Kirchheimer Umland

Fünf Messerstiche

Mann wegen versuchten Totschlags angeklagt

In der Unterkunft in der Charlottenstraße in Kirchheim sind sich zwei Afghanen in die Quere gekommen. Die Folge: Einer der beiden wurde mit mehreren Messerstichen an Kopf, Rücken, Armen und Beine schwer verletzt.

Kirchheim/Stuttgart. Mehrfach war die Unterkunft in der Kirchheimer Charlottenstraße Schauplatz von Schlägereien unter Bewohnern. Der jetzt auf der Anklagebank der Zweiten Großen Jugendstrafkammer am Stuttgarter Landgericht sitzende 19-Jährige aus Afghanistan soll laut Anklage am 7. Juni 2015 gegen Mitternacht in seinem Zimmer in der Unterkunft alkoholisiert Streit mit seinem Zimmergenossen bekommen haben. Im Verlauf dieses Streits habe er dann aus der Küche ein Messer mit 20 Zentimeter langer, spitzer Klinge geholt und damit insgesamt fünf Mal auf das 35-jährige Opfer, ebenfalls ein Afghane, eingestochen. Die Stiche hinterließen nach ärztlicher Sicht tiefe und schwere Verletzungen am Kopf. Hier stellte man einen fünf Zentimeter langen Schnitt fest. Am linken Oberarm hatte das Opfer eine vier Zentimeter lange Verletzung, ebenso an der Hand, zwei Stiche im Oberschenkel sowie eine zwei Zentimeter tiefe Stichwunde an der Wirbelsäule, im Nacken und der Schulter. Das Opfer musste eine Woche stationär im Kirchheimer Krankenhaus behandelt werden. Die Verletzungen seien allerdings nicht lebensgefährlich, sondern lebensbedrohend gewesen. Noch in derselben Nacht konnten Polizeibeamte den 19-jährigen Angeklagten in der Unterkunft ausfindig machen und festnehmen. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Anzeige

Wie und warum genau es zu den Messerstichen kam, daran erinnert sich der Beschuldigte jetzt vor der Stuttgarter Strafkammer nur bruchstückhaft. Er sei in der fraglichen Nacht in das Zimmer gekommen, und dann habe der 35-Jährige plötzlich auf ihn eingeschlagen. Dann habe er das Messer geholt und sich gewehrt. Sein eigener körperlicher Zustand sei sehr schlecht gewesen, sagt er. Zuvor sollen die beiden unabhängig voneinander reichlich Alkohol, vornehmlich Wodka, wie der Angeklagte berichtet, getrunken haben. Alkohol selbst trinke er schon seit Jahren, meint er. Dazu auch gelegentlich das Rauchen von Joints.

Der 19-Jährige selbst stammt aus einem kleinen Ort an der afghanisch/pakistanischen Grenze. Er sei von seinem Stiefvater geschlagen worden, flüchtete dann zu einem Onkel, der ihn ebenfalls misshandelt habe. Mit 13 Jahren verließ er das Land und reiste ohne Papiere mit dem erklärten Ziel Deutschland zunächst in die Türkei, dann zwei Jahre später weiter nach Frankreich und nach Italien. Dann sei er von einem Schlepper nach Dänemark gebracht worden und wollte eigentlich nach Schweden. Die Einreise klappte aber nicht. In Paris habe er wochenlang auf der Straße gelebt. Schließlich kam er im Herbst 2013 nach Deutschland und wurde in die Kirchheimer Unterkunft einquartiert. Er habe Asylantrag gestellt, sagt er, wisse aber den derzeitigen Status nicht. Doch politisch verfolgt fühle er sich nicht.

Das Gericht hat sechs Verhandlungstage angesetzt, 17 Zeugen sollen vernommen werden.