Kirchheimer Umland

Gefühlvoll Tango tanzen

Ottmar Schönhuth und Corina Däuble bringen den Tango Argentino nach Kirchheim

Geschlossene Augen und sinnliche Bewegungen: Wenn sich das Tanzpaar Corina Däuble und Ottmar Schönhuth dem Tango hingibt, ist es völlig in sich ­versunken. Ihr Ziel ist es jedoch, ihren geliebten Tango Argen­tino in die Welt hinaus­zutragen. Sie möchten den Tanz in ­Kirchheim etablieren.

Gefühlvoll Tango tanzen
Tanzfreunde können sich freuen. Symbolfoto

Kirchheim. Eines Abends saß Ottmar Schönhuth in einem Tangolokal in Buenos Aires, als ihn eine ältere Argentinierin quer über die Tanzfläche anlächelte und zum Tanz aufforderte. Er wehrte sich erst, denn er hatte erst vor Kurzem seine allerersten Tangoschritte getan und war noch blutiger Anfänger. Aber die Südamerikanerin meinte zu ihm: „Wie viel du kannst, ist egal. Aber gib bei dem, was du kannst, 100 Prozent.“ Die Tanzfläche war rappelvoll, sodass sie sich kaum bewegen konnten. Die Argentinierin riet ihm: „Mach, was du kannst und bleibe in der Musik.“ An diesem Abend, erzählt Ottmar Schönhuth, hat sich alles, was er vom Tango wusste, umgedreht. Er erkannte: Der nächste Schritt ist der Schritt zum nächsten Genuss. Und es ist die Musik, die die Tänzer zum nächsten Schritt inspiriert – oder auch zu einer Pause.

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„Der Tango ist ein freier und sehr sinnlicher Tanz, er bietet Raum zur Interpretation“, stimmt ihm seine Tanzpartnerin Corina Däuble zu. Die 33-Jährige tanzt seit fünf Jahren, seit sie Ottmar Schönhuth zufällig kennenlernte. Mittlerweile haben sie auch ihre Partner mit dem Tangofieber angesteckt und stehen bei Hochzeiten, Vereinsfeiern oder im Rahmen der Frauenkulturtage auf der Bühne. Ihr nächstes Projekt ist nun, „eine kleine Tangoszene in Kirchheim aufzubauen.“ Dazu bieten sie ab sofort Kurse und Workshops an.

„Wir möchten das kulturelle Angebot um unsere Leidenschaft ergänzen“, schwärmt Schönhuth, und Corina Däuble ergänzt: „Kirchheim ist so vielseitig, offen und lebensfroh. Es ist ein gutes Pflaster, um unser Projekt umzusetzen.“ Ihre gemeinsame Vision sind bunte und stimmungsvolle Tango- und Milonga-Abende, an denen die verschiedensten Menschen teilnehmen. Bisher muss man dafür bis nach Stuttgart fahren, wo es eine relativ große Szene gibt. Was die beiden Kirchheimer unterrichten möchten, ist Tango Argentino, der komplett anders ist als der europäische Standardtango, der normalerweise an den Tanzschulen unterrichtet wird. Er ist sinnlicher, achtsamer und freier. Außerdem wird in kleinen familiären Gruppen unterrichtet, damit niemand in der Menge untergeht.

Jeder kann Tango lernen – davon ist das Tanzpaar überzeugt. Schließlich war Ottmar Schönhuth selbst lange der Ansicht, zwei linke Füße zu haben. „Jeder, der laufen kann, kann auch irgendwann Tango tanzen“, sagt der 61-Jährige und Corina Däuble meint: „Man muss einfach einen Fuß vor den anderen setzen.“ Das Schwierigste, sind sich beide einig, ist mit der Freiheit des Tangos klarzukommen – die jedoch auch viel bietet. Zuerst müssen Anfänger die Schrittfolgen lernen, die dann später aufgelöst und neu zusammengesetzt werden können. „Bei uns hat noch kein Tanz ausgesehen wie der andere“, erzählt Ottmar Schönhuth: Selbst bei Auftritten weiß seine Tangopartnerin keinen Schritt im Voraus und ist absolut unvorbereitet. Denn beide lassen sich völlig von der Musik leiten und geben sich dem Moment hin. Klassische Tangostücke sind meist melancholisch und gefühlvoll. Milonga, „die Schwester des Tangos“, ist frischer und fröhlicher.

Beim Tanzen kann die Frau die Augen schließen, die Außenwelt vergessen und sich leiten lassen. Der Mann hat die anspruchsvolle Aufgabe, die Frau zu führen, den nächsten Schritt zu überlegen und den Platz dafür zu schaffen. „In einer Gesellschaft, in der die Frau ihren Mann steht, kann sie wieder lernen, sich fallen zu lassen. Der Mann muss wieder Verantwortung übernehmen“, sagt Schönhuth. „Ich muss ihr einen Raum öffnen, in den sie folgt – aber es ist immer nur eine Einladung, nie ein Drücken oder Ziehen.“

Ziel beim Tangolernen ist es, die Schritte nicht mehr denken zu müssen, sondern sie automatisch zu machen, so Däuble. Außerdem soll jeder sein eigenes Ding machen können. So muss nicht jeder Schritt zur Anwendung gebracht werden und es können jederzeit Pausen eingelegt werden. Dazu weiß Ottmar Schönhuth eine weitere Geschichte: In Sizilien hatte er Unterricht bei einem berühmten Tanzpaar. Der Mann sagte: „Ich zeige euch gerne die Schritte, die ich am liebsten tanze, aber ich möchte nie eine Kopie von mir sehen – entwickelt euren eigenen Stil!“

Auf www.liviontango.de gibt es im Internet weitere Information zum Tango-Programm in Kirchheim.