Kirchheimer Umland

Familie und Arbeit unter einem Hut

Die Stiftung Tragwerk beginnt im November ein Pilot-Projekt für Eltern, Pflegende und Arbeitgeber

Im Informations-Dschungel ist es nicht leicht, den richtigen Ansprechpartner für Familienangelegenheiten zu finden. Um das Chaos etwas zu lichten, bieten Susanne Hummel und Nina Fischer von der Stiftung Tragwerk eine einmalige Anlaufstelle für Arbeitnehmer und Arbeitgeber mit Fragen oder Ängsten an.

Kennen sich aus im Info-Dschungel: Susanne Hummel (links) und Nina Fischer .Foto: Jean-Luc Jacques
Kennen sich aus im Info-Dschungel: Susanne Hummel (links) und Nina Fischer .Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. „Ich hätte damals selbst fast aufgegeben“, erinnert sich Susanne Hummel an ihre Schwangerschaft. Die richtigen Infos zu Elternzeit und Arbeitsmodellen im Internet zusammenzusammeln, dauert Stunden – Zeit, die sie als Vollzeitbeschäftigte einfach nicht hatte. Nina Fischer weiß, wovon ihre Kollegin spricht: „Bis man dann zu Hause ist, haben die ganzen Behörden sowieso schon zu“, sagt sie.

Es geht um besondere Familiensituationen: Wenn eine Frau ein Kind erwartet oder ein kranker Angehöriger zu Hause Hilfe braucht, stehen eine Menge Fragen im Raum – oft auch verbunden mit Ängsten wegen des eigenen Jobs. Pflegezeit und Elternsein mit der Arbeitsstelle zu verbinden, sei selten leicht, wissen die beiden Kolleginnen. „Service für Familie und Arbeitswelt“ leistet Hilfestellung.

Per Mail oder Telefon stehen Susanne Hummel und Nina Fischer künftig allen Hilfe suchenden, verzweifelten oder interessierten Arbeitnehmern, aber auch Arbeitgebern für Fragen zur Verfügung. Zur Hand haben sie gesammelte Informationen, erklärende Dokumente, aber vor allem Telefonnummern und Internetseiten zu den richtigen Ansprechpartnern und Zuständigen. „Unsere Rolle ist eher koordinierend“, erklärt Susanne Hummel. Anderen Beratungsstellen wolle man nicht das Wasser abgraben. Es geht darum, Orientierung zu verschaffen. Und manchmal auch mit eigener Erfahrung zu punkten.

„Der Worst Case wäre, dass jemand den Job aufgibt, weil er Familie und Arbeit nicht unter einen Hut kriegt“, erklärt die Verwaltungsleiterin der Stiftung Tragwerk Andrea Dreizler. Oft sei es deshalb wichtig, das Gespräch zwischen Arbeitgeber und -nehmer herbeizuführen. Neulich habe zum Beispiel die Chefin eines Unternehmens angerufen, weil es ein Problem mit einer Mitarbeiterin gab. Sie brauchte Rat und Lösungswege. „Das ist ein gutes Zeichen“, findet Weizler: „Die Firma wollte die Mitarbeiterin unbedingt bei sich behalten.“ Durch ein Gespräch konnten sie die Angelegenheit klären und eine passende Lösung für beide Seiten finden.

In der Stiftung Tragwerk kennt man das Problem sehr gut. In den Einrichtungen, sei es die Kita oder in der Pflege, arbeiten viele junge Mütter. Die Stiftung hat das Prädikat „Familienbewusstes Unternehmen“. Sie unterstützt Mitarbeiter zum Beispiel in der Elternzeit, vergibt die Plätze in der eigenen Topkids-Kindertagesstätte bevorzugt an die eigenen Leute. Mit „Service für Familie und Arbeitswelt“ unterstützen sie ab dem ersten November auch andere Arbeitgeber bei diesem Schritt. „Die Servicestelle kann da natürlich auf unser gesammeltes Know-how zurückgreifen“, erklärt Dreizler.

In dieser Form ist das Projekt nicht nur im Landkreis Esslingen, sondern diakonieweit einzigartig. „Die haben da ein Auge auf uns“, sagt Verwaltungsleiterin Dreizler. „Wenn man erkennt, dass es funktioniert, wird das Angebot ausgebaut.“

Unter der E-Mail-Adresse familie.arbeitswelt@stiftung-tragwerk.de können ab Sonntag, 1. November, Fragen zum Thema Familie und Arbeitswelt gestellt werden. Der Dienst ist auch telefonisch erreichbar. Allerdings sollten sich Anrufer nicht vor dem Anrufbeantworter scheuen: Weil Susanne Hummel (01 72/6 33 40 46) und Nina Fischer (01 72/6 30 70 90) nur einige Stunden die Woche arbeiten, rufen sie nach Anfragen zurück, sobald sie Zeit haben. Weitere Infos gibt es im Internet auf www.stiftung-tragwerk.de unter „Projekte“.

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