Kirchheimer Umland

Fußball baut Brücken

Flüchtlinge sind zum Landesliga-Spiel des TSV Weilheim eingeladen – „Training ohne Grenzen“ startet

Kicken verbindet. Das weiß auch Hans-Peter Bauer, Leiter der Fußballabteilung des TSV Weilheim. Darum hat er das „Fußballtraining ohne Grenzen“ ins Leben gerufen. Und nicht nur das: Heute sind die Bewohner der Notunterkunft zum Landesliga-Heimspiel des TSV Weilheim eingeladen.

Ein voller Erfolg auf der ganzen Linie: Die Weilheimer D-Jugend trainierte zusammen mit Asylsuchenden. Hans-Peter Bauer hat das
Ein voller Erfolg auf der ganzen Linie: Die Weilheimer D-Jugend trainierte zusammen mit Asylsuchenden. Hans-Peter Bauer hat das „Training ohne Grenzen“ angestoßen.Fotos: Joachim Wiest und Andreas Krisch

Weilheim. Es war die zweite Augustwoche, als Hans-Peter Bauer bei seinen regelmäßigen abendlichen Besuchen im Weilheimer Lindachstadion feststellte, dass es in den Zuschauerreihen kräftigen Zuwachs gegeben hatte. „Gleich am Tag nach der Belegung der Flüchtlingsunterkunft standen die ersten Asylsuchenden im Stadion, um beim Fußballtraining zuzuschauen“, erzählt Hans-Peter Bauer, Fußball-Abteilungsleiter beim TSV Weilheim. „Die Fußballaffinität der Jungs war unverkennbar, also dachte ich mir: Da müssen wir was machen.“

Schnell nahm Hans-Peter Bauer Kontakt zum Gesamtverein und zum Arbeitskreis Asyl auf und schlug vor, ein „Training ohne Grenzen“ speziell für die Bewohner der Notunterkunft anzubieten. Mit dieser Idee rannte er offene Türen ein.

Das erste internationale Training in dieser Woche war nun gleich ein voller Erfolg: Zwei Stunden lang kickten 34 fußballbegeisterte junge Männer aus Syrien, Gambia, Pakistan und Tunesien zusammen mit Fußballern aus Weilheim und Umgebung, 20 weitere saßen auf den Zuschauerbänken. Ganz besonders bunt wurde die Mischung an dem Tag, weil die D-Jugend des TSV gerade ihr Trainingslager absolvierte und ebenso wie einige erwachsene Aktive mit einstiegen: „Es gab keinerlei Berührungsängste“, schwärmt Hans-Peter Bauer von der tollen Begegnung. Zwar wird das Zusammenspiel mit der D-Jugend eher die Ausnahme bleiben. Das Training ohne Grenzen soll aber zur festen Institution werden. „Im Moment haben unsere Studenten Semesterferien, da ist die Betreuung kein Problem. Für danach suchen wir aber noch Leute, die Lust haben, auch mal eine Trainingseinheit anzubieten.“ Ein paar Talente unter den Asylsuchenden seien auch schon zum Training der zweiten Mannschaft eingeladen worden, weitere könnten durchaus folgen.

„Mit liegt unheimlich viel an der Sache“, betont Hans-Peter Bauer. Für ihn sei es selbstverständlich, Menschen aus anderen Kulturen, die viel Schlimmes erlebt haben, aufzunehmen und zu integrieren. Fußball biete sich da an: „Das ist eben eine internationale Sportart.“

Gefreut hat ihn auch das große Interesse der Asylsuchenden. „Als ich das Plakat in der Unterkunft aufgehängt habe, war ich gleich von 30 Leuten umringt.“ Für Hans-Peter Bauer steht fest: „Die Menschen suchen den Kontakt zur Bevölkerung.“ Er empfehle jedem, einfach mal in der Asylunterkunft vorbeizuschauen: „Wer reingeht und mit den Leuten redet, verliert auch seine Vorurteile.“

Eine gute Gelegenheit zu Gesprächen und Kontaktaufnahme bietet auch der heutige Samstag: Zu seinem ersten Landesliga-Heimspiel der Saison gegen den TV Echterdingen hat der TSV Weilheim nämlich die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft eingeladen. „Sie kommen zusammen mit zehn Mitarbeitern des AK Asyl, es wird Sprudel und kleine Snacks für alle geben“, sagt Hans-Peter Bauer. „Ich hoffe, das beschert ihnen einen kurzweiligen, schönen Nachmittag.“ Das Interesse im Vorfeld scheint immens zu sein: „Wir haben gefragt, mit wie vielen der Bewohner wir denn rechnen können“, erzählt Hans-Peter Bauer und verrät lachend, wie die Antwort lautete: „Mit allen 99.“

Hans-Peter Bauer
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