Kirchheimer Umland

Erstklassiges Konzert junger Talente

Nachwuchs stellt sich beim Podium vor – Veranstaltung von Musikschule und vhs-Kulturring

Kirchheim. Seit über 40 Jahren hat sich in Kirchheim ein hochkarätiges Musikereignis etabliert: das Podium, veranstaltet vom Kulturring und der Musikschule Kirchheim, bei dem

Anzeige

sich Kirchheimer Nachwuchsmusiker vorstellen. Am Freitag zeigten fortgeschrittene Musikschüler im Alter zwischen 13 und 20 Jahren in der Stadthalle ihr Können.

Einen gelungenen Auftakt bildete das Kammerorchester unter Leitung von Takashi Otsuka mit zwei Sätzen aus Vivaldis Concerto Nr. 2. Es folgte der Jazz-Evergreen „Take Five“ von Paul Desmond, den Saxofonist Tim Eisele, begleitet von Ella Flemmer, souverän und lässig vortrug.

Nach wenigen Takten versetzte das Klavierstück „Black Earth“ des zeitgenössischen Komponisten Fazıl Say die Zuhörer in die Wüste: Dank einer den Klang verfremdender Spieltechnik meinte man, flirrende Hitze, Staub und das Saiteninstrument Ud zu hören. Im Kontrast dazu stand ein verträumter und emotionaler Mittelteil. Der Pianist Lukas Schilling war dem schwierigen und überraschenden Stück eindeutig gewachsen, er bewies Experimentierfreude und großes musikalisches Feingefühl.

Gleich darauf ging es wieder nach Mitteleuropa mit dem von Lena Friedrich vorgetragenen ersten Satz des Violinkonzerts G-Dur von Haydn, begleitet von Moira Muschalla, der Sonata in F-Dur von Jean-Xavier Lefevre mit Lotta Zeiger an der Klarinette und mit Rossinis „Der Barbier von Sevilla“. Hier brillierte die Sopranistin Sonnhild Beyer, exzellent begleitet von Felix Glang am Flügel, mit der technisch perfekt und zugleich gefühlvoll interpretierten Arie „Una voce poco fà“. Das Publikum war sichtlich beeindruckt, mit welcher Professionalität und Leichtigkeit sie die anspruchsvollen Koloraturen und Tonsprünge meisterte.

Mit derselben Leichtigkeit und virtuoser Fingerfertigkeit entlockte Julian Nürk seiner Gitarre ein filigranes Kunstwerk, das Concerto in D-Dur von Vivaldi. Dabei wurde er vom Streichorchester unter Leitung von Johannes Stortz einfühlsam begleitet.

Nach dem ersten Teil des Programms ging es mit Vivaldi gleich weiter: Die Kammersolisten unter der Leitung von Takashi Otsuka spielten das energische Allegro seines Concerto Nr. 10.

Mit Dvořráks „Sonatine op 100“ für Violine sprang Pia Zehle sauber intoniert ins 19. Jahrhundert (Begleitung Sarah Hauschild), passend dazu schloss sich Melanie Wahl am Flügel mit „Der Winter“ von Tschaikowski an. Das einzige Duett des Abends führten Tabea Wolff und Apinaya Vithyapathy auf; sie spielten schwungvoll den ersten Satz des Konzerts für zwei Flöten in G-Dur von Domenico Cimarosa.

Nachdem Johannes Funk mit Mozarts „Hornkonzert Nr. 1“ (Begleitung Ernst Leuze) zeigte, wie beweglich sein Instrument sein kann, überzeugte die virtuose Pianistin Annika Etzler mit der „Tokkata“ von Jenö Takács. Das moderne, in kreisenden Wirbeln flirrende Stück spielte sie in wahnwitzigem Tempo und mit präziser Sicherheit, breitete Klangflächen aus und setzte perkussive Schlaglichter, so dass das Zuhören eine reine Freude war. Auch Svenja Briem bot mit dem ersten Satz des Violinkonzerts in a-Moll von Bach ein anspruchsvolles Stück mit Leidenschaft dar.

Am Ende wartete das Programm mit einer Besonderheit auf: Bertram Schattel arrangierte die „Folia“ von Corelli neu für Solo-Violine, Gitarre, Streichquartett, Bass, Piano und Drumset. Die Bearbeitung bewahrte die grundlegende Struktur der Variation des Folia-Motivs, rückte aber verschiedene Rhythmisierungen in den Vordergrund. So erzeugte das Projekt-Ensemble (Leitung Agathe Steiff/Bertram Schattel) in wundervollem Zusammenspiel einen fesselnden Drive – ein würdiger Abschluss für ein Konzert mit vielen Höhepunkten.

„Man muss eigentlich alle loben“, wie eine Zuhörerin nach dem hochklassigen Konzert betonte. Zu Recht können die Musiker und ihre Lehrer stolz auf ihre Leistung sein. Angesichts der vielen jungen Talente kann man sich für die kommenden Jahre nur wünschen, dass der Saal künftig voller besetzt sei – wer sich das alljährliche Podium entgehen lässt, ist selbst schuld.