Kirchheimer Umland

„Hier sind die Jungs unter sich“

Freizeit Für einen Nachmittag mädelsfreie Zone: Beim zehnten Jungentag im Kirchheimer Bohnauhaus hatten dieses Jahr über 100 Jungs viel Spaß beim Sport machen, Basteln und Werkeln. Von Alicia Kaiser

Vor dem Bohnauhaus ist mächtig was los. Massenhaft geparkte Fahrräder und Jungs im Alter von 8 bis 14 Jahren, die alle aus dem gleichen Grund hier sind: dem zehnten Kirchheimer Jungentag. Schon vor dem Eingang geht‘s mit dem Programm los. Lautes Geschepper erklingt beim Dosenwerfen. Darauf folgen die Jubelschreie der Jungs. Aus der Eingangstür strömt der Geruch von Saitenwurst. Beim Jungentag gibt‘s Hotdogs als Stärkung. Die werden die Teilnehmer nach anstrengenden Programmpunkten wie Rangeln und Raufen, Breakdance oder Bogenschießen dringend nötig haben.

„Die Aktion ist auf die Interessen der Jungs angepasst“, so Wolfgang Schinko, Leiter des Kommunikationszentrums für interkulturelle Zusammenarbeit (KiZ). Da verwundert manch einen der Anblick eines kleinen Jungen vor der Nähmaschine. „Auch Männer können nähen“, sagt der Betreuer des Nähprojekts. Das stolze Grinsen des Kleinen, als er eine fertige Handytasche in der Hand hält bestätigt die Meinung des Betreuers. Sogar ein Geschenk für Mama nähen hier einige.

Über 100 Jungs hatten im Bohnauhaus Spaß beim Sport machen, Basteln und Werkeln. Foto: pr
Über 100 Jungs hatten im Bohnauhaus Spaß beim Sport machen, Basteln und Werkeln. Foto: pr

Während die einen drinnen Tischtennis oder Tischfußball spielen, finden draußen die eher abenteuerlichen Aktionen statt. Mit Helm und Gurt geht‘s hoch hinaus. Beim Baumklettern versucht jeder, sich als Kletteräffchen am besten zu schlagen. Gesichert von einer Betreuerin, ist es auch kein Problem, sich in schwindelerregender Höhe von einem Ast baumeln zu lassen, wie es ein kleiner Bub tut. „Genieß ruhig mal deine Aussicht“, ruft die Betreuerin ihm zu und lobt ihn für seine Kletterkünste. Unter dem Baum warten die anderen schon ungeduldig bis sie endlich an der Reihe sind. Geklettert wird auch beim Kistenstapeln. Das Ziel: mit seinem Team den höchstmöglichen Turm aus leeren Kisten zu bauen. Während die Kleineren schnell an ihre Grenzen kommen, hat drei größere Jungs der Ehrgeiz gepackt. Mit Teamarbeit und einer durchdachten Taktik entsteht ein Turm aus 14 Kisten.

Kistenstapeln war angesagt. Foto: pr
Kistenstapeln war angesagt. Foto: pr

Wer zwischendrin etwas Süßes abstauben will, begibt sich zur Schokokuss-Schleuder. Mit Tennisbällen versuchen die Buben den Mechansimus auszulösen. Die Kumpels jubeln bei jedem Treffer mit. Nachdem der Preis des Spiels verschlungen ist, geht‘s mit klebrigen Fingern und noch vollem Mund weiter zur nächsten Station.

Für jeden eine Herausforderung

„Nicht kippeln“, schreit einer, bevor die Bierbank, auf der einige sitzen, umkippt. Darauf folgt lautes Gelächter. Die gut gelaunte Truppe wartet darauf, mit Pfeil und Bogen schießen zu dürfen. Gezielt wird auf bunte Luftballons, die an einem großen Styroporblock hängen. Wer treffen will, muss vorher gut aufpassen. Nur dann weiß der Schütze, wie man den Bogen richtig hält und der Pfeil sein Ziel nicht verfehlt.

„Taschen weg und Purzelbäume schlagen“, animiert ein junger Mann die Gruppe Jungs die, sich in einem Nebenraum versammelt hat. Ein Aufwärmprogramm soll die Verletzungsgefahr beim Breakdance senken. Nachdem die Matten beiseite geräumt sind, kann es losgehen. Erst wird vorgetanzt, dann versuchen die Jungs nachzulegen. „Das ist eine Herausforderung für jeden Einzelnen“, sagt der Trainer. „Wenn ihr es geschafft habt, unterstützt euren Nachbarn“, fordert er sie auf. Alle probieren, helfen sich gegenseitig und brechen in lautes Klatschen und Jubeln aus, wenn einer der Tanzneulinge die Übung gelernt hat.

Der Nachmittag endete mit einer Autogrammstunde von Knights-Spieler Till Pape (siehe Foto) - ein Vorbild für viele der Teilnehme
Der Nachmittag endete mit einer Autogrammstunde von Knights-Spieler Till Pape (siehe Foto) - ein Vorbild für viele der Teilnehmer. Foto: pr

Am Himmel ziehen dunkle Wolken auf. Deshalb bahnt sich eine mit Brennkolben bewaffnete Gruppe samt ihrer Betreuerin den Weg ins Innere des Bohnauhauses. An dieser Station werden zunächst kleine Brettchen abgeschmirgelt. Danach zeichnen die Jungs vor, was sie später mit Lötkolben in die Oberfläche brennen wollen. „Du kannst da alles drauf machen, was du willst“, erklärt ein Junge seinem Kumpel, der gerade neu dazu gekommen ist. Ein kleinerer Bub bastelt ein Schild für sich und seinen besten Freund, ein dritter hat sich ein sehr detailreiches Design ausgedacht.

Der Nachmittag endet mit einer Autogrammstunde von Knights-Spieler Till Pape (siehe Foto) - ein Vorbild für viele der Teilnehmer.

Veranstaltet wird der Jungentag von verschiedenen Trägern: dem Brückenhaus, dem KiZ, der Stiftung Tragwerk, der Stadt Kirchheim, dem Fachdienst für Jugend, Bildung und Migration der Bruderhausdiakonie, dem Mehrgenerationenhaus Linde, dem Evangelischen Jugendwerk und Pro Familia. Die Schirmherrschaft für die Veranstaltung übernehmen die Zweitliga-Basketballer der Kirchheim Knights.

Anzeige