Kirchheimer Umland

Gemeinsam einen Regenbogen malen

Dialog Vertreter verschiedener Religionen und Gemeinschaften treffen sich zu einem friedlichen Austausch.

Der Regenbogen gilt als Symbol für Harmonie, Ganzheitlichkeit, Natur oder als Zeichen der Verbindung zwischen Himmel und Erde.
Der Regenbogen gilt als Symbol für Harmonie, Ganzheitlichkeit, Natur oder als Zeichen der Verbindung zwischen Himmel und Erde.

Kirchheim. Bereits die beiden Vorbereitungstreffen waren vom offenen Aufeinanderzugehen geprägt.

Nun trafen sich Geistliche und Angehörige von in Kirchheim vertretenen Religionen im Hain der Kulturen im Bürgerpark. Christen verschiedener Konfessionen, Muslime, Buddhisten und Hindus teilten Gebete und Gedanken zum Frieden, lauschten verschiedensten musikalischen Beiträgen, sangen gemeinsam und malten einen bunten Regenbogen. Eingeladen hatten der evangelische Willi Kamphausen, Mitglied im Integrationsrat der Stadt, und der katholische Pastoralreferent Reinhold Jochim. Er geht nach rund zwei Jahrzehnten Einsatz für den Dialog zwischen den Religionen in Kürze in den Ruhestand und wird Kirchheim verlassen. „Das tut richtig weh“, bedauerte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker den nahen Abschied. „Religionsfreiheit ist ein hohes Gut und im Grundgesetz verankert“, betonte sie in ihrem Grußwort. „Das sollten wir uns in unserem täglichen Tun immer vor Augen halten. Gerade in Zeiten, in denen sich viele Menschen mit der Vielfalt in unserer Gesellschaft überfordert fühlen.“ Die Feier zeige, dass die Religionen in der Stadt gemeinsam etwas auf die Beine stellen könnten und wichtige Grundwerte wie die Sehnsucht nach Frieden teilten. Auf dieser Basis ließen sich auch konfliktträchtige Unterschiede besser aushalten und Lösungen für schwierige Fragen aushandeln.

Die rund einhundert Zuhörer erfuhren unter anderem, wie Franz von Assisi zum frühen Wegbereiter des interreligiösen Dialogs wurde. Er machte sich ohne Absicherung und Waffen zum gegnerischen Kriegsherrn und Sultan auf und sprach mit ihm über das Evangelium. Der Sultan wusste das Verhalten des mutigen und unerschrockenen Mönchs zu ehren, ließ ihn unter Geleitschutz ins christliche Lager zurückbringen und wollte ihn zuvor noch materiell beschenken.

„Alle Menschen haben denselben Vater, und das ist Gott, und daher sind sie Brüder“, betonte der Gemeindevorsteher Georg Muratidis von der griechisch-orthodoxen Kirchengemeinde. Er erinnerte an das Gebot „Behandelt die Menschen so, wie ihr selbst behandelt werden wollt“, auch „goldene Regel“ genannt. „Würden die angeblich christlichen Staaten, die angeblich auf das Evangelium schwören, dieses vergessene Gebot Christi anwenden, wäre die Weltsituation anders.“ Das Resümee der gut einstündigen Feier übernahm Reinhold Jochim: „Ich wollte, es wäre überall so wie in Kirchheim.“ Peter Dietrich

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