Kirchheimer Umland

Endstation Kreissporthalle

Das berufliche Schulzentrum in Kirchheim wird für 270 Flüchtlinge über Nacht zum Notquartier

Die Reaktionszeiten werden immer kürzer. Binnen Stunden mussten Landkreis, Stadt und Hilfskräfte gestern in der Kirchheimer Kreissporthalle ein Behelfsquartier für 270 Flüchtlinge schaffen. Zum zweiten Mal seit der Wiedervereinigung vor 25 Jahren stehen in der Schulsporthalle Hunderte von Notbetten.

Gestern am späten Nachmittag: 270 Menschen kommen in Bussen aus dem Erstaufnahmelager in Ellwangen nach Kirchheim.Foto: SDMG/Lie
Gestern am späten Nachmittag: 270 Menschen kommen in Bussen aus dem Erstaufnahmelager in Ellwangen nach Kirchheim.Foto: SDMG/Liebrich

Kirchheim. Besorgte Mienen, ein Krisenstab inmitten des Getümmels und vor allem: Provisorien. Immer mehr, immer schneller, immer brüchiger. Der Esslinger Landrat ist vor Ort, bespricht die Situation mit Einsatzkräften. Kirchheims Oberbürgermeisterin steht daneben, verschafft sich ein Bild von der Lage, während DRK-Mitarbeiter drüben in der Aula der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule eine erste Notmahlzeit für die 270 Menschen organisieren, die in Bussen aus dem Erstaufnahmelager in Ellwangen angekommen sind. Klinik-Mitarbeiter aus dem nahen Kreiskrankenhaus haben Ess-Besteck vorbei gebracht. DRK-Bereitschaftsleiter Willi Stutz dirigiert seine Mitarbeiter, die Wasserflaschen verteilen und sich um Erkrankte kümmern. Erst am Morgen wird es gelungen sein, das Zelt für die Essensausgabe auf dem Schulparkplatz zu errichten.

Drinnen in der Halle ist es stickig. Noch am morgen hat hier Sportunterricht stattgefunden. Die Kirchheimer Feuerwehr hat am Mittag in Windeseile Kleider-Spinde und Stockbetten aus dem kreiseigenen Versorgungslager in Beuren hierher transportiert. Dass es die noch gibt, grenzt an ein Wunder. Der Nachschub an Feldbetten, die das DRK inzwischen aus Kanada einfliegen lässt, gerät immer wieder ins Stocken. Für Frauen und Familien mit Kindern haben die Helfer notdürftig einen zumindest optisch abgegrenzten Bereich geschaffen, wohlwissend, dass es Privatsphäre in dieser Situation nicht geben kann. Überall Ratlosigkeit und Menschen, die Antworten suchen. Wer Anzug oder Uniform trägt, wird belagert. Mitten drin ein Rollstuhlfahrer, der nicht weiß, wie er unter diesen Umständen die Nacht verbringen soll. Esslingens Landrat Heinz Eininger spricht mit dem Mann, sucht nach Lösungen. Im Moment gibt es die nicht.

"Das ist ein weiterer Schlag für uns. Wir sind in einer Situation, in der die Leute nur noch durchgereicht werden." In der Nacht ist Eininger über die Ankunft der Flüchtlinge informiert worden. Eine Gruppe, die eigentlich für Samstag angekündigt war. Über geregelte Unterbringung redet längst niemand mehr. "Es geht nur noch darum, dass die Menschen ein Dach über dem Kopf haben", sagt der Kreischef. 1 700 Flüchtlinge bis Monatsende, so die aktuelle Zahl, die der Kreis zu bewältigen hat. Dafür reichen die geplanten Plätze in den Gemeinschaftunterkünften bei weitem nicht. Für die kommenden Tage und Wochen sind weitere Notquartiere in der Kreissporthalle auf dem Nürtinger Säer und in verschiedenen Gewerbe-Immobilien geplant. "Es geht nur noch Seite an Seite mit den Kommunen", stellt der Landrat klar und Kirchheims Rathauschefin Angelika-Matt-Heidecker nickt zustimmend. Die Stadt wird in den kommenden Wochen die Ötlinger Mörikehalle als Ersatzort für den Schulsport zur Verfügung stellen. Auch mit dem Pädagogischen Fachseminar laufen Gespräche. Wie lange dieses Provisorium dauern wird? "Ichwürde es Ihnen gerne sagen", meint Heinz Eininger. "Aber ich kann es nicht."

„Der Landkreis Esslingen richtet heute eine Notunterkunft fuer Fluechtlinge mit 200 bis 300 Plaetzen in der Kreissporthalle Kirc
„Der Landkreis Esslingen richtet heute eine Notunterkunft fuer Fluechtlinge mit 200 bis 300 Plaetzen in der Kreissporthalle Kirchheim ein“, dies teilte Landrat Heinz Eininger heute mit. Die vom Land auferlegte Aufnahmeverpflichtung des Land-kreises fuer den Monat Oktober belaufe sich auf 1.700 Fluecht-linge. „Dafuer reichen die vorhandenen und geplanten Kapazi-taeten in den Gemeinschaftsunterkuenften nicht.“ Deswegen muesse die Kreissporthalle in Kirchheim bereits heute, und da-mit sehr kurzfristig, belegt werden.

Mit der Stadt Kirchheim unter Teck und dem Paedagogischen Fachseminar ist der Landkreis in Gespraechen, um fuer die Be-ruflichen Schulen auch weiterhin ein Sportangebot - wenn auch in reduziertem Umfang - ermoeglichen zu koennen. Der Landrat woertlich: „Ich bitte die Beruflichen Schulen und die Vereine, die unsere Sporthalle nutzen, um Verstaendnis fuer diese unausweichliche Massnahme.“

Fuer die naechsten Wochen bereitet der fuer die Fluechtlingsunter-bringung im Land
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