Kirchheimer Umland

„Gutes Essen kann jeder“

Der Startschuss für die landesweiten Ernährungstage fällt in der Kirchheimer Deula

Er hetzt aus dem Büro, rennt zum Falafel-Imbiss um die Ecke – das Handy selbstverständlich am Ohr. Als er sein Essen endlich in den Fingern hält, verschlingt er es mit einem Haps. Und das Telefon klingelt schon wieder: So soll es nicht sein, findet Landwirtschaftminister Bonde und läutet in Kirchheim die zweiten Ernährungstage ein.

Landwirtschaftsminister Bonde war zum Auftakt der landesweiten Ernährungstage in der Kirchheimer Deula. Foto: Ralf Just
Landwirtschaftsminister Bonde war zum Auftakt der landesweiten Ernährungstage in der Kirchheimer Deula. Foto: Ralf Just

Kirchheim. „Die Essgewohnheiten haben sich geändert“, erklärt Alexander Bonde in der Kirchheimer Deula: Weniger Menschen kochen selbst, das Außer-Haus-Essen, etwa in Mensen und Kantinen, spielt eine immer größere Rolle. Das Ziel der zweiten Ernährungstage des Ministeriums für Verbraucherschutz und ländlichen Raum in Baden-Württemberg ist es deshalb unter anderem, Menschen besser auswärts essen zu lassen. Gestern wurden die Tage in Kirchheim eröffnet.

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Damit nicht jeder endet wie der eingangs beschriebene Mann in dem kurzen Video der Kampagne, finden bis zum Freitag zahlreiche Workshops und Aktionen für eine bessere Ernährung in Baden-Württemberg statt. Denn auch im Alltagsstress gibt es laut Bonde Möglichkeiten, das Essen genussvoll zu gestalten. Eine davon legt der Imagefilm nahe: Statt zum Imbiss nebenan zu rennen, einfach mal gemütlich Mittagstisch machen im Restaurant oder in der Kantine. Die Projekte im Rahmen der Ernährungstage sollen außerdem dazu animieren, auch einfach mal selbst zu kochen und den Spagat zwischen den Polen Hektik und Genuss besser zu meistern.

Denn dass Essen auch in hektischen Zeiten noch geschätzt wird, ist sich die Erste Landesbeamtin Dr. Marion Leuze-Mohr sicher. Sonst würden nicht so viele ihr Essen vor dem Essen fotografieren und per Handy ihren Bekannten schicken. Genuss könne vielfältig sein, genauso wie der Weg zu einem guten Essen: „Für einige steht die Vielfalt im Vordergrund, für andere geht es mehr um die Gesundheit oder um regionale Erzeugnisse.“ Das alles gehöre zum Genuss. Wer sich für gutes Essen Zeit nehme, profitiere auch von einigen Nebenwirkungen: Man pflegt Kontakte, lernt Gerichte kennen, die sonst nicht gekocht werden, und bringt auch noch Struktur in den Tag.

„Gutes Essen kann jeder“, sagt Marion Leuze-Mohr. Und die Aktionen sollen es dorthin bringen, wo es letztlich tatsächlich gebraucht wird: in Mensen, Betriebskantinen und Ernährungszentren.

Info

Auf der Homepage der Initiative www.machs-mahl.de gibt es weitere Informationen zu den landesweiten Ernährungstagen und eine Übersicht über die Veranstaltungen.

Strategien für einen besseren Mittagstisch

Im Rahmen der „Mach‘s Mahl“ Initiative gibt das Landwirtschaftsministerium ein paar Tipps für einen besseren Mittagstisch. Hier gibt es eine Auswahl davon: Doppelt hält besser: Wer morgens gut frühstückt, rutscht mittags nicht ab in ein Leistungstief unstillbarer Gelüste auf Pommes mit Mayo beim Lieblingsimbiss. Jour Fixe: Schon montags die Mittagspausen für die Woche planen: Mit wem möchte man wohin gehen? Es können auch mal andere Gaststätten in Laufweite erkundet und getestet werden. Blind Date: Auch mal bei unbekannten Kollegen fragen, wer Interesse an einer gemeinsamen Mittagspause hat. Viele werden sich freuen. Heinzelmännchen spielen: Dem Partner oder der Partnerin leckere Snacks in die Aktentasche, Handtasche oder in den Rucksack schmuggeln. Achtung: Keine Joghurts zu Unterlagen legen. Es ist noch Suppe da: Eine Möglichkeit ist es, am Vortag schon für die Mittagspause vorkochen. Oder beim Abendessen einfach eine Portion mehr machen. Lunch-Roulette: Wer keine Lust auf das Abendessen vom Vortag hat, kann sein Lunchpaket auch mit Kollegen tauschen – sorgt für Abwechslung. Gemeinsame Mittagspause: Nicht alleine essen gehen: Im Gespräch mit Bekannten isst es sich in jedem Fall deutlich entspannter. Der Mix(er) macht‘s: Wenn mal wirklich gar nichts geht, kann’s auch ein leckerer Smoothie für die Mittagspause sein. Für einen grünen Smoothie 25 Prozent Pflanzengrün, 25 Prozent reife Früchte und 50 Prozent Wasser in den Mixer geben, Knopf drücken, fertig.