Kirchheimer Umland

Es funktioniert nicht ohne Handel

Kirchheimer Organisationen planen eine gemeinsame Werbeaktion für das Einkaufen in der Stadt

Kirchheim ist eine attraktive Einkaufsstadt, und das soll auch so bleiben. Deshalb haben sich fünf Organisationen zusammengeschlossen, um mit einer großen Werbeaktion auf die Vorteile aufmerksam zu machen, die Kirchheim als Einkaufsstadt zu bieten hat. Werbeträger sind die Besucher der Stadt, „Leute wie du und ich“.

Ab Donnerstag, 24. September, wird das zum gewohnten Bild in Kirchheim: Torsten Wenzler (ganz links) ist mit der Mulitmedia-Grup
Ab Donnerstag, 24. September, wird das zum gewohnten Bild in Kirchheim: Torsten Wenzler (ganz links) ist mit der Mulitmedia-Gruppe des Pädagogischen Fachseminars in der Stadt unterwegs, um Fotos für die Aktion „Ich kaufe gerne in Kirchheim“ zu machen. Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Vorbild der neuen Werbeaktion sind die Fotos von 1 050 ehrenamtlich Engagierten, die sich zur 1050-Jahr-Feier der Stadt Kirchheim vor fünf Jahren hatten fotografieren lassen. An diese Aktion soll nun angeknüpft werden. Es ist zwar nicht wirklich an tausend oder gar mehr Leute gedacht, die sich öffentlichkeitswirksam für die Einkaufstadt Kirchheim stark machen sollen, aber mindestens 300 Menschen sollten es schon sein.

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Wer mitmachen will, dürfte ab Donnerstag, 24. September, irgendwo in Kirchheims Innenstadt auf Torsten Wenzler und sein Team treffen. Torsten Wenzler leitet die Multimedia-Gruppe am Pädagogischen Fachseminar. Gemeinsam mit seinen Kursteilnehmern geht er auf die Leute zu, erklärt ihnen, worum es geht und legt ihnen – sofern sie gerne mitmachen möchten – auch eine Einverständniserklärung zur Unterschrift vor. „Das ist eine rechtliche Sache, das müssen wir machen“, erklärt er im Vorfeld. Wir brauchen das Einverständnis, dass wir das Bild für diese Aktion verwenden dürfen.“

Was passiert mit dem Bild? Unmittelbar nach der Aufnahme gibt es bereits die Möglichkeit, das Porträt auf dem Bildschirm zu betrachten. Schließlich sollen die Werbeträger für Kirchheim sympathisch „rüberkommen“, und dafür ist es besonders wichtig, dass sie sich auch selbst gefallen. Vom Seminar werden die Fotos an die Firma GO Druck Media weitergeleitet, die angeboten hat, große Plakate zu drucken, ohne die Kosten dafür in Rechnung zu stellen. Die Plakate wiederum werden mit einem Spruch versehen, der folgenden Satzbeginn vervollständigt: „Ich kaufe gerne in Kirchheim, weil ...“ Wer mitmacht, kann sich entweder selbst eine Ergänzung ausdenken oder aus einer Vorschlagsliste etwas aussuchen, was passend erscheint.

Zu sehen sind die Bilder ab Ende Oktober in Kirchheimer Schaufenstern, rechtzeitig vor dem verkaufsoffenem Sonntag zum Gallusmarkt am 1. November. Ausgestellt bleiben sie bis zum Beginn der verlängerten Einkaufssamstage an den Adventswochenenden. Wenn sie abgehängt werden, kann sich jeder „sein“ Plakat abholen und mit nach Hause nehmen. Bei Photo Schneider in der Marktstraße gibt es noch ein zusätzliches Angebot: Die Bilder kann man ab 29. Oktober auf Fotopapier ausgedruckt erhalten und gleich kostenlos mitnehmen. Auch sonst winken attraktive Preise, die unter den Teilnehmern verlost werden: Hauptpreis ist ein City-Ring-Einkaufsgutschein in Höhe von 300 Euro. Die Stadt Kirchheim steuert einen Rundflug auf der Hahnweide bei sowie Dauerkarten für die nächste Freibadsaison.

Karl-Michael Bantlin sagt, was die Händlergemeinschaft City Ring mit der Aktion erreichen möchte: „Wir haben ein schönes Städtle und wollen das auch so erhalten. Dazu brauchen wir unsere Bürgerinnen und Bürger.“ Auch der Bund der Selbstständigen (BDS) sieht eine attraktive Innenstadt als entscheidenden Standortfaktor. „Das gilt für alle Unternehmen, nicht nur für die Einzelhändler, und deshalb ist es klar, dass sich der BDS hier beteiligt“, stellt Bettina Schmauder fest. Für Mirjam Pasquini vom Gewerbeverein Next Generation geht es darum, dass sich die Kirchheimer zu Kirchheim bekennen, dass aber auch Werbung weit über die Grenzen hi­naus gemacht wird: „Kirchheim zieht auch Leute von außen an. Wir haben viele Gäste, die aus Stuttgart nach Kirchheim kommen.“

Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker sagt stellvertretend für die Stadt Kirchheim, die bei der Werbeaktion ebenfalls mit im Boot ist: „Eine Stadt funktioniert nicht ohne Handel.“ Neue Konsumtempel in Stuttgart oder Erweiterungen der Outlet-Zentren in Metzingen würden sich auch auf Kirchheim auswirken. Und dem gälte es entgegenzutreten: „Nicht nur die Gebäude gehören zu einer schönen Innenstadt. Wir brauchen auch die Menschen, die in der Stadt unterwegs sind.“

Läden sind ein Stück KulturKommentar

Die digitale Revolution verändert fast alles, was jahrhundertelang gültig zu sein schien. Sie verändert auch das Einkaufsverhalten – in weitaus stärkerem Maß als alle Versandhäuser mit ihren einst tausend Seiten starken Katalogen. Das Prinzip ist immer noch dasselbe wie beim Versandhauskatalog, aber es geht eben viel schneller und einfacher: Produktbeschreibung samt Empfehlungen von Kunden lassen sich überall im Internet finden. Ein paar Klicks weiter, und schon hat man sich Schuhe, Hosen, eine warme Jacke für den kommenden Winter oder was auch immer bestellt.

Und wenn man das Produkt vor der Bestellung einmal in die Hand nehmen will – ja, dann gibt es ja bestimmt in der Stadt einen Laden, in dem es vorrätig ist. Gekauft wird aber trotzdem im Internet, weil es bequem er ist, und dazu noch ein paar Cent billiger. So oder so ähnlich denken immer mehr Kunden. Und aus ihrer persönlichen Sicht heraus mögen sie sogar recht haben.

Aber: Eine attraktive und belebte Innenstadt besteht tatsächlich aus mehr als Wohn- oder Bürogebäuden. Dazu gehören Wirtschaften, Cafés – und Läden. Und diese Läden müssen überleben können. Das geht nur durch entsprechenden Umsatz. Das vielbeklagte Ladensterben hat immer mehrere Ursachen. Natürlich gehören hohe Mieten dazu, ungeklärte Nachfolgefragen oder auch unattraktive Arbeitszeiten im Vergleich zu anderen Branchen. Aber es gehört auch die ausbleibende Kundschaft dazu – nicht zuletzt die Kundschaft, die ausbleibt, weil sie wegen ein paar Cent oder Euro und wegen der Lieferung frei Haus lieber digital einkauft.

Das Shoppen im Internet wird sich nicht mehr aus der Welt schaffen lassen. Es wird auch eher zu- als abnehmen. Aber jeder Kunde sollte sich bewusst machen, dass er mit einem Einkauf im Laden auch ein Stück Kultur vor Ort erhält.ANDREAS VOLZ