Kirchheimer Umland

Früh aufstehen lohnt sich

Im Radio wurde der Sonderzug beworben, erzählt uns ein begeisterter Radler aus Bempflingen, der mit seinem Vater den Enztäler-Express und den Enztalradweg erleben möchte. Wir haben das Angebot bei unserer Recherche rein zufällig entdeckt und wollten es testen: Das Bahninventar verströmt nicht das erwartete Flair an einen Sonderzug – einzig die sich öffnen lassenden Fenster machen Spaß beim Blick hinaus in Enztal. Trotz Frischluft weicht unsere Begeisterung bald einer gewissen Nüchternheit: Glückshormone lassen sich bei der Ankunft in Bad Wildbad dem Körper noch nicht entlocken. Unserer Neugier präsentiert sich eine verschlafene Kurstadt, deren Gastronomie so kurz vor 10 Uhr noch größtenteils geschlossen hat oder sich gerade im Aufbau befindet: Wir sollen in einer halben Stunde wiederkommen, die Kaffeemaschine sei noch nicht heiß, lautet eine Antwort. Nur zwei Bäckereien haben geöffnet. Das Gesamtangebot ist so keine gute Werbung für die Bahn oder den Kurort – zumindest nicht zu dieser frühen Uhrzeit. Einen großen Vorteil hat der Zug. Wir haben den Tag noch vor uns, denn der zweite Enztäler-Rad­express verlässt Stuttgart erst um kurz nach zwölf, was für eine Radtour definitiv zu spät ist.

Die ersten Kilometer auf dem Enztalradweg sind eine holprige Geschichte auf geflicktem Asphalt. Erst nach Calmbach macht der Radweg langsam Spaß und das Auge erfreut sich an malerischen Dörfern und die Nase an quellfrischer Schwarzwaldluft.

Allerdings ist man nie alleine und hat mit radelndem Gegenverkehr und Wanderern zu rechnen. Die Klingel sollte funktionieren und der Radhelm sitzen – dann kann eigentlich nichts passieren.

Sportliche Radler schaffen den gesamten Radweg mühelos an einem Tag, Genussradler können sich die Strecke filetieren. Selbst ein Besuch der Landesgartenschau in Mühlacker als Ziel ist kein Problem.

Die Verkehrsinfrastruktur der Bahn macht es möglich. Zudem benötigt man kein spezielles Radticket, sodass man mit dem Metropolticket als Kleingruppe mehr als günstig unterwegs ist. Allerdings sollte man bei der Hinfahrt sein Rad beim Zugwechsel im Griff haben. Viel Zeit bleibt nicht. Wer mit schweren E‑Bikes unterwegs ist, sollte eine S‑Bahn früher los. Im Großen und Ganzen ist der Enztalradweg eine „Erfahrung“ wert und wird einem noch lange im Gedächtnis bleiben. Der Ausflug in den Nordschwarzwald startet jeden Sonn- und Feiertag um 8.04 Uhr in Stuttgart – noch bis 18.  Oktober. Weitere Infos unter www.enztaeler-radexpress.de.jb

Anzeige