Kirchheimer Umland

Frischwasserkur fürs Hallenbad

Revision Jedes Jahr ist das Dettinger Schwimmbad drei Wochen lang vor Weihnachten geschlossen. Das Becken wird abgelassen und die Techniker kümmern sich um die Anlagen. Von Iris Häfner

Karl und Tobias Kemmler haben im Dettinger Hallenbad gemeinsam alles im Griff. Fotos: Carsten Riedl
Karl und Tobias Kemmler haben im Dettinger Hallenbad gemeinsam alles im Griff. Fotos: Carsten Riedl

Stille. Kein Geplansche, kein Kinderlachen, keine Menschen, die frühmorgens ihre Bahnen schwimmen, nichts. Wirklich nichts? Von wegen! Drei Damen in Gummistiefeln stehen an den großen Fenstern und gönnen sich ihr wohlverdientes zweites Frühstück. Wenig später schon stehen sie wieder im abgelassenen Becken des Dettinger Hallenbads und schrubben die Wände. Denn alle Jahre wieder heißt es in den drei Wochen vor Weihnachten: „The same procedure as every year“. Dann ist das Schwimmbad zum Leidwesen vieler Wasserratten wegen Revisionsarbeiten zu – um danach wieder runderneuert zu punkten.

„Wir tauschen jedes Jahr komplett das Wasser aus. Deshalb ist die Qualität klasse“, sagt Jochen Sokolowski, Leiter Technischer Bereich im Dettinger Rathaus, selbstbewusst und ergänzt: „Im laufenden Betrieb muss man 30 Liter pro Schwimmer dazurechnen.“ All dieser Einsatz hat seinen Preis. Im Durchschnitt zahlt die Gemeinde Dettingen zwischen 150 000 und 200 000 Euro pro Jahr drauf, das entspricht einer Kostendeckung von 60 bis 70 Prozent.

„Wir kontrollieren jedes Fliesenblättle“, sagt Karl Kemmler mit seinem verschmitzten Lachen. Nach seiner Tätigkeit gefragt, schaut sich die Runde der Mitverantwortlichen – bestehend aus Jochen Sokolowski, Jörg Neubauer, Leiter der Haupt- und Finanzverwaltung, Gunter Spranz vom gleichnamigen Ingenieurbüro sowie Sohn Tobias Kemmler, technischer Betriebsleiter – fragend an und kommt zum Schluss: Seniormanager. Irgendwie scheint es ohne Karl Kemmler im Dettinger Hallenbad kaum zu gehen, dasselbe gilt für seinen Sohn. „Weihnachten, was ist das?“, fragen sie unisono, dasselbe gilt für die Wochenenden. An den Weihnachtsfeiertagen läuft das Wasser wieder rein, insgesamt braucht es drei Tage, bis das Becken gefüllt ist, und dann muss es auch noch auf 28 Grad Celcius aufgeheizt werden. In diesem Moment ist die Holzhackschnitzel-Heizanlage Gold wert, sind sich alle einig. Das aufgeheizte Wasser kommt mit 90  Grad aus der Anlage raus und mit gerade mal einem Verlust von zwei Grad im Hallenbad an. „Wir können die Temperatur selbst beeinflussen, weil wir die Anlage betreuen“, sagt Tobias Kemmler.

Doch bis dahin ist noch einiges zu tun. Bevor das Wasser eingelassen wird, schauen die Kemmlers nach den Fugen und all dem, „was sonst nicht so deutlich sichtbar ist“. Das Ganze findet nicht nur aus hygienischen Gründen statt. „Der große Vorteil ist: Unser Bad sieht fast wie neu aus“, erklärt Jörg Neubauer. Die Duschen werden ebenfalls gereinigt, denn allein rund 1 400 Schüler frequentieren wöchentlich das Bad. Dazu kommen Vereine, beispielsweise die DLRG oder der VfL Kirchheim – da die Große Kreisstadt sich ja bekanntlich kein Hallenbad leisten kann und deshalb mit der Gemeinde Dettingen kooperiert. Außerdem gibt es drei Mal die Woche ab 6 Uhr Frühschwimmen. Das Einzugsgebiet des Bads entspricht in etwa der Raumschaft Kirchheim, doch es gibt auch durchaus Gäste aus Nürtingen und Wendlingen.

Der Gemeinde ist es wichtig, das Bad in Schuss zu halten. „Wir haben Trinkwasserqualität“, ergänzt Jochen Sokolowski. Um dies feststellen zu können, gibt es gewisse Parameter – es fällt das Stichwort Methane, und auch im leeren Schwimmbad hängt unverkennbar Chlorgeruch in der Luft. „Wir nehmen monatlich in Eigenkontrolle Proben“, sagt Jörg Neubauer.

Seit elf Jahren wird in Dettingen jedoch kein Chlorgas mehr verwendet, sondern Chlorgranulat, was für alle Beteiligten begrüßenswert ist: Nichts kann mehr explodieren, und die Arbeit ist für Tobias Kemmler ebenfalls entspannter. Nichtsdestotrotz braucht es weiterhin ein feines Händchen, um die richtige Dosierung hinzubekommen. „Die Parameter sind so fein, da braucht man ein Gespür dafür“, sagt Tobias Kemmler. Da kommt ihm Heiligabend gerade recht: „Da habe ich meine Ruhe. Da ruft keiner an“, ist seine Erfahrung.

Jetzt läuft der Betrieb wieder. Die Arbeit hat sich gelohnt, am Dienstagmorgen nach Weihnachten konnte sich Tobias Kemmler über einen regen Besuch in seinem Hallenbad freuen.

Frischwasserkur fürs Hallenbad
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