Kirchheimer Umland

Espresso-Mobil für Flüchtlinge

Niederschwelliges Angebot des Kreisdiakonieverbandes im Landkreis Esslingen

Neue Wege beschreitet der Kreisdiakonieverband im Landkreis Esslingen in der Flüchtlingsarbeit: Mit einem Café-Tee-Mobil sollen Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten und Einheimische in entspannter ­Atmosphäre zusammen­gebracht werden.

Vertreter des Kreisdiakonieverbands (KDV) und Sponsoren gönnten sich gestern bereits einen Schluck Kaffee aus der Espressomaschi
Vertreter des Kreisdiakonieverbands (KDV) und Sponsoren gönnten sich gestern bereits einen Schluck Kaffee aus der Espressomaschine des KDV-Piaggio. Das Café-Tee-Mobil tourt für Flüchtlinge durch den Landkreis. Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Nach drei Fehlzündungen knattert der Piaggio aus der Garage auf dem Parkplatz des Kirchheimer „Eckpunkt“. Vertreter des Kreisdiakonieverbands (KDV) und Sponsoren nahmen gestern das Café-Tee-Mobil des KDV in Empfang, das von nun an durch den Landkreis touren wird. Begossen wurde die „Taufe“ wahlweise mit einem Espresso, einer Tasse Kaffee oder einem Cappuccino.

Anders als die Jungfernfahrt hatte das Projekt selbst keinerlei Startschwierigkeiten. Mit seinem Ansinnen, Sponsoren für das Café-Tee-Mobil an Land zu ziehen, rannte der Geschäftsführer des KDV, Eberhard Haußmann, offene Türen ein: Neben dem Diakonie-Spendenfonds unterstützten die Stiftung der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, die Rotary Clubs Kirchheim-Nürtingen und Nürtingen-Kirchheim, die Firmen Hagebau Gebrüder Ott Baustoffe, Gebrüder Ott Betonwerke und Möbel König das Vorhaben.

„Wir bringen Menschen zusammen“, so lautet der Slogan auf dem mit sonnigem Gelb, den Farben der fünf Kontinente und tanzenden Kaffeebohnen verzierten Fahrzeug, das Ausdruck einer Willkommenskultur ist. „Wir engagieren uns als Kirche und Diakonieverband in Wort und Tat für Flüchtlinge“, sagt Dekan Bernd Weißenborn, Vorsitzender des KDV. Schon jetzt werde mit Unterkünften, Arbeitsgelegenheiten und in der Beratung etwas getan. Mit dem Café-Tee-Mobil soll ein weiteres Zeichen gesetzt werden. In die Flüchtlingsunterkünfte zu gehen, zuzuhören und die Menschen zusammenzubringen, das alles möchte der Dekan als Signal verstanden wissen. Station machen könnte das rollende Café unter anderem bei Stadtfesten oder zur Marktzeit beispielsweise in Kirchheim oder Esslingen. Aufgeklappt offenbart es als Herzstück eine stattliche Espressomaschine. Kühlschrank, Spülmaschine und ein 100  Liter fassender Wassertank komplettieren das Inventar.

Wie Eberhard Haußmann erklärt, ist auch der umgekehrte Weg angedacht: So könnten einzelne Flüchtlinge beispielsweise zu Kindergärten oder Schulen mitgenommen werden, um dort aus ihrer Heimat zu berichten. Neben Tee und Kaffee hat der Piaggio deshalb auch Safttüten im Gepäck. Anfragen aus Flüchtlingsunterkünften beispielsweise aus Kirchheim und Leinfelden-Echterdingen gibt es bereits. Im Herbst ist das Fahrzeug schon relativ gut gebucht. „Wir werden Themen finden. Vieles ist noch roh, aber der Teig gärt“, so beschreibt Haußmann den Stand des Projektes.

Dass der Piaggio die Chance in sich birgt, ein niederschwelliges Angebot zu machen, hebt die Koordinatorin für Flüchtlingsarbeit im KDV, Veronika Schlechter, hervor. Denn während ein zentral eingerichtetes Café aufgrund weiter Wege Akzeptanzprobleme hat, geht sie davon aus, dass das dreirädrige Gefährt vor Ort jeweils auf großes Interesse stößt. „Es kann als Bindeglied zwischen Flüchtlingen und Bürgern fungieren.“ Angedacht ist, Referenten zu Themen einzuladen, die Flüchtlinge interessieren. „Wie funktioniert das deutsche Wahlsystem“, sei beispielsweise eine solche Frage. Auch könnten Infotafeln einer Ausstellung zum Thema Flucht mitgenommen werden. Einbinden ließen sich aber auch Flüchtlingsfrauen, die einen Catering-Service aufgebaut haben.

Einhellig begrüßen die Vertreter der Sponsoren das Projekt. Jochen Nägele, Past-Präsident des Rotary-Clubs Nürtingen-Kirchheim, lobt die sehr guten Ideen. Peter Heckl, stellvertretendes Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen, hebt positiv hervor, dass Menschen auch über Grenzen hinweg zusammengebracht werden sollen.

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