Kirchheimer Umland

Gute Zahlen, schlechte Regeln

VR Bank Hohenneuffen-Teck hat 2015 erfreulich abgeschlossen

Gute Zahlen sind auch bei den Volks- und Raiffeisenbanken nicht selbstverständlich. Erst recht, seit die Europäische Zent­ralbank (EZB) den Zins ­ab­geschafft hat.

PETER DIETRICH

Dettingen. Im Jahr 2015, also dem ersten kompletten Geschäftsjahr nach der Fusion, hat die VR Bank Hohenneuffen-Teck ein Ergebnis der normalen Geschäftstätigkeit von rund 5,9 Millionen Euro erwirtschaftet. Davon zahlte sie 1,6 Millionen Steuern, 2,5 Millionen Euro hat sie ihrem Fonds für allgemeine Bankenrisiken zugewiesen. Weitere 1,27 Millionen Euro bleiben ebenfalls im Unternehmen und werden verschiedenen Rücklagen zugeführt. Die verbleibenden 538 000 Euro werden als Dividende von vier Prozent an die Mitglieder ausgeschüttet. Im Vorjahr lag der Satz noch bei fünf Prozent, damit folgt die VR Bank Hohenneuffen-Teck dem allgemeinen Trend bei den Volksbanken zu sinkenden Dividenden. Die Dividende verteilt sich auf 22 453 Mitglieder, deren Zahl ist merklich gestiegen.

Von den 318 Vertretern der Bank war gut die Hälfte zur Vertreterversammlung in die Dettinger Schlossberghalle gekommen, alle Beschlüsse und Entlastungen fielen einstimmig. Dettingens Bürgermeister Rainer Haußmann schlug der Bank, die ihren Sitz in Frickenhausen hat, Dettingen als neuen Hauptsitz vor. Es liege genau zwischen Bempflingen und Aichelberg, dem Geschäftsgebiet der Bank. In Dettingen gebe es die einzigen Bauplätze, von denen bei gutem Wetter zugleich die Burg Teck und der Hohenneuffen zu sehen seien. Außerdem äußerte er sich zu öffentlichen Schulden: Viel wichtiger als eine „schwarze Null“ sei, dass eine Gemeinde sich für die Zukunft rüste: „Besser innovativ als schuldenfrei.“

Bruno Foldenauer, Vorstandssprecher der Bank, ist mit dem Jahresergebnis „äußerst zufrieden“. Er führt es auf das stabile wirtschaftliche Umfeld in der Region und auf das Vertrauen der Mitglieder und Kunden zurück. Er kritisierte aber die aus seiner Sicht „völlig überzogene Bankenaufsicht“ und die „Abschaffung des Zinses durch die EZB“. Obwohl die Wirtschaft mit billigem Geld in bisher nie gekannter Menge stimuliert werde, bleibe das Wachstum in der Eurozone bescheiden. Gleichzeitig seien die Risiken deutlich gestiegen, eigentlich nicht mehr lebensfähige Banken und Staaten würden künstlich am Leben gehalten. Sind die Finanzmärkte sicherer geworden? „Einzelne Banken vermutlich ja, mehrere Bankensysteme auch“, sagte Foldenauer. Aber für das gesamte Finanzsystem wolle er das so nicht unterschreiben. Banken die Eigenvorsorge durch eine zentralisierte Einlagensicherung abzunehmen, hält er für grundsätzlich falsch. Das sei, wie wenn man bei einem Schiff die Schotten zwischen den Frachträumen ausbaue, um im Havariefall alles einheitlich zu fluten. Dadurch werde ein Schiff nicht seetüchtiger. Deshalb liefen Volksbanken und Sparkassen gemeinsam gegen die Brüsseler Pläne zu einer „europäischen Zwangshaftung zu unseren Lasten“ Sturm.

Zehn von 161 Mitarbeitern der Bank, so Foldenauer weiter, arbeiteten direkt und indirekt nur an aufsichtsrechtlichen Vorgaben und Regelungen. Allein die Ausführungsbestimmungen für Immobilienkredite umfassten 300 Seiten. Durch Regulierung und Kostendruck werde es bei den Volks- und Raiffeisenbanken weitere Fusionen geben. Derzeit gibt es in Deutschland 1 019 dieser Banken, die VR Bank Hohenneuffen-Teck liegt von der Größe her auf Platz 301.

Vorstand Stefan Gerlach erläuterte den Trend zum Onlinebanking: Nur noch gut drei Prozent der rund sechs Millionen Buchungen waren beleghaft. Die Bank hat eine Geschäftsstellenanalyse in Auftrag gegeben. Primäres Ziel, betonte Vorstand Thomas Krießler, sei aber nicht die Schließung von Geschäftsstellen. „Dazu bräuchten wir keine Analyse.“ Im Herbst werde es eine „Preisanpassung unserer Kontenmodelle“ geben. Telefon und Internetbank würden in Kürze als „VR Bank Direkt“ zusammengeführt.

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