Kirchheimer Umland

Hand in Hand für mehr Personal

Verdi macht mit bundesweiter Aktion auf den Notstand in Krankenhäusern aufmerksam

„Es ist fünf nach zwölf“, sagen die Mitarbeiter des Kirchheimer Krankenhauses. Um ihrer Forderung nach mehr Personal und mehr Zeit für ihre Patienten und ihre Arbeit Gehör zu verschaffen, beteiligten sie sich an einer bundesweiten Protestkette der Gewerkschaft Verdi.

162000 brauchen dich! Kollegen demonstrieren, Krankenhaus, verdi, Klinikum Kirchhei, Krankenhausreform
162000 brauchen dich! Kollegen demonstrieren, Krankenhaus, verdi, Klinikum Kirchhei, Krankenhausreform

Kirchheim. Am gestrigen Mittwoch hielten rund 70 Beschäftigte des Kirchheimer Krankenhauses um 12  Uhr im Eingangsbereich Nummernkarten in die Luft, um die Personalnot sichtbar zu machen. „Für jeden fehlenden Arbeitsplatz in Deutschlands Krankenhäusern hält heute bundesweit ein Kollege ein Schild mit einer Zahl hoch“, erklärt Anita Scholz, Sekretärin im betriebsärztlichen Dienst. Auch am Nürtinger Krankenhaus und im Esslinger Klinikum beteiligten sich viele Mitarbeiter an der bundesweit angelegten Aktion der Gewerkschaft Verdi. Mit dem Protest soll die Bundesregierung angesprochen werden, da an diesem Tag auch der Gesundheitsausschuss im Deutschen Bundestag und die Gesundheitsministerkonferenz der Länder in Bad Dürkheim in Rheinland Pfalz tagte.

Nach Meinung der Gewerkschaft Verdi fehlen in den Krankenhäusern bundesweit aktuell 162 000 Stellen, davon 70 000 in der Pflege. In den Kliniken im gesamten Landkreis Esslingen mangelt es an über 700 Vollzeitkräften, davon über 300 in den Krankenhäusern Nürtingen und Kirchheim. Die Sicherheit der Patienten und ihre Versorgung sind nur mit ausreichend Personal zu gewährleisten – davon sind die Mitarbeiter, die sich an der bundesweiten Protestaktion beteiligen, überzeugt. „Es ist bereits fünf nach zwölf“, sagt Anita Scholz. „Wir brauchen dringend Entlastung und Zeit für unsere Patienten, unsere Arbeit und zu unserer Erholung.“ Die Beschäftigten wehren sich dagegen, dass gegen Arbeitsschutzgesetze verstoßen wird und das Arbeitszeitgesetz manchmal nur auf dem Papier existiert, so Scholz. „Alle im Krankenhaus machen ihre Arbeit gerne, wollen gute Arbeit leisten – ohne schlechtes Gewissen“, betont sie.

Die Aktion soll deshalb nicht nur den Personalmangel sichtbar, sondern auch der Enttäuschung über den Gesetzentwurf zur Krankenhausreform Luft machen. „Der Entwurf, der am 10. Juni von der Bundesregierung vorgestellt wurde, ändert nichts an den bestehenden Problemen“, sagt Michael Gleichenfeld, Verdi-Vertrauensperson am Kirchheimer Krankenhaus. Gleichenfeld ist Betriebsrat und selbst in der Pflege tätig, in einer Überwachungsstation. „Ich habe 15  Patienten zu überwachen. Wir versuchen mit hohem persönlichem Einsatz eine sichere Versorgung zu gewährleisten, trotz Personalmangels.“

Das von der Regierung Anfang Juni vorgeschlagene Pflegeförderprogramm sieht jedoch für 2016 gerade mal eine Pflegestelle mehr pro Jahr und Krankenhaus vor. „So geht es nicht, und so kann es nicht weitergehen“, sagt Gleichenfeld. Die Gewerkschaft Verdi und der Deutsche Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) fordern deshalb gesetzlich verbindliche Standards zur Regelung der Finanzierung und der Personalausstattung für alle Beschäftigten der Krankenhäuser. „Wir hoffen, dass die Aktion in ganz Deutschland der Bundesregierung verdeutlicht, wie ernst es uns ist.“

Die Beteiligung an der Protestaktion in Kirchheim reicht quer durch die Belegschaft – vom Pflegepersonal über Servicekräfte und Ärzte bis hin zum Reinigungs- und Küchenpersonal war man hier heute vertreten. Einige von ihnen sind an ihrem freien Tag in der Mittagspause hierhergekommen, um zu demonstrieren. „Das zeigt die große Solidarität mit unserem Anliegen – aber auch, dass es in jeder Abteilung vorne und hinten personell mangelt“, so Gleichenfeld.

Den Personalnotstand sichtbar machen: Die Belegschaft des Kirchheimer Krankenhauses beteiligte sich an der bundesweiten Menschen
Den Personalnotstand sichtbar machen: Die Belegschaft des Kirchheimer Krankenhauses beteiligte sich an der bundesweiten Menschenkette und demonstrierte für mehr Personal in den Kliniken sowie gegen die Überbelastung in ihren Berufen.Fotos: Jörg Bächle