Kirchheimer Umland

„Er hatte den Fuß immer auf dem Gaspedal“

Feierstunde Nach 32 Jahren endet in Schlierbach eine Ära: Die Gemeinde hat ihren Bürgermeister Paul Schmid in den Ruhestand verabschiedet. Von Volkmar Schreier

Nimmt man die Zahl der Gäste als Maßstab, kann Paul Schmid in den letzten 32 Jahren eigentlich keinen schlechten Job gemacht haben. Bereits im Vorfeld hatten so viele Gäste ihr Kommen angekündigt, dass die Feier aus der kleineren Dorfwiesenhalle in die Sporthalle Bergreute verlegt werden musste.

Kurt Moll überreicht dem scheidenden Bürgermeister Paul Schmid die Ehrenbürger-Urkunde.Fotos: Jean-Luc Jacques
Kurt Moll überreicht dem scheidenden Bürgermeister Paul Schmid die Ehrenbürger-Urkunde.Fotos: Jean-Luc Jacques

„Die Leute werden zurückblicken und sagen: Es waren 32 gute Jahre“, sagte Landrat Edgar Wolff in seiner Rede. Als fachlich versierten und herausragenden Verwaltungsfachmann habe er zunächst als Bürgermeisterkollege, dann als Landrat Paul Schmid über die Jahre zu schätzen gelernt. Dabei habe er sich aber nie in den Mittelpunkt gestellt, sondern immer selbst als Rädchen in einem größeren Getriebe gesehen. „Dabei warst du das Schwungrad deiner Gemeinde“, stellte Edgar Wolff klar.

Viel habe Schmid in seiner Amtszeit bewegt und die Gemeinde zielstrebig weiterentwickelt. „Du hinterlässt deinem Nachfolger ein gut bestelltes Feld und große Fußstapfen“, sagte Wolff. Passend zum letzten Schultag stellte Edgar Wolff dem scheidenden Bürgermeister das Abschlusszeugnis aus. Seine Bewertung: „Eine glatte Eins für herausragende Leistungen. Er wird versetzt in einen neuen, schönen Lebensabschnitt.“ Mit Schmids Abgang ende eine Ära.

Verabschiedung von BM Paul Schmid.Lustige Einlage der Schwäbischen Albvereins mit Beteiligung von Paul Schmid
Verabschiedung von BM Paul Schmid.Lustige Einlage der Schwäbischen Albvereins mit Beteiligung von Paul Schmid

Kurt Moll, Gemeinderat und erster stellvertretender Bürgermeister, blickte auf die vergangenen drei Jahrzehnte zurück. „Mit Paul Schmids Amtsantritt begann 1986 eine 32-jährige Erfolgsgeschichte“, stellte Kurt Moll fest und gab im Schnelldurchlauf einen Überblick über die vielen Projekte und Wegmarken in Schmids Amtszeit. Ortskernsanierung, Bau der Sporthalle, Friedhofserweiterung und Bau der Aussegnungshalle, Ausbau der Bildungslandschaft und vieles mehr: „Er hatte den Fuß immer auf dem Gaspedal“, fasste Moll Schmids Wirken zusammen.

Für Paul Schmid sei das Amt des Bürgermeisters kein Beruf, sondern Berufung gewesen. „Oft habe ich am Abend zwischen neun und zehn noch Licht im Bürgermeisterbüro brennen sehen“, erzählte Moll. Im Namen des Gemeinderats dankte er Paul Schmid „dafür, dass Sie unsere Gemeinde zu dem gemacht haben, was sie heute ist: eine liebens- und lebenswerte Gemeinde“. Ganz besonders dankte er auch Rose Schmid, die als Ehefrau sicher so einiges habe aushalten müssen: „Sie haben ihn immer wieder aufgebaut, wenn er von frustrierenden Gemeinderatssitzungen nach Hause kam.“

Auch die weiteren Redner zollten Paul Schmid Respekt und Hochachtung. Donzdorfs Bürgermeister Martin Stölzle sprach für die Bürgermeister des Landkreises Göppingen und charakterisierte seinen scheidenden Amtskollegen als „Macher und Schaffer, der Aufgaben annimmt und pragmatisch und zielorientiert umsetzt“. Für die Kirchengemeinden im Ort sprach der katholische Pfarrer Franz Keil und dankte Schmid für sein „fruchtbares Sorgen und Tun“ für die Gemeinde. Horst Gasper reihte sich im Namen der Schlierbacher Vereine in die Reihe der Redner ein. Und Schulleiterin Susi Eckle-Schaal bedankte sich für die gute und intensive Zusammenarbeit besonders während der Schulsanierung.

Ab dem 9. September ist Paul Schmid also Bürgermeister a. D. Bereits jetzt aber ist er frischgebackener Ehrenbürger Schlierbachs. Kurt Moll überreichte dem sichtlich bewegten Paul Schmid die Urkunde, die die Ehrenbürgerwürde festschreibt. Der Gemeinderat hat mit seinem einstimmigen Beschluss dazu bei den Schlierbachern ins Schwarze getroffen: Begleitet von Standing Ovations nahm Paul Schmid Urkunde und Ehrenbürgerschaft an.

„Die Menschen bleiben in Erinnerung“

Emotional bewegt und sehr persönlich hat sich Paul Schmid von „seinen“ Schlierbachern als Bürgermeister verabschiedet. „Ich hatte das Glück, in 32 Jahren viel gestalten und anstoßen zu dürfen. Wir hatten aber auch das Glück, dass die Bürger uns das auch machen lassen haben“, blickte der scheidende Schultes auf seine Amtszeit zurück. „Mir bleiben dabei nicht die Projekte in Erinnerung, sondern die vielen Menschen, die mir dabei begegnet sind.“

Einen besonderen Dank richtete Schmid an seine Mitarbeiter im Rathaus. Sicher habe er als Chef seinem Umfeld viel abverlangt, aber: „Ich hatte immer den Eindruck, dass ich voll unterstützt wurde - dafür bin ich sehr dankbar. Ich werde euch sehr vermissen!“

Die Verleihung der Ehrenbürgerwürde hat ihn dann doch „ein Stück weit sprachlos“ gemacht. „Ich kann das heute sicher noch gar nicht angemessen würdigen - das muss sich erst noch setzen.“ Dem Gemeinderat dankte Schmid für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Ohne familiären Rückhalt, da ist sich Paul Schmid ganz sicher, hätte er sich nie so erfolgreich für die Gemeinde einbringen können. „Für die Unterstützung durch meine Frau und meine Familie bin ich unendlich dankbar.“ Die Familie habe über die Jahre oft auf ihn verzichten müssen. Umso mehr freut sich Paul Schmid jetzt auf mehr freie Zeit.

Seinem Nachfolger Sascha Krötz wünscht Schmid „viel Freude am Gestalten und viel Kraft“. Und „seiner“ Gemeinde eine gute Zukunft: „Glück auf für die Gemeinde Schlierbach - es war eine tolle Zeit mit Ihnen!“vs

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