Weilheim · Lenningen · Umland
Farbrausch der Geschichte

Denkmal Im Renaissance-Rittersaal des Köngener Schlosses feiern Paare Hochzeiten. Der repräsentative Raum aus dem 16. Jahrhundert ist ein Herzstück des Gemeindelebens. Die Sanierung war ein Kraftakt. Von Elisabeth Maier

Vorsichtig streicht der Restaurator Hans Cabanis über das Wandgemälde im Rittersaal des Köngener Schlosses. Das Bildnis von Romulus und Remus, die der Sage nach als Gründer Roms galten, ist an vielen Stellen vom Putz verdeckt oder verblichen. „Wir durften die weißen Flächen nicht rekonstruieren“, sagt der Restaurator, der die Bilder mit seiner Frau Anette überarbeitet hat. Farbige Konturen haben die beiden mit feinem Pinselstrich erneuert. Der Denkmalschutz mache da jedoch sehr strenge Auflagen. Da erinnert sich Cabanis an so manche heftige Diskussion. Heute wird der Saal für kulturelle Veranstaltungen ebenso genutzt wie für private Hochzeiten.

Historisches Kleinod

Mit einer Küche und einem Foyer ist der Saal bestens für solche Events ausgestattet. Bis zur Einweihung des sanierten Schlosses im Jahr 2007 hat das Ehepaar Cabanis an den wertvollen Bildern gearbeitet. Dass der repräsentative Raum zum Herzstück des Gemeindelebens geworden ist, das macht die beiden stolz. „Der Rittersaal aus dem Jahr 1539 ist ein historisches Kleinod“, schwärmt Detlef Rothfuss vom Geschichts- und Kulturverein. Dass die wertvolle Bausubstanz des Renaissanceschlosses erhalten werden konnte, freut den Köngener.

 

Diesen Schatz für künftige Generationen zu bewahren, war unser großes Ziel.
Hans Weil
Altbürgermeister Köngens

 

Das Denkmal zu erhalten war für die Kommune nicht leicht. „Das war ein Kraftakt“, blickt Köngens Altbürgermeister Hans Weil zurück. Dennoch hat der engagierte Denkmalschützer auch Kritiker überzeugt. Da Weil nach der Sanierung mit der Unternehmensberatung Staufen einen finanzkräftigen Mieter gefunden hat, rechnet sich der Erhalt des historischen Gebäudes. Dennoch war es Weil wichtig, dass die zentralen Räume auch für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben. Gerade der Rittersaal ist auf Jahre hin bestens gebucht. Dort zeigt sich die historische Bedeutung des Köngener Schlosses besonders schön. Mit seiner aufwendigen Ausstattung gehört der Raum zu den herausragenden Kulturdenkmalen in Baden-Württemberg. „Diesen Schatz für künftige Generationen zu bewahren war unser großes Ziel“, sagt der Altbürgermeister. Nach dem Zweiten Weltkrieg sei das Schloss immer mehr verfallen. Der Saal mit den wertvollen Wandmalereien wurde sogar als Sporthalle genutzt. „Auf dem Boden sind noch die Markierungen für Ballspiele zu sehen“, sagt Hans Cabanis und deutet auf einen verblichenen Halbkreis im Holz. Die Malereien freizulegen war für ihn und seine Frau eine der ganz besonderen Herausforderungen im Berufsleben.

Geschichte wird lebendig

Beim Rundgang durch den Saal mit den Wand- und Holztafelbildern wird Geschichte lebendig. „Mit den Kaiserbildern an den Wänden drückten die Herren von Schloss Köngen nicht nur ihre Kaisertreue aus“, schreibt Anja Krämer in einem Aufsatz über den Saal, der in der Schriftenreihe „Kulturdenkmale in Baden-Württemberg“ erschienen ist. Die Herren von Thumb und Neuburg hätten damit auch ihr Standesbewusstsein als Reichsritter manifestiert. Beim Blick in den großen Saal, der gerade für klassische Konzerte eine wunderbare Akustik hat, fällt das Bildnis von Sultan Süleyman, dem Prächtigen, ins Auge. Er regierte von 1520 bis 1566 als zehnter Sultan des Osmanischen Reiches. Er trägt einen Turban und einen Kaftan, ist mit dem ganzen Körper abgebildet. Die Kaiserbilder an der Wand daneben sind Kopfbilder – aneinandergereiht wie in einer Ahnengalerie. Weshalb ist in dem schwäbischen Schloss ein osmanischer Herrscher abgebildet? „Das hat vermutlich mit Süleymans Eroberungspolitik zu tun“, sagt Detlef Rothfuss. „Vielleicht war da einfach die Angst, dass seine Truppen auch in Köngen einmarschieren.“ Genau könne man das aber nicht sagen. Anja Krämer sieht die Darstellung Süleymans als Hinweis auf die wichtige Rolle, die den Reichsrittern im 16. Jahrhundert bei der Bekämpfung der Türken zufiel. Die Darstellung könne man aber auch als Mode der damaligen Zeit werten, schreibt die Kunsthistorikerin in ihrem Text, der die Baugeschichte und den historischen Kontext griffig und sehr fundiert darstellt.

Die Bildnisse der Kaiser lassen sich auf das Jahr 1596 datieren. Unter den Herrschern ist Friedrich I. Barbarossa (1122 bis 1190 nach Christus) ebenso zu finden wie Karl der Große (747 bis 814 ). Auch ein Bildnis des römischen Kaisers Julius Caesar gibt es. „Die Motive zu entschlüsseln und zu interpretieren“, das macht Anette Cabanis Freude. Interessant findet sie ein Bildnis der Massageten-Königin Tamiris, die gegen den Perserkönig Kyros II. kämpfte – in der Darstellung hält sie dessen abgeschlagenen Kopf in der Hand. Stolz ist Altbürgermeister Weil auf eine Inschrift, die er nachträglich anbringen ließ – das lateinische Zitat des Köngener Pfarrers und Naturbeobachters Daniel Pfisterer (1651 bis 1728): „Dieses Haus wird solange stehen, wie die Ambis die Ameise die Fluten des Ozeans leertrinkt und die Schildkröte den Erdkreis umwandert.“

 

Feiern und arbeiten im Schloss

Nutzung Die Unternehmensberatung Staufen hat die repräsentativen Räume des Köngener Schlosses gemietet. Dennoch hat die Gemeinde Wert darauf gelegt, dass die Räume wie der Rittersaal, der Schlosskeller und die Schlosskapelle auch für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben.

Miete Für private Feiern können zum Beispiel Hochzeitspaare oder Jubilare den Rittersaal mieten. Die Miete kostet für Köngener 600 Euro; Auswärtige zahlen 700 Euro – dazu kommen Kosten für den Hausmeister (70 Euro) und für die Veranstaltungshaftpflicht (60 Euro). Auch die Schlosskapelle und der -keller werden vermietet. Weitere Informationen und freie Termine sind auf der Homepage der Gemeinde zu finden unter www.koengen.de eli