Kirchheimer Umland

„Für 60 Euro kann man ja Taxi fahren“

Schwarzfahren ist jetzt teurer – Blitzumfrage des Teckboten zeigt unterschiedliche Meinungen

Seit dem 1. Juli ist das Schwarzfahren teurer: Wer ohne gültigen Fahrschein in S-Bahn, Bus oder Bahn unterwegs ist, muss nun 60 statt wie bisher 40 Euro zahlen. Der Teckbote hat Fahrgäste am Kirchheimer Bahnhof gefragt, ob sie diese neue ­Regelung für gerechtfertigt halten und ob sie schon öfters kontrolliert wurden.

Bahn Umfrage
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Kirchheim. „Ich finde die Erhöhung in Ordnung“, meint Gabriele Raichle, die auf dem Heimweg von Hamburg nach Lenningen ist. Sie gibt jedoch zu bedenken, dass vor allem in den S-Bahnen zu wenig kontrolliert werde. Sie selbst wurde in der S‑Bahn erst ein einziges Mal nach ihrem Ticket gefragt. Höhere Strafen sind ihrer Meinung nach nicht hilfreich, wenn durch fehlende Kontrollen ohnehin kaum Schwarzfahrer erwischt werden.

Vlady Ikiv hingegen findet das „erhöhte Beförderungsentgelt“ in Höhe von 60 Euro viel zu hoch. Er sieht einen Zusammenhang zwischen Streckenlänge und Strafmaß. „Vor allem, wenn man während einer Kurzstreckenfahrt beim Schwarzfahren erwischt wird, wäre es sehr ärgerlich, so viel Strafe zahlen zu müssen“, meint er.

Sein Kumpel Ricardo Giordano fügt hinzu: „60 Euro würden oft locker reichen, um mit dem Taxi ans gewünschte Ziel zu fahren.“ Beide sind der Ansicht, Schwarzfahren sei kein so dramatisches Vergehen, dass es ein so hohes Bußgeld rechtfertigen würde.

Eddy Frei findet die Entscheidung der Deutschen Bahn, das Strafgeld fürs Schwarzfahren zu erhöhen, „verständlich“. „Schließlich gehen durch Schwarzfahrer viele Einnahmen verloren und die Bahn muss diese Kosten irgendwie wieder reinholen“, meint er. Er hat also durchaus Verständnis für die Situation der Bahnmitarbeiter und dafür, dass deren Löhne gesichert werden müssen. Dennoch findet er es „fies“, wenn jemand womöglich aufgrund eines nicht funktionierenden Fahrkartenschalters zahlen müsste. Dass Automaten der Bahn nicht funktionieren, hat er immer wieder erlebt.

Maria-Luisa Krimpf wirft ein, dass die Busse, die zum Bahnhof fahren, häufig mit Verspätung ankommen. So reicht vielen Fahrgästen einfach die Zeit nicht, um vor der Abfahrt der S‑Bahn noch eine Fahrkarte zu kaufen. Außerdem ist sie mit dem Service der Bahn nicht zufrieden. Vor allem die zahlreichen Verspätungen von Zügen und S-Bahnen ärgern sie. Daher sieht sie ein Bußgeld von 60 Euro als unangebracht hoch an. „Dafür müsste sich erstmal die Dienstleistung der Bahn verbessern“, sagt sie. Kontrolliert wurde sie schon öfters, sowohl im Bus als auch in der S-Bahn.

Mike Loth hält die Preise der Deutschen Bahn allgemein für übertrieben hoch. Für seine Monatskarte hat er 80 Euro gezahlt. Er ist der Meinung, dass eine Erhöhung des Bußgelds vielleicht angemessen wäre, wenn auf der anderen Seite die Preise der Bahn etwas runtergehen würden. Und auch er regt sich darüber auf, dass die Fahrkartenautomaten oft kaputt sind.

Dieter Lorenz ist davon überzeugt, dass Schwarzfahren „absolut nicht in Ordnung“ und kein Kavaliersdelikt ist. Allerdings findet er es ebenfalls sehr problematisch, dass die Fahrkartenautomaten am Kirchheimer S-Bahnhof oft nicht funktionieren. Seiner Meinung nach sind die Geräte außerdem nicht auf ältere Leute ausgerichtet. „Leider ist es sehr unglaubwürdig, wenn man dem Schaffner von Problemen bei der Bedienung der Fahrkartenschalter erzählt“, sagt er. So müssten auch Leute die Strafe fürs Schwarzfahren zahlen, die eigentlich mit gültigem Fahrschein fahren wollten. „Früher war es möglich, direkt im Zug oder in der S-Bahn ein Ticket beim Schaffner zu lösen.“ Diese Möglichkeit vermisst er.

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Wer sich ohne Ticket unter die Bahn-Gäste mischt, muss mit gesalzenen Strafen rechnen.Fotos: Jean-Luc Jacques
Wer sich ohne Ticket unter die Bahn-Gäste mischt, muss mit gesalzenen Strafen rechnen.Fotos: Jean-Luc Jacques
„Für 60 Euro kann man ja Taxi fahren“
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