Kirchheimer Umland

Gestatten: Susi. Ich bin jetzt Kirchheimerin

Susi ist ein Podenco. Diese Hunderasse hat einen ausgeprägten Jagdtrieb. Susi hat sich eine Kirchheimer Familie gefangen und erzählt jetzt frei Schnauze ihre Geschichte.

Gestatten: Susi. Ich bin jetzt Kirchheimerin
Gestatten: Susi. Ich bin jetzt Kirchheimerin

Teneriffa/Kirchheim. Geboren bin ich auf Teneriffa, am Fuße des erloschenen Vulkans Teide. Er ist nicht nur die höchste Erhebung Teneriffas, sondern gleichzeitig der höchste Berg auf spanischem Staatsgebiet. Die Obhut meiner Hundeeltern konnte ich leider nicht lange genießen und war fast noch im Welpenalter schon auf mich alleine gestellt.

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Unsere Rasse hat einen ausgeprägten Jagdtrieb, und still sitzen können wir kaum. Heute dienen wir Hunde gerne und treu unseren Herren. Uns gibt es übrigens schon ewig: Die Ägypter haben Hunden bereits um 3800 bis 3600 vor Christus in ihren Grabmalen ein Denkmal gesetzt.

Leider habe ich auf der Insel keinen neuen Herren gefunden, dem ich bei der Jagd meine Dienste anbieten konnte, und so fristete ich mein Dasein mit Rumstreunen und Bettelei. Manchmal fraß ich Feigen oder sogar Steine, um meinen Hunger zu stillen. Mein trauriger Hundeblick kam mir bisher immer sehr zugute. Und genau dieser Blick sollte unlängst mein Schicksal besiegeln.

Ich war gerade auf meinem täglichen Rundgang durch mein Revier, als ich die beiden sah. Sie: groß, blond, schlank, und schimpfend hinter ihm her wandernd. Er: groß, grau-schwarzes Haar, mit akuratem Bart und leise vor sich hin grinsend. Beide machten einen sympathischen Eindruck und sahen so aus, als würde gerade noch ein Vierbeiner wie ich zu ihrem Glück fehlen.

Also tapste ich leichtpfötig auf die beiden zu, setzte mein treuherzigstes Gesicht auf, wedelte fröhlich mit dem Schwanz und wartete auf ihre Reaktion. Diese war zu meiner großen Freude exakt so, wie ich sie mir wünschte. Die beiden kümmerten sich sofort um mich, nahmen mich sogar mit – das heißt, ich lief den beiden einfach mal hinterher – und kauften mir an der Tanke Essen und Wasser. Das Essen – es war Katzenfutter! – schmeckte so lecker, dass ich während der Fahrt durch die Serpentinen erst mal ins Auto erbrach.

Ich war aber trotzdem sicher, endlich meine neue Familie gefunden zu haben. Doch so einfach war es leider nicht. Die Frau und der Mann, sie nennen sich Carina und Michael, brachten mich zu einem Haus mit vielen Tieren – sie nannten es Tierheim. Dort musste ich erst mal enttäuscht Abschied nehmen. Aber so leicht wollte ich nicht aufgeben; nun folgte Hundetrick Nummer zwei: Die traurigsten Augen zeigen und Kopf schief legen. Und siehe da, es funktionierte! Die Frau und der Mann drehten sich beim Weggehen um, sahen mich und mein Schauspiel, kamen zurück und vereinbarten mit dem Tierheim, dass sie mich mitnehmen wollen und ich meine ungeliebte Insel verlassen darf. Ich hörte, wie meine neuen Rudelführer etwas von Kirchheim unter Teck redeten. Es dauerte unendliche drei Monate, bis ich meine Reise aufs Festland antreten durfte. Und jetzt bin ich schon bald sieben Monate in Kirchheim und fühle mich bei meiner neuen Familie – Carina, Michael, fünf Katzen samt großem Haus und Garten – Podenco-wohl. Wie ich Frauchen und Herrchen gehorche, das müssen die beiden noch lernen. Aber ich liebe sie, bleibe ihnen treu und würde sie nie wieder hergeben.

Was mich immer wundert, sind die lachenden Gesichter, wenn ich mit Frauchen in der Stadt unterwegs bin und mich über die Tauben freue. Da steig ich vor Freude auf meine Hinterbeine und hüpfe den Tauben nach. Ich weiß gar nicht, was daran so lustig ist. In die Läden darf ich meistens nicht mit rein, aber wenn ich draußen geduldig warte, bekomme ich vom Metzger ein Stückchen Wurst oder Käse.

Im Garten spiele ich am liebsten mit Bällen, besonders, wenn die quietschen. Und ich hab schon zwei Freundinnen: Mädels aus der Nachbarschaft gehen gern mit mir spazieren. Geplant war ich ja nicht. Aber das nennt man wohl Liebe auf den ersten Hundeblick.

Ich freue mich über alle Menschen, denen ich begegne. Vor mir braucht niemand Angst haben. Ich begrüße alle freudig und manchmal springe ich sogar an ihnen hoch, aber nur ein kleines bisschen. Wuff!