Kirchheimer Umland

Gutes Kino ist Grundnahrungsmittel

Kinoprogrammprämie würdigt Kirchheimer Tyroler Kino

Wie selbstverständlich ist kulturelles Leben jenseits der Metropolen? Wie viel Qualität darf man hierbei in Kleinstädten erwarten? Dass Kirchheim zumindest beim Kino verwöhnt ist, zeigt die Tatsache, dass Kirchheims Kinofamilie Frech bereits zum elften Mal in Folge für ihr sehr gutes Jahresfilmprogramm 2014 ausgezeichnet wurde.

Gutes Kino ist Grundnahrungsmittel
Gutes Kino ist Grundnahrungsmittel

Kirchheim. Jedes Jahr belohnt die Medien- und Filmfördergesellschaft Baden-Württemberg (MfG) jene Kinobetreiber, die nicht einfach nur spielen, was die Kinokasse klingeln lässt, sondern die Zeit und Mühe investieren, um ihrem Publikum hochwertige Unterhaltung zu bieten. Im ZKM (Zentrum für Kunst und Medientechnologie) in Karlsruhe verliehen Kulturstaatssekretär Jürgen Walter und der Geschäftsführer der MfG Carl Bergengruen Prämien von insgesamt 190 000 Euro und Urkunden an 55 Kinos im Südwesten.

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„Mit Ihrem hochwertigen Programm ermöglichen Sie Teilhabe an Kultur jenseits des Mainstreams“, lobt Walter und ist sich sicher, dass das „zu einem kritischen Umgang mit Medien- und Medienkultur“ beiträgt. Genau das solle aber nicht bloß ein Privileg der Ballungsräume sein, sondern überall im Land erlebbar sein. Diese Flächendeckung zeigt sich auch bei den Preisträgern, denn neben Stuttgart, Karlsruhe, Freiburg und Mannheim gibt es auch leidenschaftliche Cineasten etwa in Hemsbach, Kirchberg an der Jagst, Alpirsbach und eben in Kirchheim. Den Spitzenpreis von 15 000 Euro für ein herausragendes Jahresfilmprogramm erhielt das Krone-Theater in Titisee-Neustadt.

Dass Besucherzahl und Umsatz der Programmkinos im letzten Jahr insgesamt gestiegen sind, betrachtet Walter als Bestätigung dafür, dass „sich Qualität auf Dauer auszahlt“. Das gilt auch insgesamt für den Film- und Medienstandort Baden-Württemberg, der sich erfolgreich weiterentwickelt hat.

„Gute Kultur kostet Geld“, hebt der Juryvorsitzende Dietrich Förster-Henkel hervor, „denn Kultur ist nicht bloß ein Sahnehäubchen, sondern ein Grundnahrungsmittel.“

Carl Bergengruen von der MfG bezweifelt, dass „neue Medien die klassischen verdrängen“. Seiner Ansicht nach ergänzen beide einander. Er betont, wie wichtig Förderung sei, um diese Kulturform zu erhalten. Denn wenn etwa der Verleiher Disney den kleinen Kinos den gleichen Leihmietensatz abknöpft wie den großen, „ärgert uns das zwar, doch wir können nicht ins Marktgeschehen eingreifen – es aber bei jeder Gelegenheit erwähnen“. Das ist auch der Grund, weshalb in Kirchheims Kinos Disney-Produktionen wesentlich seltener zu sehen sind.

Ulrike und Eberhard Frech freuen sich über die Auszeichnung der MfG für das Tyroler Kino. „Wir bekommen immer auch sehr viel positive Rückmeldung vom Publikum für unser Programm“, erzählt Eberhard Frech. Frustriert sind sie manchmal, wenn während der dreieinhalb Wochen Sommernachtskino und sogar noch zwei Wochen danach die Kinosäle leer bleiben. Zu Beginn dauerte das Kino unter freiem Himmel lediglich die halbe Zeit. „Das war noch in Ordnung“, sagt Frech. Doch inzwischen tut es richtig weh. Denn die Betriebskosten laufen ja weiter.

Die Kinoprogrammprämie müssen Frechs wie immer im Tyroler Kino investieren. Letztes Jahr gab es einen neuen Verstärker, dieses Jahr fließt das Geld in eine neue Spülküche. Kultur hat eben manchmal auch ganz pragmatische Bedürfnisse.

Gutes Kino ist Grundnahrungsmittel
Gutes Kino ist Grundnahrungsmittel