet.

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„Welches Engagement die Bürger von Notzingen für diesen CAP-Markt gezeigt haben, den sie selbst wollten, das ist klasse und beispielhaft – auch wenn es darum ging, den eigenen Geldbeutel zu öffnen“, sagt Markus Vogt, Vorstand des Fördervereins der CAP-Märkte. Eberhard Kühnle, der Vermieter des Ladens, schließt sich dem Lob an. „Ohne die Initiative Notzinger Lädle gäbe es heute nichts zu feiern – und für die Bürger wohl auch keine Möglichkeit, im Ortskern Lebensmittel zu beschaffen“, sagt er. 1 300 Spendenaufrufe seien verteilt worden. „Die 22 000 Euro, die zusammenkamen, waren ein umwerfendes, nicht erwartetes Ergebnis“. Eberhard Kühnle bittet die Gäste darum, anderen Bürgern vom CAP-Markt zu erzählen, „auch denen, die vielleicht noch nicht ganz überzeugt sind“.

Notzingens Bürgermeister Sven Haumacher bezeichnet den CAP-Markt als großen Gewinn für den Ort und lobt die Initiative der Bürgerinnen und Bürger. „Ich wünsche uns, dass der CAP-Markt uns lange erhalten bleibt“, sagt er. Für Michael Köber, beim Landratsamt zuständig für Psychiatrieplanung, ist der CAP-Markt gelebte Inklusion. „Ziel der Inklusion ist es, dass Menschen mit Einschränkungen sich erproben.“ Das könne hier in der Notzinger Ortsmitte geschehen.

Langer Weg zum CAP-Markt

Im April 2015 steht fest: Das „Notzinger Lädle“ schließt zum Juli. Wird kein neuer Pächter gefunden, gibt es in der Ortsmitte keinen Einkaufsmarkt mehr. Vermieter Eberhard Kühnle führt Gespräche mit der Filderwerkstatt, die die CAP-Märkte im Landkreis Esslingen betreibt. Allerdings benötigt der CAP-Markt als Sozialunternehmen eine Anschubfinanzierung in Höhe von 50 000 Euro. Dieser Beitrag wird üblicherweise von den Städten beziehungsweise Gemeinden bezahlt. In Notzingen stehen die Zeichen anfangs schlecht. Bürgermeister Sven Haumacher ist gegen die Anschubfinanzierung, der Gemeinderat tendenziell auch. Als die „Initiative Notzinger Lädle“, gegründet von Eberhard Kühnle und Petra Lippkau, jedoch rund 22 000 Euro an Spendenzusagen von Bürgern einsammelt, entscheidet sich der Gemeinderat, rund 20 000 Euro zuzuschießen. Katholische Kirche und Krankenpflegeförderverein zahlen 3 000 beziehungsweise 5 000 Euro.adö