Kirchheimer Umland

„Ganz gut ist nicht sehr gut“

Energie Um den Wärme-, Wasser- und Strombedarf zu reduzieren, hat sich Schlierbach von der Energieagentur in Göppingen beraten lassen. Der Gemeinderat will dieses Energiemanagement fortführen. Von Volkmar Schreier

Damit Wasseruhr und Stromzähler nicht heiß laufen, holt sich die Gemeinde Schlierbach die Unterstützung durch externe Fachleute.
Damit Wasseruhr und Stromzähler nicht heiß laufen, holt sich die Gemeinde Schlierbach die Unterstützung durch externe Fachleute. Symbolbild: jean-Luc Jacques

Soll die Gemeinde Schlierbach weiterhin beim Thema Energiemanagement auf fachliche Expertise von außen zurückgreifen oder künftig dieses Thema in Eigenregie bearbeiten? Der Schlierbacher Gemeinderat zeigte sich in dieser Frage gespalten. Fakt ist: In den letzten beiden Jahren sind laut dem jährlichen Energiebericht keine besonders großen Einsparungen bei Wärme-, Wasser- und Stromverbrauch mehr erreicht worden. Das verwundert nicht, denn seitdem die Gemeinde im Jahr 2008 gemeinsam mit weiteren Voralbgemeinden ins kommunale Energiemanagement eingestiegen ist, sind praktisch alle Einsparpotenziale, die sich ohne teure Investitionen nutzen lassen, ausgereizt. „Wir stehen ganz gut da“, sagt Bürgermeister Paul Schmid, schiebt aber nach: „Ganz gut ist aber nicht sehr gut.“

Kosten versus Einsparung

Nun hatte der Gemeinderat darüber zu entscheiden, ob das kommunale Energiemanagement auch in den kommenden drei Jahren gemeinsam mit den bisherigen Partnergemeinden und der Energieagentur des Landratsamts Göppingen weitergeführt werden soll. Die Kosten für Schlierbach würden sich dabei auf rund 4 100 Euro im Jahr belaufen. Für die CDU-Fraktion im Gemeinderat war schnell klar: „Im vergangenen Jahr haben wir noch 900 Euro Einsparungen erzielt. Finanziell lohnt sich das für uns nicht mehr“, machte Marco Emmert die ablehnende Haltung seiner Fraktion deutlich. Sollte sich die Situation in den kommenden Jahren wieder verschlechtern, könne man dann ja immer noch einen externen Berater hinzuziehen.

Jörn Feldieper von den Freien Wählern wiederum plädierte für Kontinuität. „Wir müssen auch gegenüber den Bürgern zeigen: Wir tun was.“ Einen Ausstieg bezeichnete er als „falsches Signal“. Sein Fraktionskollege August Leins gab zu, im ersten Moment eine ähnliche Kosten-Nutzen-Rechnung aufgemacht zu haben wie Marco Emmert. Aber: „Ich habe in meinem Berufsleben oft genug ähnliche Verlaufsdiagramme gesehen. Wir brauchen da noch mehr Kontinuität bei den niedrigen Verbräuchen“, warb er für eine Fortführung. Die Erfolge der letzten Jahre müssten zunächst verstetigt werden, erst dann sei eine Weiterführung in Eigenregie denkbar.

Fachmann gesucht

Kurt Moll (CDU) hingegen sah das Thema Energiemanagement ausgereizt. „Wenn wir jetzt noch weitere Einsparungen erzielen wollen, müssen wir kräftig investieren“, stellte er fest. Dass sich jedoch diese Investitionen beispielsweise in die Wärmedämmung kommunaler Gebäude jemals amortisieren würden, sehe er nicht. „Wir glauben einfach nicht, dass sich die Energiekosten weiter senken lassen.“

Bürgermeister Paul Schmid warb dafür, weiterhin das kommunale Energiemanagement extern begleiten zu lassen. „Energiemanagement bezieht sich nicht nur auf das Eingeben von Verbrauchszahlen in ein Computerprogramm“, machte er klar. Es brauche einfach auch einen Fachmann, um aktuelle Entwicklungen zu erkennen und bei Bedarf gegenzusteuern. „Sie geben ohne Not ein wichtiges Controlling-Instrument aus der Hand“, sagte er an die CDU gewandt. Auch für Jörn Feldsieper ist klar: „Energie ist nun nicht gerade ein Thema, bei dem die Gemeinde besonders stark aufgestellt ist.“

Letztendlich beschloss der Gemeinderat mit den Stimmen der Freien Wähler und des Bürgermeisters denkbar knapp, das kommunale Energiemanagement für die nächsten drei Jahre fortzuführen. Die CDU-Fraktion im Gemeinderat votierte geschlossen dagegen.

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