Kirchheimer Umland

„Erziehen bedeutet wertschätzen“

Abschied Nach 38 Jahren als Rektorin an der Dettinger Teckschule übergibt Marita Mayer ihr Amt an Kerstin Schmid. Beim Schulfest wurde ausgiebig gefeiert. Von Lena Bautze

Konfettiregen für die Lehrerin: Die Schüler feiern Marita Mayer.Foto: Markus Brändli
Konfettiregen für die Lehrerin: Die Schüler feiern Marita Mayer. Foto: Markus Brändli

Auf einem Plakat auf der Rückseite der Sporthalle steht in bunter Schrift: „Tschüss Frau Mayer!“ Gegenüber, auf der Empore, die extra mit einem roten Teppich ausgelegt wurde, sitzt die Schulleiterin der Teckschule auf einem goldenen Thron mit rotem Samtbezug. Sie staunt nicht schlecht, als sie sieht, wer sich alles ihr zuliebe hier versammelt hat.

Nach 38 Jahren als Schulleiterin gibt sie das Zepter und den Thron an die neue Rektorin Kerstin Schmid ab und geht mit einem guten Gewissen in den Ruhestand. „Es ist ein beruhigendes Gefühl, zu wissen, dass die Schule so weitergeführt wird wie zuvor“, sagt Marita Mayer.

Zahlreiche Gäste waren eingeladen, um ihren Abschied und zeitgleich das Schulfest der Teckschule zu feiern. „Wir haben versucht, alle 6 200 Dettinger hier hereinzubringen, aber das hat nicht geklappt“, meint Bürgermeister Rainer Haußmann. Es ist also sehr voll in der Sporthalle. „Achtung, Achtung, eine Durchsage“, beginnt der Dettinger Bürgermeister seine Laudatio: „Wo sind die Eltern, die schon bei Frau Mayer zur Schule gingen?“ Einige Hände gehen in die Höhe. „Sie dürfen stolz auf sich sein!“, wendet sich Rainer Haußmann an die scheidende Rektorin: „Ich war immer sehr gerne mit Ihnen in Kontakt, denn Sie haben kritisch, konstruktiv und deutlich gesagt, was Ihre Schule braucht.“

Wie ein Pinguin in seinem Element Wasser beschreibt Kai Katuric vom Dettinger Schulrat die 66-Jährige. „Die Schule war Ihr Element und das Wohl der Schüler stand immer an erster Stelle.“ Auch die Schüler bedanken sich bei ihrer Lehrerin mit kleinen musikalischen Ständchen. „Danke, Danke. Leb‘ wohl. Genieß die Zeit, auf Wiedersehen“, singen die Kinder aus unterschiedlichen Klassen zwischen den Reden.

Eine ganz besondere Danksagung kommt von Yvonne Spitzenberger: „Sie haben die Regelschule in eine Ganztagsschule umgestaltet.“ Und das kommt nicht nur bei den Kinder gut an, sondern auch bei deren Eltern. Stellvertretend für alle Eltern und Schüler hat die Elternbeiratsvorsitzende Ulrike Schweitzer schöne und witzige Zitate von Schülern gesammelt: „Erst mal soll ich sie von allen 232 Schülern grüßen, und nachdem ich die Kinder gefragt hatte, was ihnen zu Frau Mayer einfällt, bekam ich unter anderem diese Antwort: Die Frau Mayer war immer fair. Ich glaub sie kann ganz gut englisch. Die ist eine nette.“

Die Moderatorin Kerstin Schmid hat sich etwas ganz Besonderes zum Schluss ausgedacht. Ein Zeitstrahl an der Rückwand der Sporthalle listet die wichtigsten Lebensabschnitte von Marita Mayer auf. Der Clou dabei ist, dass sich an jeder Station die Menschen versammelt haben, die zu dieser Zeit besonders wichtig gewesen sind.

Angefangen hat es mit der damaligen ersten Klasse von der Rektorin. Nun war es nicht einfach, die ehemaligen Fünftklässler aufzutreiben. Doch zwei Menschen haben sich an den Zeitstrahl platziert. Die Freude in Marita Mayers Gesicht ist riesengroß, als sie ihre damaligen Schützlinge sieht. Andere ehemalige Schüler, Kollegen, Rektoren und viele berufliche Wegbegleiter mehr versammelten sich am Zeitstrahl, sodass schließlich eine meterlange Kette entsteht.

Einen unterhaltsamen Tanz führen die Erst- und Zweitklässler auf zum Lied „Daylight“ von den „No Angels“. Die rund 40 noch sehr kleinen Schulkinder tanzen in einer perfekten Choreografie das ganze Lied über.

Die letzte Rede kommt von Marita Mayer selbst, die erst mal nicht viel sagen kann. „Auf dem Thron zu sitzen und solch eine Würdigung zu spüren, macht mich sprachlos“, bekennt sie gerührt. „Frau Schmid hat das hier mit so viel Herzblut organisiert, und ich bin froh, sie als meine Nachfolgerin zu haben. Damals Lehrerin zu werden, war eine Bauchentscheidung. Aufzuhören eine Kopfentscheidung.“ Nach dem Motto „Erziehen heißt wertschätzen und ernst nehmen“ hat sie nun mehr als vier Jahrzehnte unterrichtet. Die 66-Jährige freut sich aber auch auf ihren Ruhestand: „Jetzt kann ich endlich Zeitung lesen ohne den Blick auf die Uhr.“

Sie wollte damals Lehrerin werden, weil sie sah, wie Kinder unter ihren Lehrern gelitten haben. Das wollte sie besser machen. Dass ihr das gelungen ist, zeigt sich daran, dass ihre Schüler bei diesen Worten immer noch gespannt auf ihre Lehrerin schauen. Jedoch will Marita Mayer die Mädchen und Jungen und ihre anderen Gäste nicht allzu lang warten lassen. Nach der Verabschiedung geht es nahtlos ins Schulfest über, wo für Klein und Groß viel geboten ist.

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