Kirchheimer Umland

Helikoptereltern und Hundehalter

Uli Keuler gastiert in der Dorfwiesenhalle in Schlierbach

Wenn Uli Keuler spielt, wird der Saal voll – so auch am Donnerstag in der Schlierbacher Dorfwiesenhalle. Unter anderem im Gepäck des schwäbischen Urgesteins des Kabaretts: Hundebesitzer, Helikoptereltern und ein Bräutigam, der sich vor dem Standesbeamten um Kopf und Kragen redet.

Volkmar Schreier

Schlierbach. Viel braucht Uli Keuler nicht, um sein Publikum in die kleinen, stets mit einer wohlbekannten Situation beginnenden Geschichten mitzunehmen: ein Stuhl, ein Mikrofon und er selbst reichen aus, um die vielen Charaktere erlebbar zu machen, die diese Geschichten bevölkern. So etwa der Hundebesitzer, der darüber sinniert, ob sein geliebter Timmy schwer an einem frühhundlichen Trauma trägt, das das Tier – obwohl nach Aussage seines Besitzers Vegetarier – immer wieder nach Bratwürsten schnappen lässt.

Oder die Helikoptereltern, deren 19-jähriger Sohn offensichtlich das erste Mal alleine von zu Hause weg ist – auf einer Exkursion auf der Schwäbischen Alb im Rahmen seines Geografie-Studiums. Der Sohn ist seit sechs Stunden nicht erreichbar, das Ersatzhandy hat er auch nicht dabei, denn „das ist ja zum Desinfizieren, weil der Sohn damit mit seinem grippekranken Kumpel telefoniert hat“. Auch die Studienwahl des Sohnes sagt den Eltern nicht wirklich zu: „Vielleicht hätten wir ihn mal zur Studienberatung mitnehmen sollen.“ Dafür hätten sie im Bereich der frühkindlichen Bildung alles richtig gemacht, denn nach der Dauerbeschallung mit Baby-Einstein-Kassetten sei das erste Wort des Sprösslings nicht Mama, sondern Gymnasialempfehlung gewesen.

Keuler versteht es immer wieder, die Skurilitätenschraube noch eine Umdrehung weiter anzuziehen und die Lachmuskeln des Publikums noch ein wenig mehr zu beanspruchen. Der Bräutigam will etwa nochmals die grundsätzlichen Fragen durchdiskutieren, obwohl ihm der Standesbeamte gerade die alles entscheidende Frage gestellt hat. Das Auto wird mit Kfz-Wellness, Motorraumpflege nach Hildegard von Bingen und Aquaplaning-Kursen in der Gruppe verwöhnt. Auch aktuelle technische Entwicklungen nimmt Keuler aufs Korn.

Die Küche der Zukunft – selbstverständlich voll vernetzt und mit Sprachsteuerung ausgestattet – weiß zwar genau, wo die beiden fehlenden Schranktüren abgeblieben sind: „Eine fährt grade auf der Autobahn an Ulm vorbei, die andere an Pforzheim – und der Monteur steht dazwischen im Stau.“ Einen Topf Wasser zum Kochen zu bringen, gelingt aber nicht, obwohl man „mit dem Herd Online-Banking machen und mit dem Waffeleisen Halma spielen kann.“

Die Sparsamkeit der Schwaben nimmt Keuler in einem Atemzug mit dem Tarifdschungel der Deutschen Bahn auf die Schippe, wenn die Kunden zunächst eine Gruppenkarte für neun Erwachsene und sieben Kinder lösen wollen, aber nicht wissen, ob zwei Teilnehmer der Gruppe nun in Nürtingen oder Plochingen zusteigen wollen und, um auch den letzten Cent an Ersparnis herauszuholen, nachfragen, ob man in die Zahl der Kinder auch eine Schwangere mit einrechnen könne. Vielleicht hilft ja am Ende der Tarif „Reise nach Jerusalem“ mit 15 Plätzen für 16 Leute.

Das Programm macht Spaß, eben weil es Keuler versteht, die von ihm verkörperten Akteure trotz hohem Fremdschämfaktor liebenswert darzustellen. Das Publikum ging schließlich – nicht ohne die Zugabe „Goht a Mah durch dr Wald“ – nach knapp zwei Stunden bester Unterhaltung gut gelaunt nach Hause.

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