Kirchheimer Umland

Feuerwehr rückt an den Bahnhof ran

Haushaltsberatung Der Dettinger Gemeinderat wartet mit zahlreichen Anträgen auf. Bei den Themen Wasser und Wehr gibt es bei einer Fraktion konträre Meinungen zur Verwaltung. Von Iris Häfner

Am Dettinger Bahnhof könnte bis in einigen Jahren das neue Feuerwehrmagazin stehen. Foto: Carsten Riedl
Am Dettinger Bahnhof könnte bis in einigen Jahren das neue Feuerwehrmagazin stehen. Foto: Carsten Riedl

Das große Thema bei der Beratung des Dettinger Haushaltsplans 2017 war die Feuerwehr. Doch auch der Komplex Bildung mit Schulen und Kindergärten, E-Ladestationen oder Buswartehäuschen wurden von allen vier Fraktionen angesprochen. Dem Hallenbad, eine weitere wichtige Aufgabe in den kommenden Jahren, war ein gesonderter Tagesordnungspunkt gewidmet, stand bei allen aber unter dem Tenor: Das Bad gemeinsam mit Kirchheim betreiben.

Bevor der Gemeinderat eine ganze Reihe von Anträgen abzuarbeiten hatte, gab jede Fraktion ihr Statement ab, das mal mehr, mal weniger umfangreich ausfiel. Den Reigen eröffnete Andreas Hummel von CDU/FWV. Damit neue Projekte vorgezogen und finanziert werden können, bleibt aus seiner Sicht nur die Möglichkeit, ein neues Baugebiet umzusetzen, doch auch diese Einnahmequelle werde in einigen Jahren für immer versiegen. Dr. Werner Hack ergriff für die FWG das Wort. Die geplanten Investitionen sind seiner Meinung nach nur mit Krediten in Höhe von 3,7 Millionen Euro bis 2020 zu finanzieren. Die Pro-Kopf-Verschuldung würde dann um das 3,3fache auf 685 Euro steigen.

„Die Gemeinschaft – also alle Menschen, die in Dettingen leben – hat uns den Auftrag gegeben, mit den Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, gut zu haushalten“, erklärte Timo Hertl von der SPD. Und von Anspruch und Wirklichkeit sprach Edith König für die Dettinger Bürgerliste (DB). „Wie jede Privatperson oder jede Familie auch, muss die Gemeinde jedes Jahr aufs Neue prüfen, was sie sich leisten kann“, sagte sie.

Während einige Anträge der Fraktionen relativ schnell entschieden wurden – etwa die Streichung für Mobiliar im Rathaus oder die Errichtung von Buswartehäusern im Ort – ergaben sich bei einer Reihe anderer Kontroversen. So etwa beim Wunsch der FWG, für die Sanierung der Wasserversorgung analog wie beim Abwasser eine Prioritätenliste zu erarbeiten und die Bosslerstraße zurückzustellen. Bei der Wasserversorgung geht die Gemeinde nach Ansicht von Hack ad hoc vor. „Ich fühle mich konzeptionell unterwegs“, entgegnete Bürgermeister Rainer Haußmann. Dringende Dinge müssten angegangen werden. „Rohrbrüche hängen oft nicht mit dem Alter zusammen“, weiß Kämmerer Jörg Neubauer aus Erfahrung. Weil die Bosslerstraße wegen der vielen Rohrbrüche wie ein Flickenteppich aussieht und ein Ringschluss die Versorgungssicherheit erhöht, soll sie saniert werden. Mit großer Mehrheit schloss sich das Gremium der Ansicht der Verwaltung an. Auch den Antrag, eine generelle Konzeption ähnlich der Eigenkontrollverordnung zu erstellen, fand keine Zustimmung. Um Alter und Zustand des Rohrmaterials sowie die Bodenart zu analysieren, wäre ein Gutachten nötig, das 30 000 bis 40 000 Euro kosten würde.

„Und täglich grüßt das Murmeltier – der Karren ist verfault und verrostet und der TÜV im Herbst abgelaufen“, kommentierte Rainer Haußmann den FWG-Antrag, den Kauf eines Sprinters für den Bauhof zurückzustellen, und erinnerte an das von der Arbeitsgruppe Bauhof erstellte Konzept. Der Antrag wurde zurückgezogen.

Es folgte der mit gewissen Emotionen behaftete Themenkomplex Feuerwehr. Zum einen braucht die Wehr ein neues Fahrzeug und zum anderen ein zeitgemäßes Magazin, denn das alte entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen. Die Knackpunkte: Der Wunsch der Wehr ist ein Allrad-Fahrzeug, doch das passt in der Höhe nicht ins bestehende Magazin. Dann steht noch die Frage im Raum, wie das künftige Gebäude aussehen und vor allem, wo es stehen soll. Über das Wo gibt es nun möglicherweise mehr Klarheit, denn mehrfach war vom Standort beim Bahnhof die Rede. Einig waren sich alle Fraktionen darin, dass es beim Magazin wegen der Finanzierung nur eine mittelfristige Lösung geben kann.

Die FWG stellte den Antrag, einen Bebauungsplan für den Standort Bahnhofsplatz aufzustellen. „Wir wollen damit ein Signal setzen für den künftigen Standort“, begründete Hack. Dem widersprach der Bürgermeister heftig. „Es wäre absurd, jetzt einen solchen Plan aufzustellen. Das haben wir noch nie gemacht.“ Dieses Vorgehen macht für ihn erst Sinn, wenn Standort, Raumprogramm beziehungsweise Aussehen des Gebäudes und Finanzen klar definiert sind. „Sonst haben wir doppelte Arbeit und die kostet auch Geld“, so Haußmann. Mit vier Ja- und neun Nein-Stimmen samt einer Enthaltung schloss sich die Mehrheit des Gemeinderats der Meinung von Rainer Haußmann an. Zehn Ja- und zwei Nein-Stimmen sowie zwei Enthaltungen gab es für den weiteren FWG-Antrag, Grundstücksverhandlungen am Bahnhof aufzunehmen.

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